Zuckersteuer: 2000 fränkische Rübenbauern warnen vor Folgen für die Region
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAm 22. Oktober 2026 haben der Zuckerhersteller Südzucker und der Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) die von der Bundesregierung geplante Steuer auf gesüßte Getränke entschieden zurückgewiesen. Die Branchenvertreter warnten vor spürbaren Einschnitten für die regionale Landwirtschaft.
In Franken wären rund 2000 Zuckerrübenanbauer sowie Südzucker als größter Zuckererzeuger Europas mit seinem Werk in Ochsenfurt direkt von den Auswirkungen betroffen. Beide Organisationen kritisieren eine solche Sonderabgabe seit Langem und bezweifeln deren tatsächlichen gesundheitspolitischen Nutzen.
Pläne des Bundeskabinetts für eine gestaffelte Abgabe
Die Bundesregierung brachte das Gesetzesvorhaben kürzlich auf den Weg. Die Vorlage stellt allerdings noch kein geltendes Recht dar, da die Zustimmung des Bundestages sowie eine Genehmigung durch die Europäische Union noch ausstehen.
Der Entwurf sieht eine Einführung zum 1. Juli 2027 vor. Geplant ist eine zweistufige Besteuerung: Für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis 8 Gramm pro 100 Milliliter sollen 26 Cent pro Liter fällig werden, ab einem Gehalt von 8 Gramm steigt der Betrag auf 32 Cent pro Liter.
Von der Regelung ausgenommen bleiben sollen Alkohol, reine Frucht- und Gemüsesäfte, Milch-, Hafer- und Reisdrinks sowie alkoholfreie Biere, Weine und Cocktails. Auch Getränke, die ausschließlich mit Süßungsmitteln gesüßt sind, und Betriebe mit einer Jahresproduktion von unter einer Million Litern sollen nicht unter die Steuer fallen.
Das Bundesfinanzministerium rechnet für das Jahr 2027 mit Mehreinnahmen von rund 690 Millionen Euro und für 2028 mit etwa 925 Millionen Euro. Die Bundesregierung beziffert die jährlichen Belastungen des Gesundheitssystems durch zuckerhaltige Getränke auf über zwei Milliarden Euro.
Landwirtschaft sieht Fehlsteuerung und Mehrbelastung
Auch in anderen Teilen Deutschlands formiert sich Widerstand unter den Erzeugern. Der Vorsitzende des Kreislandwirtschaftsverbands im Kreis Herford, Hermann Dedert, bezeichnete die Überlegungen als zweifelhaft und mahnte an, dass der Zuckerrübenanbau ein wichtiger regionaler Wirtschaftsfaktor sei.
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Ähnlich wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und die Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach sprach er sich für gezielte Ernährungsbildung und Verbraucheraufklärung anstelle neuer Abgaben aus.
RLV-Präsident Erich Gussen kritisierte, dass mit der Steuer Haushaltslöcher zulasten der Agrarwirtschaft gestopft würden, ohne dass eine echte Lenkungswirkung entstehe. Zudem befürchtet der Verband eine bloße Verschiebung hin zu Süßungsmitteln sowie wachsenden bürokratischen Aufwand in der Zollverwaltung. Im Rheinland werden jährlich rund 45.000 Hektar Rüben bewirtschaftet.
Die Diskussion fällt in eine Phase witterungsbedingter Belastungen: Der Landwirt Johannes Büttgen rechnet infolge von Hitze und Trockenheit mit Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent, während der Landwirt Johannes Küppers 70 statt der kalkulierten 100 Tonnen Rüben pro Hektar einfuhr. Die Zuckerfabrik Jülich verzeichnete mit 16,6 Prozent einen Zuckergehalt, der unter dem üblichen Niveau von rund 18 Prozent liegt.
Getränkehersteller bremsen Investitionen und verkleinern Portfolios
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Die Getränkeindustrie reagiert mit harten Einschnitten auf das Gesetzesvorhaben. Die Bad Dürrheimer Mineralbrunnen, bei denen Süßgetränke über 20 Prozent des Absatzes ausmachen, rechnen bei 26 Cent pro Liter zuzüglich Mehrwertsteuer mit einem Preisanstieg von 4 bis 5 Euro je Getränkekiste. Geschäftsführer Alexander Ruf stellte die Streichung von vier von zehn Süßgetränken in Aussicht und warnte vor Gefahren für Arbeitsplätze.
Bei Mineralbrunnen Überkingen-Teinach stoppte Geschäftsführer Andreas Gaupp ein geplantes Vorhaben für ein Hochregallager im Volumen von 60 Millionen Euro, nachdem das Unternehmen 2025 noch 18 Millionen Euro in Maschinen investiert hatte; dort machen süße Getränke etwa 15 Prozent des Absatzes aus.
Die Kunzmann GmbH, größter Lizenznehmer von Frucade und VC mit 150 Beschäftigten, verhängte einen Einstellungs- und Investitionsstopp. Dort entfällt der Großteil der Produkte auf die höhere 32-Cent-Stufe, was Mehrkosten von 3,81 Euro pro Mehrwegkasten mit 20 Halbliterflaschen inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer bedeutet.
Änderungen an den Rezepturen bereitet unter anderem die Brauerei Kühbach vor, die mit einer Verteuerung von rund 8 Euro je Kiste rechnet. Die Schlossbrauerei Autenried erwartet für rund die Hälfte ihrer 20 alkoholfreien Artikel spürbare Auswirkungen. Auch Großhändler, etwa in Gladbeck, äußern Sorgen um Betriebsabläufe, während selbst Brauereien ohne direkte Betroffenheit wie die Altenauer Brauerei das Konzept ablehnen.
Widerstand regt sich zeitgleich im Ausland: In Polen riefen die Gewerkschaft NSZZ Rolników Indywidualnych „Solidarno??“ und das Sekretariat Przemys?u Spo?ywczego für den 27. Oktober 2026 zu einer Kundgebung am Wincenty-Witos-Denkmal in Warschau auf. Der Verbandsvorsitzende Tomasz Obsza?ski und Sprecher Adrian Wawrzyniak warnen vor deutlichen Umsatzeinbrüchen bei Säften sowie zuckerhaltigen Produkten und stellen weitere Aktionen in Aussicht.
