Mechanikermangel, Flugverkehr

Mechanikermangel bereitet Flugverkehr Sorgen

31.07.2024 - 14:59:11

Zuerst fehlten die Piloten, jetzt die Flugzeugmechaniker: FachkrĂ€ftemangel in der Luftfahrt ist nach EinschĂ€tzung der Allianz nicht nur ein ArbeitskrĂ€fteproblem, sondern eine Sorge fĂŒr die Sicherheit.

 

MĂŒnchen (dpa) - Fehlende Flugzeugmechaniker sind zur Sorge fĂŒr den internationalen Luftverkehr geworden. Nach EinschĂ€tzung der Allianz ist der vor einigen Jahren befĂŒrchtete Mangel an Flugzeugmechanikern mittlerweile RealitĂ€t geworden. Das könnte nicht nur die Reparaturzeiten verlĂ€ngern, schreiben die Fachleute von der auf Industrie- und Firmenkunden spezialisierten Tochtergesellschaft Allianz Commercial in einem aktuellen Bericht. Eine «offensichtliche Sorge» ist demnach, dass der FachkrĂ€ftemangel trotz der Kontrollsysteme in der Luftfahrt zu einem Unfall fĂŒhrt.

FĂŒnfstellige Zahl von Mechanikern fehlt allein in Nordamerika

Die Allianz bezieht sich dabei unter anderem auf SchĂ€tzungen, dass allein in Nordamerika 12.000 bis 18.000 Flugzeugmechaniker fehlen. In den vergangenen zwei Jahren war eher der Pilotenmangel Thema, weil viele Fluggesellschaften wĂ€hrend der Pandemie auch ihr fliegendes Personal reduziert hatten. Viele Fluggesellschaften haben nach EinschĂ€tzung der Allianz mittlerweile neue Piloten eingestellt, doch dafĂŒr fehlt es nun an den Technikern am Boden. Hintergrund ist die angesichts der schwachen Weltkonjunktur unerwartet starke Wiederbelebung des Flugverkehrs nach dem Ende der Corona-Pandemie. Die Volkswirte der Allianz gehen davon aus, dass die weltweiten Passagierzahlen in diesem Jahr einen neuen Rekord erreichen könnten.

AbstĂŒrze sind selten geworden

«Unfall» ist dabei nicht gleichbedeutend mit Absturz. Im vergangenen Jahr stĂŒrzte demnach weltweit kein einziges Passagierflugzeug ab. Knapp zwei Drittel der SchadenfĂ€lle in der Luftfahrt sind zwar nach Daten des Versicherers «Kollisionen». Doch das beinhaltet nicht nur ZusammenstĂ¶ĂŸe und AbstĂŒrze, sondern unter anderem Vogelschlag und missglĂŒckte Landungen ĂŒber das Ende der Landebahn hinaus. 

Die Autoren der Analyse haben nach Angaben des Unternehmens mehr als 32.000 LuftfahrtschÀden von 2019 bis 2024 ausgewertet, die sich auf rund 14 Milliarden Euro summierten. Hinter den Kollisionen und artverwandten UnfÀllen mit einem Anteil von 63 Prozent folgten auf Rang zwei QualitÀts- und technische MÀngel (22 Prozent).

Reparaturkosten schießen in die Höhe

Abgesehen vom Mechanikermangel sind laut Allianz Commercial auch die Reparaturkosten bei Flugzeugen in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen, vergleichbar der Entwicklung bei Autoreparaturen. Als Beispiel nennen die Autoren die Boeing 787, deren Rumpf und TragflĂ€chen zum Großteil aus Kohlefaser und anderen Komposit-Werkstoffen besteht. Reparaturen sind laut Allianz Commercial etwa viermal so teuer wie bei Flugzeugen mit traditionellen Metall-Bauteilen.

 

 

@ dpa.de