Leichte Bremsspuren bei Siemens
10.08.2023 - 10:50:30Siemens hat fĂŒr das dritte Quartal seines GeschĂ€ftsjahres solide Zahlen vorgelegt, in denen sich aber leichte Bremsspuren finden. Unter dem Strich verdiente der MĂŒnchner Konzern trotz erneuter Belastungen aus seiner Beteiligung an der kriselnden frĂŒheren Energiesparte Siemens Energy nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte auf 18,9 Milliarden zu. Dennoch wird Siemens in der Prognose fĂŒr seine gröĂte Sparte Digital Industries (DI) etwas vorsichtiger.
DI beschĂ€ftigt sich vor allem mit der Automatisierung und Digitalisierung von Fabriken und Fertigung. Dort sank der Auftragseingang nun um mehr als ein Drittel. Bei der zweitgröĂten Sparte Smart Infrastructure (SI) stagnierte er. Konzernchef Roland Busch erklĂ€rte die beiden Entwicklungen mit einer Normalisierung des Bestellverhaltens.
In den vergangenen Jahren hatte die Industrie als Reaktion auf unsichere Lieferketten ihre LagerbestÀnde aufgestockt - wovon auch Siemens als Lieferant profitiert hatte. Nun passten die Unternehmen ihre LagerbestÀnde an die «entspanntere Situation bei den Lieferketten» an, sagte Busch. Zusammen mit Lieferverschiebungen durch die Kunden habe das ein stÀrkeres Umsatzwachstum bei DI verhindert.
Langfristige Wachstumstrends «voll intakt»
Schnelle Ănderung ist nicht in Sicht: «In China erholt sich der Markt fĂŒr die industrielle Produktion langsamer als erwartet», sagte Busch. «Wir gehen daher von einer weiter abgeflachten Entwicklung aus.» In der Prognose fĂŒr die Sparte DI wird Siemens dementsprechend zurĂŒckhaltender: Die UmsĂ€tze sollen dort nun nicht mehr ganz so schnell wachsen wie ursprĂŒnglich vorhergesagt und auch die Vorhersagen fĂŒr die Marge sind einen Hauch zurĂŒckhaltender.
Die im laufenden Jahr schon zweimal angehobene Prognose auf Konzernebene bekrÀftigte Siemens dagegen. GrundsÀtzlich seien die langfristigen Wachstumstrends «voll intakt», betonte Busch.
Siemens Energy belastet weiterhin
Erneut spielte auch die inzwischen auf gut ein Viertel abgeschmolzene Beteiligung an der vor knapp drei Jahren an die Börse gebrachten ehemaligen Energiesparte Siemens Energy eine Rolle. Der hohe Verlust des Unternehmens belastete auch Siemens. Die «wiederholten massiven Verluste und QualitĂ€tsmĂ€ngel» im WindgeschĂ€ft seien «eine schwere EnttĂ€uschung», sagte Busch und kritisierte das Krisenmanagement. Er kĂŒndigte an: «Wir werden unseren Anteil weiter zurĂŒckfahren», nannte aber keine weiteren Details.
DafĂŒr dass der Auftragseingang auf Konzernebene trotz der SchwĂ€chen bei DI und SI dennoch auf 24,2 Milliarden stieg, sorgte die kleinste Konzernsparte Mobility, bei der einige GroĂauftrĂ€ge erfasst wurden. Der Konzern-Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 110 Milliarden Euro.
Insgesamt Ă€uĂerte sich Busch positiv ĂŒber das abgelaufene Quartal. «Wir sind erneut profitabel gewachsen und haben unsere WettbewerbsstĂ€rke in allen unseren GeschĂ€ften unter Beweis gestellt», sagte er. Die Börse konnte er damit allerdings nicht ĂŒberzeugen: Am Morgen war Siemens der gröĂte Verlierer im Aktienindex Dax.


