Deutschland und Usbekistan wollen Migration besser steuern
15.09.2024 - 18:11:20Ein Abkommen dazu wurde bei seinem Besuch der fast 3.000 Jahre alten Handelsstadt Samarkand an der SeidenstraĂe unterzeichnet. Es soll den Zuzug von FachkrĂ€ften insbesondere im Pflege- und Gesundheitsbereich und die RĂŒckfĂŒhrung von Usbeken ohne Bleiberecht in Deutschland erleichtern.
Bei letzterem Punkt geht es allerdings nur um rund 200 Personen. Das sind weniger als 0,1 Prozent aller 225.000 ausreisepflichtigen Migranten in Deutschland. Insgesamt leben 13.700 Usbeken in Deutschland.
Zentraler Bestandteil der Ampel-Migrationspolitik
Abkommen mit einzelnen HerkunftslÀndern sind ein zentraler Bestandteil der Migrationspolitik der Ampel-Regierung. Um sie auszuhandeln, hat sie mit Joachim Stamp eigens einen Beauftragten eingesetzt.
Erst am vergangenen Freitag wurde in Berlin ein Migrationsabkommen mit Kenia unterzeichnet, mit Indien, Georgien, Marokko und Kolumbien gibt es solche Vereinbarungen schon lĂ€nger. Mit Moldau und Kirgistan sind die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten, und auch mit den Philippinen und Ghana laufen GesprĂ€che. Die Abkommen basieren immer auf zwei SĂ€ulen: Abschiebung von Personen ohne Bleiberecht und Anwerbung von FachkrĂ€ften fĂŒr den deutschen Arbeitsmarkt.
Usbekistan ist als Nachbarland Afghanistans auch eins der LĂ€nder, das bei der Abschiebung von StraftĂ€tern nach Afghanistan helfen könnte. Es sei aber noch unklar, "ob und mit welchem Zeithorizont sich das praktisch materialisiert", heiĂt es aus Regierungskreisen. In dem Abkommen ist zwar grundsĂ€tzlich auch die "Durchbeförderung" von StaatsbĂŒrgern dritter Staaten geregelt. Aber eine konkrete Vereinbarung dazu enthĂ€lt es nicht. Deutschland schiebt seit Ende August wieder StraftĂ€ter in das von den islamistischen Taliban regierte Afghanistan ab. Der erste Flug wurde mit Hilfe von Katar organisiert.
"Perle des Orients": Kulturprogramm zum Auftakt
Seinen Besuch in Samarkand, auch "Perle des Orients" genannt, begann Scholz mit einem Gang ĂŒber den Registan, einen der prĂ€chtigsten PlĂ€tze Asiens. Dort besuchte er auch die Tilla-Kori-Moschee aus dem 17. Jahrhundert.
Das Land mit seinen gut 36 Millionen Einwohnern öffnet sich seit Jahren stĂ€rker dem Westen. Unter dem PrĂ€sidenten Schawkat Mirsijojew hat es eine Vielzahl liberaler Reformen durchgezogen, Teile seiner Staatswirtschaft privatisiert und so auch Investoren angelockt. Allein in diesem Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von ĂŒber fĂŒnf Prozent erwartet - auch dank der engen Handelsbeziehungen zu China und Russland.
Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat Usbekistan erst im Mai besucht und Investitionen angekĂŒndigt, bei denen Scholz kaum mithalten kann: Er sagte Hilfe fĂŒr den Ausbau einer Gas-Pipeline und die Errichtung mehrerer Wasser- und Atomkraftwerke zu.
Zentralasien-Gipfel in Kasachstan
Am Montag reist Scholz weiter nach Kasachstan, in das gröĂte und wirtschaftsstĂ€rkste Land Zentralasiens. Dort ist ein Gipfeltreffen mit allen fĂŒnf Staaten der zwischen Russland und China gelegenen Region geplant, zu denen auch noch Kirgistan, Turkmenistan und Tadschikistan zĂ€hlen. Scholz will die Beziehungen zu diesen LĂ€ndern ausweiten und hat dazu vor einem Jahr in Berlin mit ihnen bereits eine strategische Partnerschaft mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Energie, Klima und Umwelt vereinbart. Diese soll nun mit Leben gefĂŒllt werden.
Die fĂŒnf zentralasiatischen Staaten haben zusammen knapp 80 Millionen Einwohner und damit etwas weniger als Deutschland. Ihre FlĂ€che ist aber elfmal so groĂ wie Deutschland und entspricht ungefĂ€hr dem Gebiet der gesamten EuropĂ€ischen Union mit ihren 27 Mitgliedstaaten. Lange Zeit stand die Region aus deutscher Sicht im Schatten der beiden GroĂmĂ€chte China und Russland, auf die sich das Interesse der deutschen Wirtschaft konzentrierte.
Der russische Angriff auf die Ukraine hat das geÀndert. Russland fÀllt als lange Zeit wichtigster Energielieferant Deutschlands aus. Und die wirtschaftliche AbhÀngigkeit von China soll vor allem wegen der schlechten Erfahrungen mit Russland nun ebenfalls verringert werden. Die Bundesregierung will deswegen in Afrika, Lateinamerika und Asien bestehende Partnerschaften zu weniger wirtschaftsstarken LÀndern vertiefen und neue Partner finden.
Rohstoffreichtum und Menschenrechtsverletzungen
In den zentralasiatischen Staaten sind die Rohstoffvorkommen fĂŒr Deutschland besonders interessant. So versorgt Kasachstan als wirtschaftsstĂ€rkstes Land der Region jetzt schon die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt mit Ăl und gleicht die Kappung der russischen Lieferungen aus. Die Bundesregierung ist zudem an den Gasvorkommen in der Region interessiert. Kasachstan verfĂŒgt aber auch ĂŒber Uran, Eisenerz, Zink, Kupfer oder Gold und gilt als potenzieller Partner fĂŒr die Produktion von Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.
Die autoritĂ€r gefĂŒhrten Staaten der Region stehen allerdings wegen MenschenrechtsverstöĂen international in der Kritik. Das gasreiche Turkmenistan etwa gilt als eine abgeschottete Diktatur Ă€hnlich wie Nordkorea. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte Scholz vor der Reise auf, MissstĂ€nde offen anzusprechen. "Die Bundesregierung kann nicht so tun, als seien engere Beziehungen zu Zentralasien ohne eine deutliche Verbesserung der Menschenrechtslage in der Region möglich", sagte Regionaldirektor Hugh Williamson.

