Ăkonomen senken Prognosen: Belebung 2026 fĂ€llt kleiner aus
04.09.2025 - 14:54:10 | dpa.deDie Aussichten fĂŒr die deutsche Wirtschaft bleiben trotz des angekĂŒndigten Konjunkturpakets der Bundesregierung durchwachsen. FĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten zwar eine Belebung in den kommenden beiden Jahren, doch die mittelfristigen Perspektiven bleiben unerfreulich.Â
Das MĂŒnchner Ifo-Institut, das IfW Kiel, RWI Essen und IWH Halle senkten ihre Konjunkturprognosen fĂŒr dieses und das kommende Jahr. Demnach wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr mit einem Mini-Wachstum von 0,1 bis 0,2 Prozent de facto stagnieren.Â
2026 erwarten die Ăkonomen dann zwischen 0,8 (IWH) und maximal 1,3 Prozent (Ifo und IfW) Wachstum und damit weniger als noch im Sommer erhofft. Laut Ifo-Prognose könnte die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf 6,4 Prozent steigen und in den nĂ€chsten beiden Jahren wieder sinken.
Die SchwÀche könnte chronisch werden
Ohne grundlegende Reformen der Bundesregierung jedoch wird das schuldenfinanzierte 500-Milliarden-Euro-Paket der Bundesregierung nach EinschĂ€tzung von Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest und Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user ein Strohfeuer bleiben. «Das Wachstum wird wahrscheinlich wieder auf Null sinken», sagte Fuest. «Dann besteht einfach die Gefahr, dass es vielleicht sogar zu einer Schrumpfung kommt, denn wir haben eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, wir haben Lasten im Rentensystem, im Krankenversorgungssystem.»Â
Die deutsche Wirtschaft steckt in einer zĂ€hen Krise. In den vergangenen beiden Jahren war Europas gröĂte Volkswirtschaft geschrumpft.
Steuererhöhungen, wie sie Finanzminister Lars Klingbeil und andere SPD-Politiker diskutieren, wĂ€ren nach Fuests EinschĂ€tzung der falsche Weg: «Wenn wir Steuern erhöhen, geht die Schrumpfung noch schneller.» Das Programm wird nach Ifo-EinschĂ€tzung auch 2026 ohnehin einen geringeren Effekt auf die Wirtschaft haben als zunĂ€chst angenommen.Â
«Schulden machen ist leicht»
Zu den ReformvorschlĂ€gen der beiden Ăkonomen gehören eine schnellere Digitalisierung und bessere Steuerbedingungen fĂŒr Innovationen, aber auch mehrere Punkte, die SPD und Gewerkschaften ablehnen. «Wir brauchen Reformen am Arbeitsmarkt bei den Arbeitskosten», sagte Fuest. «Und insbesondere mĂŒssen wir verhindern, dass in den kommenden Jahren durch den demografischen Wandel die SozialversicherungsbeitrĂ€ge immer weiter ansteigen.»Â
FĂŒr hochqualifizierte Arbeitnehmer sei auch der KĂŒndigungsschutz in seiner jetzigen Form nicht notwendig. Schulden machen sei leicht, sagte der Ifo-PrĂ€sident. «Das kann eigentlich jeder.» Die Bundesregierung mĂŒsse jetzt zeigen, «dass sie eben nicht nur den leichten Teil kann, sondern auch den anspruchsvollen».
Unternehmen investieren zu wenig
Mit seinem Ruf nach Strukturreformen steht das Ifo-Institut nicht allein da, vom IfW Kiel und dem RWI Essen kamen nahezu gleichlautende EinschĂ€tzungen. «Strukturelle Wettbewerbsprobleme werden durch die expansive Finanzpolitik nicht gelöst, sondern lediglich ĂŒberlagert», hieĂ es in der Mitteilung des RWI Essen.Â
Als groĂes Problem sehen die Ăkonomen fehlende Investitionen der deutschen Unternehmen. Das RWI nannte hohe Energiekosten, BĂŒrokratie und mangelnde digitale Infrastruktur als Bremsfaktoren. «Wenn sich der wirtschaftspolitische Stillstand fortsetzt, den wir seit Jahren erlebt haben, dann drohen dem Land weitere Jahre der wirtschaftlichen LĂ€hmung und der Erosion des Unternehmensstandorts», sagte Ifo-Konjunkturchef WollmershĂ€user.
Trump und Technologie
Eine Belastung fĂŒr die deutsche Wirtschaft bleibt nach ĂŒbereinstimmender EinschĂ€tzung der Ăkonomen auch die Zollpolitik des US-PrĂ€sidenten Donald Trump. Doch negativ wirkt sich auch aus, dass die deutsche Industrie in manchen Branchen mittlerweile technisch nicht mehr an der Spitze steht.Â
Auch aus technologischen GrĂŒnden bĂŒĂten die Exporte ihre Zugkraft ein, hieĂ in der Mitteilung des IWH Halle. «Auch die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Produkte auf den AbsatzmĂ€rkten macht den deutschen Exporteuren zu schaffen», sagte IfW-PrĂ€sident Moritz Schularick.Â
Weniger dĂŒster sind die Aussichten in Sachen Arbeitslosigkeit. Im August war die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit zehn Jahren ĂŒber die Schwelle von drei Millionen gestiegen, die Quote lag bei 6,4 Prozent. Bis 2027 Jahr wird die Erwerbslosenrate nach den Prognosen der Institute jedoch wieder auf unter sechs Prozent zurĂŒckgehen.
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