Ifo, Ost-West-LohngefÀlle

Ifo: Ost-West-LohngefÀlle vor allem wegen Wirtschaftsstrukturen

18.10.2023 - 09:22:56

Zwei Drittel der LohnlĂŒcke zwischen Ost- und Westdeutschland lassen sich nach EinschĂ€tzung des Ifo-Instituts durch Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur erklĂ€ren.

"Viele Menschen im Osten arbeiten in typischen Niedriglohnbranchen, und auch gut bezahlende Großunternehmen aus der Industrie sind hier kaum vertreten", sagte Jannik Nauerth von der Ifo-Niederlassung Dresden. Arbeitnehmer in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern verdienten 33 Jahre nach der Wiedervereinigung im Schnitt rund 15 Prozent weniger pro Stunde als ihre Kollegen in Westdeutschland; wenn die EinflĂŒsse der Struktur herausgerechnet werden, seien es nur noch fĂŒnf Prozent.

"Daher sind VorschlĂ€ge aus der Politik, die eine höhere Tarifbindung der Betriebe als Maßnahme zur Verringerung der LohnlĂŒcke sehen, wenig hilfreich", ergĂ€nzte Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden. "Es bleibt abzuwarten, ob die jĂŒngste Ansiedlung von Tesla und anderen Konzernen im Osten die LohnlĂŒcke langfristig schließen kann." WĂ€hrend westdeutsche Arbeitnehmer im Jahre 2022 durchschnittlich 31,40 Euro pro Stunde verdienten, kamen Arbeitnehmer in den ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€ndern nur auf 26,60 Euro pro Arbeitsstunde. Dies wird hĂ€ufig als ein Beleg fĂŒr eine vermeintliche Benachteiligung ostdeutscher Arbeitnehmer herangezogen: "Unsere Analyse zeigt aber, dass sich rund zwei Drittel des LohnrĂŒckstands durch strukturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland erklĂ€ren lassen." Ragnitz ergĂ€nzte: "Viele Unternehmen sind nicht tarifgebunden, weil fĂŒr sie die Nachteile schwerer wiegen als die Vorteile. Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten deswegen die Besonderheiten gerade kleiner Unternehmen auch in den TarifvertrĂ€gen stĂ€rker berĂŒcksichtigen."

@ dts-nachrichtenagentur.de