Keine Anzeichen fĂŒr Trendwende bei Klimaschutz
28.10.2024 - 12:45:13Zwei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Aserbaidschan machen UN-Berichte das bisherige Versagen der Weltgemeinschaft beim Klimaschutz deutlich: Die Konzentration der klimaschĂ€dlichen Treibhausgase in der AtmosphĂ€re erreichte 2023 Rekordhöhe, und die aktuell geplanten nationalen KlimamaĂnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um die weitere ErderwĂ€rmung so deutlich einzudĂ€mmen wie nötig.
Die Berichte stammen von der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf und dem UN-Klimasekretariat (UN Climate Change) in Bonn. Die Konferenz findet vom 11. bis 24. November in Baku statt.
Bei dem weitaus hÀufigsten Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) stieg die Konzentration in der AtmosphÀre 2023 um 2,3 auf 420 ppm (parts per million - Teilchen pro Millionen Teilchen). Das entspreche 151 Prozent des Niveaus vor der Industrialisierung (um das Jahr 1750), berichtet die WMO. Auch der Gehalt von Treibhausgasen wie Methan und Lachgas (Distickstoffoxid) ist weiter gestiegen.
Zu wenig Ehrgeiz
Mit den jetzigen nationalen PlĂ€nen wĂŒrden die Treibhausgasemissionen im Jahr 2030 immer noch 51,5 Gigatonnen CO2 entsprechen. Sie lĂ€gen damit nur 2,6 Prozent unter denen von 2019 liegen, berichtet das UN-Klimasekretariat. Damit die Welt bis zum Jahr 2050 emissionsneutral wird, sollte der globale TreibhausgasausstoĂ nach EinschĂ€tzung des Weltklimarates (IPCC) 2030 um 43 Prozent unter dem von 2019 liegen.
Die Umweltstiftung WWF sieht die EU in der Verantwortung: "Wir erwarten von den europÀischen Staaten mit ihrer historischen Verantwortung einen wegweisenden neuen Klimabeitrag, der eine neue Welle an Ambition auslösen kann", teilte sie mit.
Im vergangenen Jahr haben nach WMO-Angaben neben einem hohen menschengemachten CO2-AusstoĂ auch Wald- und BuschbrĂ€nde zu dem Anstieg beigetragen, heiĂt es im Treibhausgas-Bulletin der Organisation. Möglich sei auch, dass die CO2-AufnahmefĂ€higkeit der WĂ€lder gesunken sei.
So werden die Klimaziele von Paris verfehlt
"Wir sind eindeutig nicht auf dem richtigen Weg, um die globale ErwĂ€rmung deutlich unter zwei Grad und möglichst bei 1,5 Grad ĂŒber vorindustriellem Niveau zu begrenzen", sagt WMO-GeneralsekretĂ€rin Celeste Saulo. Die Ziele wurden bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris festgelegt. Simon Stiell, Chef des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) in Bonn, forderte ehrgeizigere KlimaschutzplĂ€ne aller LĂ€nder. "Jeder Bruchteil eines Grads ist wichtig, denn die Klimakatastrophen werden schnell schlimmer", so Stiell.
Die weitere ErderwÀrmung ist schon jetzt auf Jahrzehnte hinaus vorprogrammiert. "Angesichts der extrem langen Lebensdauer von CO2 in der AtmosphÀre wird das bereits beobachtete Temperaturniveau noch mehrere Jahrzehnte anhalten, selbst wenn die Emissionen rasch auf null reduziert werden", berichtet die WMO. Nach 1.000 Jahren sind bei CO2 noch etwa 15 bis 40 Prozent in der AtmosphÀre, so das Umweltbundesamt.
Seit Beginn der Menschengeschichte sei die Konzentration der Gase noch nie so schnell so stark gestiegen wie in den vergangenen 20 Jahren, berichtet die WMO. Seit 2004 waren es etwa 11,4 Prozent.
Problem: Verbrennung fossiler EnergietrÀger
CO2 entsteht etwa bei der Verbrennung fossiler EnergietrĂ€ger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas - etwa bei der Strom- und WĂ€rmeerzeugung, im Verkehr, in der industriellen Produktion sowie in Haushalten. Von allen CO2-Emissionen bleibt nach Angaben der WMO knapp die HĂ€lfte in der AtmosphĂ€re. Gut ein Viertel wird von den Ozeanen aufgenommen, der Rest von anderen Ăkosystemen.

