Zweiter, Tankrabatt

Zweiter Tankrabatt: Bis zu 17 Cent Nachlass, aber keine Pflicht zur Weitergabe

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Benzin und Diesel verbilligten sich zunächst deutlich; Experten bemängeln die Verteilung der Entlastung und Kosten von 2,5 Milliarden Euro.

Zweiter Tankrabatt senkt Spritpreise, Ökonomen kritisieren die Kosten
Industrielle Raffinerie mit weitläufigen Rohrsystemen und Destillationstürmen in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Bundesregierung hat mit der Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel den zweiten Tankrabatt in Kraft gesetzt. Die Steuerentlastung beträgt rund 14 Cent pro Liter, was unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer einem theoretischen Nachlass von rund 16,7 bis 17 Cent pro Liter an den Tankstellen entspricht.

Der Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter greift ab dem Verlassen von Tanklagern oder Raffinerien; eine gesetzliche Pflicht zur Weitergabe an die Endkunden besteht allerdings nicht.

Die befristete Maßnahme soll bundesweit drei Monate lang bis zum 31.12.2026 laufen, eine Bilanz ist für spätestens Anfang 2027 vorgesehen. Bundestag und Bundesrat hatten den Beschluss vor dem letzten September-Wochenende gefasst.

Schnelle Preissenkungen an den Zapfsäulen

Bereits in den ersten Stunden nach Inkrafttreten zeigten Marktdaten einen deutlichen Rückgang der Kraftstoffpreise. Nach Angaben des ADAC lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 um 8 Uhr bei 2,062 Euro pro Liter, was einem Minus von 14,5 Cent gegenüber dem Stand 24 Stunden zuvor entsprach.

Diesel kostete im Bundesschnitt 2,209 Euro pro Liter und war damit um 15,2 Cent günstiger. Um 11:45 Uhr ermittelte der ADAC für E10 einen Wert von 2,052 Euro pro Liter und für Diesel 2,197 Euro pro Liter. Um 12:15 Uhr lagen die Preise je nach Kraftstoffart um 14 bis 15 Cent unter dem Niveau des Vortags.

Eine Blitzanalyse des SWR an rund 15.000 Tankstellen ergab um 5 Uhr morgens ein bundesweites Minus von 12 Cent bei Super E10 sowie 13 Cent bei Diesel im Vergleich zum Vortag. Im Schnitt kostete E10 demnach 2,08 Euro pro Liter statt zuvor 2,20 Euro, während Diesel bei 2,23 Euro pro Liter lag.

Nach Daten des Portals Tankerkönig sanken die bundesweiten Durchschnittspreise zwischen 23:41 und 0:41 Uhr um rund 10 bis 11 Cent, um Mitternacht betrug der Rückgang 11 bis 12 Cent.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, stellte ab Mitternacht einen durchschnittlichen Rückgang von rund 18 Cent fest. Die Behörde überwache das Marktgeschehen lückenlos über die Markttransparenzstelle und sehe derzeit keine Hinweise auf unzulässige Preisabsprachen.

Regionale Unterschiede und Branchenreaktionen

Die Weitergabe der Steuersenkung fiel regional unterschiedlich aus. In Rheinland-Pfalz sank das Niveau laut SWR-Daten für E10 auf durchschnittlich 2,04 Euro pro Liter und für Diesel auf 2,21 Euro pro Liter, womit der Nachlass von knapp 17 Cent pro Liter fast vollständig ankam.

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In Baden-Württemberg fiel der Rückgang schwächer aus als in Rheinland-Pfalz, lag jedoch über dem Bundesschnitt. Für Berufspendler in Baden-Württemberg errechnet sich bei rund 4,3 Millionen Betroffenen über drei Monate eine Gesamtersparnis von rund 129 Millionen Euro beziehungsweise rund 30 Euro pro Person.

Bundesweit kostete Super E10 unter anderem in Großstädten wie Stuttgart, Ulm, Mainz, Kaiserslautern, München und Leipzig unter 2 Euro pro Liter, auch in Berlin gab es zahlreiche günstige Offerten.

Hamburg und Köln bildeten dagegen das Schlusslicht; in Köln fanden sich morgens keine Angebote unter der 2-Euro-Schwelle. In Flensburg berichtete eine Regionalzeitung vereinzelt von Abschlägen um bis zu 50 Cent pro Liter. Der Dieselpreis verharrte hingegen fast flächendeckend klar über 2 Euro pro Liter.

Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Verbands Fuels und Energie, erklärte, der Nachlass sei um Mitternacht ohne Einschränkungen weitergegeben worden. Bei einem Tankvolumen von 50 Litern ließen sich so rund 8 Euro sparen.

Zudem sorge der Wettbewerb an den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland für Bewegung. Der Tankstellenbetreiber Aral sicherte ebenfalls die vollständige Weitergabe der Vergünstigung zu. Daniel Kaddik vom Bundesverband Freier Tankstellen bezeichnete das Modell hingegen als Verlustgeschäft für die Stationen.

Kritik von Ökonomen an Treffsicherheit und Kosten

Trotz der spürbaren Preissenkungen warnen Wirtschaftsexperten vor Verteilungswirkungen und Folgekosten. Ökonomin Monika Schnitzer wies darauf hin, dass eine starke Verbilligung am ersten Tag typisch sei, die Weitergabe danach jedoch erfahrungsgemäß nachlasse.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, kritisierte, Bund und Länder wendeten erneut rund 2,5 Milliarden Euro auf, ohne eine zielgerichtete Entlastung zu erreichen. Am stärksten profitierten Haushalte mit höheren Einkommen.

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In Köln und Hamburg blieben die Preise morgens über 2 Euro, in Flensburg gab es vereinzelt Abschläge von bis zu 50 Cent. Wer als Pendler nicht auf die falsche Tankstelle setzt, spart über drei Monate spürbar. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie regionale Preisunterschiede für sich nutzen. Tankrabatt-Leitfaden jetzt sichern

Ifo-Chef Clemens Fuest bewertete den Tankrabatt ebenfalls als verfehlt, da er Vielfahrer mit großen Fahrzeugen begünstige. Bei einer Fahrleistung von 1.000 Kilometern im Monat und einem Verbrauch von 6 Litern liege die Ersparnis lediglich bei 10 Euro pro Monat.

Bund und Länder koste diese Maßnahme 2,5 Milliarden Euro; für das gesamte Jahr 2026 beliefen sich die Kosten beider Tankrabatte für Bund und Länder schätzungsweise auf 4,1 Milliarden Euro. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), merkte an, dass eine Energiepreispauschale wirksamer gewesen wäre, die Regierung Direktzahlungen jedoch abgelehnt habe.

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