1-Euro-Essen in Frankreich: Nachfrage steigt um 48 Prozent auf 1,3 Millionen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Einführung des vergünstigten Mahlzeitenangebots für alle Studierenden in Frankreich hat zu einer massiven Steigerung der Nachfrage in den Universitätsmensen geführt. Aktuelle Daten und Berichte aus dem September 2026 verdeutlichen, dass das System der Crous-Einrichtungen (Centres régionaux des œuvres universitaires et scolaires) zunehmend an personelle und infrastrukturelle Belastungsgrenzen stößt.
Massive Nachfragesteigerung seit Semesterbeginn
Seit dem Beginn des akademischen Semesters im Herbst 2026 verzeichnet das nationale Dachorgan Cnous eine deutliche Zunahme der ausgegebenen Mahlzeiten. Im Vergleich zum Semesterbeginn 2025 stieg die Zahl der Portionen um 48 % auf insgesamt 1,3 Millionen.
Diese Entwicklung folgt auf die Ausweitung des Programms: Seit dem 4. Mai 2026 wird ein komplettes Menü für alle Studierenden, einschließlich internationaler Immatrikulierter, zum Festpreis von 1 Euro angeboten.
Bereits im Frühjahr 2026, unmittelbar nach der Einführung des preiswerten Angebots für den gesamten Studierendenkreis, war die landesweite Frequentierung um 22 % gestiegen. Einzelne Kantinen meldeten in diesem Zeitraum täglich zwischen 300 und 500 zusätzliche Gäste.
Wirtschaftliche Herausforderungen und staatliche Finanzierung
Die finanzielle Diskrepanz zwischen dem Verkaufspreis und den tatsächlichen Produktionskosten ist erheblich. Laut Angaben des Cnous liegen die durchschnittlichen Kosten für ein Menü bei 8 Euro.
Der französische Staat unterstützt das 1-Euro-Angebot im Jahr 2026 mit Mitteln in Höhe von 50 Millionen Euro. Diese Subvention deckt nach Berechnungen der Organisation etwa 88 % der Kosten je Mahlzeit ab und ermöglichte die Einstellung von 204 zusätzlichen Vollzeitkräften.
Ursprünglich waren die jährlichen Kosten für das Programm auf 90 Millionen Euro geschätzt worden, wobei man von einer Steigerung der Frequentierung um lediglich 10 % ausgegangen war. Angesichts des tatsächlichen Anstiegs kündigte Hochschulminister Philippe Baptiste für den Haushaltsentwurf 2027 zusätzliche Mittel in Höhe von 143 Millionen Euro an.
Der Minister wies jedoch darauf hin, dass die Regierung die Fortführung des 1-Euro-Essens für alle nur gewährleisten könne, wenn das Parlament den entsprechenden Haushalt verabschiede.
Die Nachfrage nach dem 1-Euro-Menü in Frankreichs Mensen ist seit Semesterbeginn um 48 Prozent gestiegen — und an vielen Standorten reicht die Kapazität nicht mehr aus. Wer mit knappem Budget plant, braucht Strategien, die auch bei langen Schlangen funktionieren. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit wenig Geld satt und gesund bleiben. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Operative Engpässe und Reaktionen in den Mensen
Die hohe Auslastung führt an vielen Standorten zu operativen Schwierigkeiten. In einem von Ouest-France veröffentlichten internen Dokument wurde festgestellt, dass die Kapazitätsgrenzen vielerorts bereits erreicht seien.
Cnous-Präsidentin Bénédicte Durand forderte die Leitungen der regionalen Einrichtungen auf, die nachhaltige Höchstkapazität jeder Mensa unter Berücksichtigung von Sicherheit und Wohlbefinden sicherzustellen. In der Folge wurden Maßnahmen wie die Anzeige von Kapazitäten vor Ort oder online sowie die vorübergehende Unterbrechung des Service bei Überfüllung in Aussicht gestellt.
Lokale Beispiele verdeutlichen den Druck:
* Die Mensa Le Fougères in Rennes gibt mittlerweile mittags über 1.200 und abends etwa 700 Mahlzeiten aus.
* In Loos wurden die Öffnungszeiten um 30 Minuten verlängert sowie zusätzliche Ausgabelinien und Kassen eingerichtet.
Trotz dieser Anpassungen berichteten Studierende am 25. September 2026 von teils so langen Warteschlangen, dass Mahlzeiten zeitlich nicht mehr wahrgenommen werden konnten.
Soziale Hintergründe und Arbeitsbedingungen
Der Bedarf an preiswerter Verpflegung ist vor dem Hintergrund prekärer Lebensverhältnisse vieler Studierender zu sehen. Eine im April veröffentlichte Erhebung von Ipsos-bva für die Organisation Linkee zeigte, dass 69 % der dort unterstützten bedürftigen Studierenden nach Abzug der Fixkosten über weniger als 100 Euro monatlich verfügen.
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Laut der Befragung unter 25.000 Teilnehmern schränken 90 % die Qualität ihrer Lebensmittel ein, während 65 % aus finanzieller Not mindestens eine Mahlzeit pro Woche ausfallen lassen.
Parallel dazu wächst der Widerstand unter den Beschäftigten. Gewerkschaften riefen das Personal der Crous-Mensen zu Protesten und Streiks gegen die aktuellen Arbeitsbedingungen auf. Die Angestellten kritisieren den Personalmangel sowie die hohe Arbeitsbelastung und fordern neben mehr Personal auch eine modernere Ausstattung der bundesweit rund 900 Restaurants.
Mehr zum Thema bei FAZ: „1-Euro-Essen in Frankreich: Uni-Mensen am Limit“
