1X NEO ab 50.000 Euro: Haushaltsroboter-Testphase startet
20.06.2026 - 01:12:33 | boerse-global.de
Die Robotik-Branche vollzieht einen historischen Wandel: Weg von der Industrie, hinein in die privaten Haushalte und den öffentlichen Dienst. Gleich mehrere Hersteller starteten diese Woche Initiativen, um humanoide Roboter für den Alltag der Verbraucher zu erschließen. Analysten bezeichnen 2026 als das entscheidende Jahr für die Industrialisierung dieser Technologie.
Haushaltsversuche: Roboter im Wohnzimmer-Test
Der norwegische Hersteller 1X Technologies startete am 18. Juni sein NEO Beta Household Trial Programme. Drei Monate lang testen ausgewählte Haushalte weltweit den humanoiden Roboter NEO unter realen Bedingungen. Das Unternehmen will vor allem Sicherheit, Zuverlässigkeit und die Interaktion mit den Nutzern prüfen. Die ersten kommerziellen Einheiten sollen mehr als 50.000 Euro kosten – die Daten aus der Testphase dienen der finalen Produktionsoptimierung.
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Fast zeitgleich gab Yuejiang Technology den Einstieg in den B2C-Markt bekannt. Ihr KI-gestützter Haushaltsroboter nutzt das firmeneigene Kongyi DobotWAM-Modell und erreichte im LIBERO-Benchmark eine Erfolgsquote von 99,25 Prozent. Schon jetzt werden erste Einheiten ausgeliefert: Die Ubtech Uworld-Reihe mit Robotern zwischen 1,70 und 1,80 Metern Größe hat tausende Bestellungen zu einem Preis von rund 20.000 Euro erhalten. Für Early Adopter und Forscher ist seit April der Unitree R1 für etwa 4.500 Euro erhältlich – mit Echtzeit-Videoanalyse und Hindernisvermeidung bei einer Größe von 1,23 Metern.
Soziale Intelligenz für Hotels und Krankenhäuser
Die Branche zielt zunehmend auf Gastgewerbe, Bildung und Gesundheitswesen. Das in Seattle ansässige Unternehmen Mind Children bereitet den öffentlichen Start von Codey vor – einem 90 Zentimeter großen, autonomen Roboter. Er nutzt das dezentrale KI-Framework Hyperon von SingularityNET. Pilotstudien in Museen, Hotels und Kunstgalerien sind noch für 2026 geplant. CEO Chris Kudla und Mitgründer Ben Goertzel haben per Crowdfunding bereits mehr als 600.000 Euro von einem angestrebten Ziel von einer Million Euro eingesammelt. Ein zweites Modell ist für 2027 vorgesehen.
Im Bereich der Altenpflege hat Andromeda Robotics kürzlich Abi vorgestellt – einen sozialen Humanoiden, der 90 Sprachen spricht und Emotionen ausdrücken kann. Schon in australischen Pflegeheimen im Einsatz, öffnet der Roboter nun Wartelisten für Einrichtungen in den USA.
Vom 26. bis 28. Juni 2026 veranstalten OpenMind und KraneShares zudem einen Pop-up-Store im New Yorker SoHo-Viertel. Unter dem Namen „BotPop" werden dort Mehrzweck-Roboter mit sozialer Intelligenz für Einzelhandel und Bildung präsentiert. Die Unternehmen rechnen mit einer breiten Marktdurchdringung bis 2028.
Asien dominiert die Produktion – Europa holt auf
Die globale Produktion humanoider Roboter bleibt stark auf Asien konzentriert. China lieferte 2025 rund 90 Prozent aller weltweit ausgelieferten Einheiten aus – zwischen 13.000 und 17.000 Stück. Das entspricht einem Anstieg von 480 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie hat ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum 31. Dezember 2026 sollen 10.000 humanoide Roboter in Fabriken, Lagern und Krankenhäusern arbeiten.
Doch europäische Start-ups holen auf. Das deutsche Unternehmen Neura sicherte sich kürzlich 1,4 Milliarden Euro Finanzierung und arbeitet mit Bosch und Schaeffler zusammen. Der Auftragsbestand übersteigt bereits eine Milliarde Euro. Die französische Firma Enchanted Tools präsentierte auf der Vivatech-Konferenz im Juni 2026 ihren sozialen Roboter Mirokai – 60 Prozent der Produktion erfolgen in der EU.
Neue Läden und Logistikzentren
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Die Unternehmen bauen parallel ihre Vertriebs- und Logistikinfrastruktur aus. Qiyuan Robot, eine Tochter von Shangwei New Materials, begann am 17. Juni mit dem Umbau seines ersten asiatischen Offline-Stores in Shenzhen. Die 300 Quadratmeter große Fläche soll im Spätsommer 2026 eröffnen und den Q1 – einen kleinen, vollständig kraftgesteuerten Humanoiden – präsentieren.
In den USA startete Richtech Robotics am 18. Juni einen rund um die Uhr laufenden interaktiven Livestream mit seinem ADAM-Roboter, der auf der NVIDIA-Isaac-Plattform basiert. Das Unternehmen erwarb kürzlich ein 7.370 Quadratmeter großes Lager in Las Vegas für seine KI-Infrastruktur. ADAM-Barista-Einheiten sind bereits am Times Square im Einsatz.
Nicht alle Hersteller setzen auf zweibeinige Roboter: Familiar Machines enthüllte einen pelzigen, vierbeinigen Begleitroboter mit 23 motorisierten Gelenken und einem berührungsempfindlichen Fell. Das Gerät kommuniziert durch Bewegung statt Sprache und soll 2027 in den Verkauf gehen – zu Kosten, die mit der Haltung eines Haustiers vergleichbar sind.
