3D-Anatomie für Physiotherapeuten: Plattform zeigt 2.200 Strukturen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Weiterbildung von Physiotherapeuten steht vor einem digitalen Umbruch. Auf der World Physiotherapy Asia Western Pacific (AWP) Regional Conference, die im Yashobhoomi Convention Centre in New Delhi unter der Gastgeberschaft der Indian Association of Physiotherapists stattfand, wurde die digitale Lernplattform PhysioVeda Academics vorgestellt. Das Beispiel zeigt beispielhaft, in welche Richtung sich die technologiegestützte Fortbildung des Fachpersonals derzeit entwickelt.
Eine Plattform mit breitem fachlichem Zuschnitt
PhysioVeda Academics deckt nach eigenen Angaben aktuell 39 Fächer ab, darunter Anatomie, Physiologie, Kinesiologie, Biomechanik und Reha-Medizin. Zum Angebot zählen objektiv strukturierte Fragenformate, Tests, eine E-Library sowie eine Übersetzungsfunktion über Google Translator, die den Zugang für ein internationales Publikum erleichtern soll. Didaktisch folgt die Plattform einem Vier-Stufen-Modell aus Lernen, Üben, Analysieren und Verbessern.
Besonders hervorgehoben wird ein 3D-Anatomie-Labor, das 15 Körpersysteme und über 2.200 anatomische Strukturen abbildet. Damit sollen komplexe anatomische Zusammenhänge visuell und interaktiv vermittelt werden, statt sich allein auf klassische Lehrbücher zu stützen.
Für die Zukunft sind zudem KI-gestützte Klassenzimmer-Funktionen geplant, die weitere Automatisierung und Personalisierung des Lernprozesses ermöglichen sollen. Gründer und CEO Dr. Amit Sarswat leitete im Rahmen der Konferenz einen Expert-Talk am ersten Konferenztag.
Digitale Kompetenzen als wissenschaftliches Thema
Dass digitale Fähigkeiten in der Physiotherapie-Ausbildung mittlerweile auch wissenschaftlich systematisch untersucht werden, zeigt eine kooperative Studie der FH St. Pölten, der FH Joanneum Graz und der Hochschule Campus Wien.
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Die Mixed-Methods-Studie mit dem Titel „Digitale Kompetenzen im Bachelor-Studium der Physiotherapie – eine Mixed-Methods-Studie in Österreich“ wurde im International Journal of Health Professionals veröffentlicht und erhielt beim internationalen VFWG Publication Award 2025 in Hildesheim den ersten Platz.
Verfasst wurde sie von einem Autorenteam um Anita Kidritsch, Birgit Jocham, Katharina Meller, Andreas Jocham, Bernhard Guggenberger und Lukas Berger-Maul.
Die Auszeichnung unterstreicht, dass die Frage, wie digitale Kompetenzen im Studium vermittelt und gemessen werden können, im deutschsprachigen Raum zunehmend Beachtung findet – parallel zu praxisorientierten Angeboten wie PhysioVeda Academics, die sich an bereits berufstätige Fachkräfte richten.
Einordnung: Wandel der Fortbildungslandschaft
Beide Entwicklungen – die Einführung einer breit angelegten digitalen Lernplattform in Indien und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitalen Kompetenzen im österreichischen Physiotherapie-Studium – verweisen auf einen ähnlichen Trend: Technologische Werkzeuge werden zunehmend Teil der Aus- und Weiterbildung im therapeutischen Bereich.
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Interaktive 3D-Modelle, digitale Testformate und geplante KI-Funktionen stehen dabei exemplarisch für eine Entwicklung, die über einzelne Länder hinausgeht.
Für Fachkräfte bedeutet dies, dass technologische Kompetenzen künftig stärker neben klassischem anatomischem und klinischem Wissen stehen dürften. Ob und wie schnell sich Angebote wie PhysioVeda Academics auch außerhalb Indiens etablieren, bleibt ebenso offen wie die Frage, welche konkreten Effekte digitale Lernformate langfristig auf die Qualität der praktischen Ausbildung haben – ein Feld, das die ausgezeichnete österreichische Studie exemplarisch zu erschließen versucht.
