Internationale, Akupunkturwoche

40. Internationale Akupunkturwoche: Traditionelle Verfahren auf dem Prüfstand

13.05.2026 - 04:12:22 | boerse-global.de

Die 40. Internationale Akupunkturwoche feiert 75 Jahre DÄGfA und diskutiert die wissenschaftliche Basis traditioneller Heilmethoden.

40. Internationale Akupunkturwoche: Traditionelle Verfahren auf dem Prüfstand - Foto: über boerse-global.de
40. Internationale Akupunkturwoche: Traditionelle Verfahren auf dem Prüfstand - Foto: über boerse-global.de

Ärzte und Forscher feiern in Bad Staffelstein ein doppeltes Jubiläum – und diskutieren die Zukunft der integrativen Medizin.

Seit Montag läuft die 40. Internationale Akupunkturwoche im Kloster Banz. Rund 1.000 Teilnehmer sind angereist, um über die wissenschaftliche Absicherung traditioneller Heilmethoden zu debattieren. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA) begeht zeitgleich ihr 75-jähriges Bestehen – ein Meilenstein für die Etablierung fernöstlicher Verfahren in der westlichen Schulmedizin.

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Wissenschaftliche Bilanz nach 75 Jahren DÄGfA

Die DÄGfA zählt heute rund 8.000 Mitglieder und hat sich als zentrale Instanz für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Europa etabliert. Höhepunkt der Jubiläumswoche ist das wissenschaftliche Symposium am 14. Mai unter dem Motto „Wissenschaft. Ethik. Klinik. – Integrative Medizin im Wandel". Im Fokus steht die Frage, wie sich traditionelle Techniken standardisieren und ethisch vertretbar in den Klinikalltag integrieren lassen.

Bereits jetzt erkennen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen und Kniearthrose an – ein Beleg für den Status der Nadeltherapie in den klinischen Leitlinien. Zu den prominenten Rednern zählen Professor Maio, Professor Kohls und Dr. Ventocilla.

Parallel dazu tagte am 11. Mai der Hanoi Traditional Medicine Association in Vietnam. Der neu gewählte Vorsitzende Dr. Nguyen Van Dung berichtete von über 14 Millionen Patienten, die zwischen 2021 und 2025 mit traditionellen Methoden behandelt wurden – ein deutlicher Trend weg von medikamentösen Therapien hin zu Akupunktur und Akupressur.

Neue Studien: Tuina und Faszientherapie im Vergleich

Aktuelle Forschungsergebnisse liefern frische Erkenntnisse zur Wirksamkeit spezifischer TCM-Verfahren. Eine Studie des Singapore General Hospital mit 204 Teilnehmern verglich die Tuina-Therapie mit konventioneller Physiotherapie bei chronischen Rückenschmerzen. Das Ergebnis: Kurzfristig sind beide Methoden gleich wirksam, bei der Langzeitkontrolle nach fünf Monaten schnitt die Physiotherapie jedoch besser ab. Die Forscher planen nun, Tuina auch bei Schulter- und Schlafstörungen zu untersuchen.

Eine zweite Studie, veröffentlicht am 11. Mai im Journal of Clinical Medicine, widmete sich der Faszientherapie. Sowohl spezialisierte Verfahren wie die Bowen-Therapie als auch klassische Physiotherapie verbesserten Schmerzintensität und depressive Symptome signifikant – allerdings ohne klaren Vorteil für einen der beiden Ansätze.

Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Bei chronischen Schmerzen spielt die psychische Verfassung der Patienten eine entscheidende Rolle. Integrative Medizin bedeutet, körperliches und seelisches Wohlbefinden als Einheit zu betrachten.

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Akupressurmatten: Hilfe oder Humbug?

Während die professionelle Therapie an Boden gewinnt, boomen auch Heimprodukte. Professor Christoph-Eckhard Heyde von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) äußert sich differenziert zu Akupressurmatten: Sie können durch leichte Schmerzreize Wärme und Entspannung fördern – ein Ersatz für professionelle Behandlung sind sie nicht.

Mediziner warnen vor der Anwendung bei ausstrahlenden Schmerzen, Tumoren oder offenen Verletzungen. Entscheidend bleibe die aktive Bewegung: „Keine Matte der Welt kann die Muskulatur aufbauen, die die Wirbelsäule langfristig stabilisiert", so Heyde.

Wald als Therapieraum: Klinik eröffnet Deutschlands ersten zertifizierten Pfad

Einen ungewöhnlichen Weg geht die Sana Kliniken Sommerfeld: Am 20. Mai eröffnet dort der bundesweit erste zertifizierte klinische Waldtherapiepfad für Orthopädie und Schmerztherapie. Entwickelt in Zusammenarbeit mit der IM-WALD-SEIN®-Akademie, verbindet das Projekt Naturerfahrung mit klassischer Rehabilitation – ein Paradebeispiel für integrative Medizin in der Praxis.

Weniger Diagnostik, mehr Behandlung

Der Trend zur integrativen Medizin ist auch eine Reaktion auf die Überdiagnostik in der Schulmedizin. Projekte wie „Better Imaging" (Betti) an der Universität Marburg zielen darauf ab, unnötige Bildgebungsverfahren bei Muskel-Skelett-Schmerzen zu reduzieren. Statt teurer MRTs sollen Entscheidungssysteme und Patienteninformationen konservative Behandlungen in den Vordergrund rücken.

Auch die niedergelassenen Ärzte ziehen mit: Am 26. Mai lädt die Helios Klinik Wipperfürth zu einem öffentlichen Vortrag von Dr. Andreas Weide. Themen sind unter anderem Trigger-Akupunktur (TriAS) und Chirotherapie – ein Zeichen dafür, dass spezialisierte TCM-Verfahren zunehmend den Weg in die Breitenversorgung finden.

Ausblick: Der lange Weg zur Langzeitdaten

Die 40. Internationale Akupunkturwoche endet am 17. Mai – doch die Arbeit geht weiter. Während die kurzfristigen Vorteile von Tuina und Akupunktur gut belegt sind, fehlen noch verlässliche Langzeitstudien. Die Herausforderung bleibt, traditionelle Verfahren mit nachhaltigen Lebensstiländerungen und konventioneller Physiotherapie zu verzahnen.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die integrative Medizin von der Nische zum Standard entwickelt. Die Eröffnung des Waldtherapiepfads in Sommerfeld deutet darauf hin: Die Zukunft der Schmerztherapie könnte in einer Kombination aus Hightech-Diagnostik, traditioneller Nadelkunst und naturbasierter Erholung liegen.

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