Milliarden, Euro

64 Milliarden Euro: Long COVID und ME/ CFS als Kostenfalle für Deutschland

07.05.2026 - 01:13:03 | boerse-global.de

Der BDP fordert sofortige Maßnahmen gegen Versorgungslücken bei Long COVID und ME/CFS. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf über 64 Milliarden Euro.

64 Milliarden Euro: Long COVID und ME/CFS als Kostenfalle für Deutschland - Foto: über boerse-global.de
64 Milliarden Euro: Long COVID und ME/CFS als Kostenfalle für Deutschland - Foto: über boerse-global.de

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat am heutigen Donnerstag eine Resolution verabschiedet, die sofortige Maßnahmen zur Schließung der Versorgungslücken fordert. Die Gesamtkosten der Erkrankungen beliefen sich 2025 auf rund 64,4 Milliarden Euro – das entspricht etwa 1,44 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Der BDP drängt darauf, Forschungsergebnisse schneller in die klinische Praxis zu überführen, Zulassungsverfahren für neue Therapien zu beschleunigen und Beratungsangebote für Betroffene auszubauen. Was bislang fehlt, ist eine strukturierte Versorgung – obwohl die Zahlen längst alarmierend sind.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr Muskelmasse – die wenigsten wissen, was das wirklich bedeutet. Ein Experte erklärt, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen zuhause gegensteuern können. Alle Übungen kostenlos als PDF herunterladen

Neue Leitlinien für chronische Schmerzpatienten

Parallel zu den Forderungen nach besserer Post-Infektions-Versorgung gibt es Fortschritte bei der Behandlung chronischer Schmerzen – ein Problem, das in Deutschland zwischen 20 und 23 Millionen Menschen betrifft. Der AOK-Bundesverband und das aQua-Institut haben am Dienstag einen neuen QISA-Praxisleitfaden vorgestellt. Er richtet sich speziell an Hausärzte und enthält 13 Qualitätsindikatoren für die Behandlung nicht-tumorbedingter chronischer Schmerzen.

Die Indikatoren konzentrieren sich auf zentrale Bereiche: die Erfassung psychosozialer Risikofaktoren, den Einsatz validierter Schmerzmessinstrumente und die regelmäßige Überwachung von Schmerzmitteln. Ziel ist es, die Versorgung der rund vier Millionen schwer betroffenen Patienten zu standardisieren. Der Leitfaden entstand im Rahmen des RELIEF-Projekts, das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie bis 2027 gefördert wird.

Das Algesiologikum München hat zudem seinen Qualitätsvertrag für die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) auf 18 Krankenkassen ausgeweitet – darunter TK, BARMER und DAK-Gesundheit. Hintergrund: Bundesweit gibt es nur rund 370 Kliniken mit IMST-Angebot. Die Wartezeiten sind entsprechend lang.

Diabetes und ME/CFS: Wenn zwei Krankheiten kollidieren

Besonders komplex wird die Behandlung, wenn Post-Infektions-Erkrankungen mit anderen chronischen Leiden einhergehen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) haben am Dienstag einen Fünf-Punkte-Plan für die rund 650.000 ME/CFS-Patienten vorgestellt, die zusätzlich an Diabetes leiden.

Das Problem: Störungen des autonomen Nervensystems bei ME/CFS können die Wahrnehmung von Unterzuckerungen massiv beeinträchtigen. Herkömmliche Diabetes-Behandlungen werden so zur Gefahr. Der Plan empfiehlt flexible Therapiepläne, engmaschiges Glukose-Monitoring und vor allem das Prinzip des „Pacing“ – also die Vermeidung von Überanstrengung. Denn körperliche Aktivität, bei Diabetes sonst Standard, kann bei ME/CFS schwere Symptom-Schübe auslösen.

Erst kürzlich hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Off-Label-Einsatz von Metformin zur Long-COVID-Prophylaxe bei Übergewichtigen erlaubt – eine Maßnahme, die das Risiko um bis zu 50 Prozent senken könnte.

Neue Medikamente und ein Umdenken in der Orthopädie

Auch pharmazeutisch tut sich etwas. Die Europäische Kommission hat am Dienstag Remibrutinib zugelassen – den ersten oralen BTK-Inhibitor gegen chronische spontane Urtikaria (Nesselsucht) bei Erwachsenen, die auf Antihistaminika nicht ansprechen. Phase-III-Studien zeigen eine deutliche Besserung bereits ab der ersten Behandlungswoche, die über 52 Wochen stabil bleibt.

In der Orthopädie zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Die Fidelity-Studie aus Finnland, veröffentlicht am Mittwoch im New England Journal of Medicine, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die partielle Meniskusresektion bei degenerativen Knieproblemen bringt keinen langfristigen Nutzen. Nach zehn Jahren berichteten operierte Patienten über mehr Beschwerden und schnelleren Gelenkverschleiß als konservativ Behandelte. Forscher plädieren nun für nicht-chirurgische Alternativen – etwa die Kombination aus plättchenreichem Plasma (PRP) und Hyaluronsäure. Ein französisches Unternehmen testet zudem den Einsatz von GLP-1-Analoga, die eigentlich gegen Diabetes und Adipositas eingesetzt werden, zur Verlangsamung von Kniearthrose.

Anzeige

101 Druckpunkte gegen Arthrose: Schmerzexpertin Christina Seibert gibt ihr Wissen jetzt kostenlos weiter. Der bebilderte PDF-Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Arthrose-Beschwerden selbst aktiv lindern können – ohne Arztbesuch und ohne Hilfsmittel. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide anfordern

Spardruck im Gesundheitswesen

Die Reformbemühungen fallen in eine Zeit knapper Kassen. Die vom Kabinett am 29. April verabschiedete GKV-Reform sieht eine Erhöhung der Zuzahlungen für Medikamente um 50 Prozent vor – neue Grenzen liegen zwischen 7,50 und 15 Euro. Insgesamt sollen 16,3 Milliarden Euro im System eingespart werden.

Die Schere zwischen der hohen Zahl chronisch Kranker und den verfügbaren spezialisierten Angeboten bleibt ein zentraler Kritikpunkt der medizinischen Fachgesellschaften. Die Deutsche Schmerzgesellschaft bemängelt seit Langem, dass die Integration multidisziplinärer Versorgung in die hausärztliche Praxis nicht vorankommt. Die vom BDP bezifferten Kosten von über 64 Milliarden Euro jährlich allein für Post-Infektions-Erkrankungen zeigen: Jeder Euro, der in bessere Diagnostik und Therapie fließt, könnte sich mehrfach auszahlen – durch schnellere Rückkehr in den Beruf und geringere Langzeit-Folgekosten.

Kreativität gegen Schmerz? Neue Forschungsansätze

Die Zukunft der Schmerztherapie könnte auch von unerwarteter Seite kommen. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Constructor University Bremen, der Universität Zürich und der Universität Bordeaux hat überlappende neuronale Mechanismen von Schmerz und Kreativität identifiziert. Das legt nahe: Kreative Therapieansätze könnten die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, indem sie das dopamingesteuerte Belohnungssystem aktivieren.

Die Forschungsgruppe „nature4HEALTH“ der Universität Jena arbeitet derweil an natürlichen Wirkstoffkombinationen – etwa Weihrauchextrakte mit Selen und Omega-3-Fettsäuren, verpackt in Nanopartikeln für bessere Bioverfügbarkeit. Das Projekt ist bis Dezember 2026 gefördert.

Der 5. Deutsche Psychotherapie-Kongress im Juni 2026 in Berlin wird sich voraussichtlich schwerpunktmäßig mit den psychischen und psychosozialen Folgen chronischer und Post-Infektions-Erkrankungen befassen. Und das RELIEF-Projekt wird bis 2027 weitere spezialisierte Qualitätsindikatoren vorlegen – ein kleiner Schritt in einem riesigen Versorgungsfeld.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69286705 |

Weitere Meldungen

EU erlaubt Milliarden-Hilfe für Klimaschutz in Industrie Deutschland darf seine Industrie beim Umstieg auf klimafreundlichere Produktionsweisen mit fünf Milliarden Euro unterstützen. (Boerse, 07.05.2026 - 12:17) weiterlesen...

EU genehmigt Deutsche Milliarden für Klimaschutz Deutschland darf seine Industrie beim Umstieg auf klimafreundlichere Produktionsweisen mit fünf Milliarden Euro unterstützen. (Boerse, 07.05.2026 - 11:57) weiterlesen...

KfW / Erstes Quartal 2026: KfW startet sehr gut ins neue Jahr Erstes Quartal 2026: KfW startet sehr gut ins neue Jahr Frankfurt am Main -- Neuzusagen steigen um 36 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro - Starker Zuwachs an Mittelstandsförderung für Innovation, Klima, und Umwelt um 44 Prozent - Weiterhin hohe Nachfrage privater Kunden nach Bundesförderung effizienter Gebäude einschließlich Heizungsförderung - KfW verstetigt eigenen Förderbeitrag mit 120 Millionen Euro - Anstieg Ökonomisches Ergebnis um 50 Prozent auf 594 Millionen Euro - Konzernergebnis bei 380 Millionen Euro - Stefan Wintels: "Die KfW nutzt deutlich über Vorjahr ihre finanzielle Stabilität, um Kunden zu unterstützen, Wachstum zu fördern und nachhaltigen Wandel voranzubringen"Die KfW Bankengruppe ist sehr gut ins neue Jahr gestartet und sagte im ersten Quartal Finanzierungen in Höhe von 24,1 Milliarden Euro zu (01-03/2025: 17,7 Milliarden Euro). (Boerse, 07.05.2026 - 10:03) weiterlesen...

Staatliche Hilfe trotz Job: Sieben Milliarden für Aufstocker Der Staat hat sogenannte Aufstocker im vergangenen Jahr mit knapp sieben Milliarden Euro unterstützt. (Boerse, 07.05.2026 - 06:31) weiterlesen...

Iran-Krieg beschert Russland Milliardenplus Russland hat im April nach Angaben des Finanzministeriums auch dank des Iran-Kriegs 917 Milliarden Rubel (gut zehn Mrd Euro) an Steuern für die Rohstoffförderung eingenommen. (Boerse, 06.05.2026 - 19:01) weiterlesen...

OpenAI: Kosten von 50 Milliarden Dollar für Rechenleistung Der ChatGPT-Entwickler OpenAI wird allein in diesem Jahr rund 50 Milliarden Dollar (aktuell knapp 43 Milliarden Euro) für Rechenleistung ausgeben. (Boerse, 06.05.2026 - 05:41) weiterlesen...