81 Millionen Angriffsversuche: Microsoft-365 unter Massenbeschuss
Veröffentlicht am: 02.07.2026 um 23:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Juni wurden allein auf Microsoft-365-Konten rund 81 Millionen Anmeldeversuche registriert. Die Branche reagiert mit verschÀrften Sicherheitsprotokollen.
81 Millionen Angriffsversuche in zwei Wochen
Zwischen dem 12. und 26. Juni 2026 entdeckten Sicherheitsforscher eine massive Password-Spraying-Kampagne gegen Microsoft-365-Konten. Die Angriffe gingen von einem IPv6-Adressbereich aus, der mit dem Unternehmen LSHIY LLC in Verbindung gebracht wird. Insgesamt 78 Konten in 64 verschiedenen Organisationen wurden kompromittiert.
Die Angriffswelle erreichte am 22. Juni ihren Höhepunkt. Die Zahl der Anmeldeversuche stieg im Vergleich zum Normalniveau um das 155-fache. Besonders alarmierend: 15 der betroffenen Organisationen hatten eigentlich eine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) aktiviert â doch fehlerhafte Konfigurationen machten den Schutz wirkungslos. Andere wurden ĂŒber den sogenannten ROPC-Flow (Resource Owner Password Credentials) geknackt, der die standardmĂ€Ăige MFA-Abfrage umgehen kann.
Zebra Technologies und NRMP ziehen die Schraube an
Mehrere groĂe Organisationen haben diese Woche auf die Bedrohungslage reagiert. Zebra Technologies fĂŒhrte zum 1. Juli 2026 eine verpflichtende E-Mail-basierte MFA fĂŒr seine Single-Sign-On-Seiten ein â darunter das Support Center und das Repair Portal. Nutzer erhalten einen einmaligen Verifizierungscode per E-Mail, der zehn Minuten gĂŒltig bleibt. Die Regelung gilt fĂŒr alle, die noch kein eigenes MFA-System eingerichtet haben.
Auch das National Resident Matching Program (NRMP) zieht nach: Ab dem 13. Juli 2026 wird fĂŒr das R3-System ein sechsstelliger Code per SMS oder E-Mail zur Anmeldung Pflicht. Zur UnterstĂŒtzung der Umstellung sind Webinare fĂŒr den 28. Juli und 6. August geplant. Der Schritt folgt auf die Ernennung neuer Vorstandsmitglieder Anfang des Monats und fĂ€llt mit einem freiwilligen Pilotprogramm fĂŒr bestimmte medizinische Fachrichtungen zusammen, das bis Anfang Februar 2027 lĂ€uft.
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Microsoft schÀrft die Sicherheitsregeln nach
Der Softwarekonzern reagiert auf die zunehmenden Bedrohungen mit einer Ăberarbeitung seines Entra-ID-Ăkosystems. Ab dem 6. Juli 2026 gelten neue Conditional-Access-Regeln fĂŒr Windows Hello for Business und die macOS-Plattform-SSO-Registrierung. Zudem stellt Microsoft die sogenannten Custom Controls zugunsten externer MFA-Integrationen ein â mit einem geplanten Ruhestandstermin am 30. September 2026 und endgĂŒltigem Support-Ende im Mai 2027.
Der Microsoft Authenticator fĂŒhrt zudem FIDO2-basierte Passkeys ein. Diese gerĂ€tegebundenen Anmeldedaten sind resistent gegen Phishing, da sie komplett auf traditionelle Passwörter verzichten.
Die neue Gefahr: Automatisierte Phishing-Kits
Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Seit dem 15. MĂ€rz 2026 ist ein Phishing-Kit namens âEvilTokensâ im Umlauf, das tĂ€glich zwischen 10 und 15 Kampagnen fĂ€hrt. Das Tool kann MFA umgehen, indem es sich innerhalb von Microsoft-365-Umgebungen als legitimer Nutzer ausgibt und so unbefugten Zugriff auf Outlook und andere Dienste erlangt.
Da herkömmliche Passwörter und einfache MFA-Verfahren zunehmend von automatisierten Kits umgangen werden, rĂŒcken moderne Alternativen in den Fokus. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Passkeys bei Diensten wie Microsoft oder Amazon einrichten und sich damit phishing-resistent anmelden. Gratis-Report: Sicher und passwortlos mit Passkeys anmelden
SMS-Authentifizierung gilt als Auslaufmodell
Branchenanalysten warnen zunehmend vor der weiteren Nutzung der SMS-basierten Authentifizierung. Sie bleibt anfĂ€llig fĂŒr SIM-Swapping und Abhörangriffe. Ein Vorfall beim australischen Fintech-Unternehmen YouX Anfang 2026 hat die Risiken eindrucksvoll belegt.
Neue Angriffsmethoden wie âClickFixâ und âConsentFixâ gelten als besonders tĂŒckisch. Sie können Microsoft-365-Konten innerhalb von Sekunden kapern, indem sie Nutzer dazu verleiten, schĂ€dliche Befehlssequenzen auszufĂŒhren oder lokale Callback-Links in den Browser zu ziehen â wodurch OAuth-Tokens gestohlen werden.
Sicherheitsexperten fordern daher einen beschleunigten Umstieg auf Hardware-SicherheitsschlĂŒssel und phishing-resistente Passkeys. Nur so lasse sich die IntegritĂ€t von Cloud-IdentitĂ€ten langfristig sichern.
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