ABB-Robotikdeal: SoftBank prüft China-Abspaltung für 5,4 Milliarden Dollar
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach der behördlichen Blockade durch chinesische Stellen prüfen die japanische SoftBank Group und der Schweizer Technologiekonzern ABB Medienberichten zufolge eine Ausgliederung des chinesischen Robotikgeschäfts.
Durch einen sogenannten Carve-out soll die geplante, rund 5,4 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme der ABB-Robotiksparte gerettet werden. SoftBank leite die entsprechenden Gespräche, wobei ein erfolgreicher Abschluss bisher nicht garantiert ist.
Sicherheitsbedenken stoppen milliardenschweren Verkauf
Die Übernahme war ursprünglich im Oktober 2025 mit einem vereinbarten Unternehmenswert von 5,375 Milliarden US-Dollar angekündigt worden, was gerundet 5,4 Milliarden US-Dollar und etwa dem 2,36-Fachen des Spartenumsatzes von 2024 entspricht.
SoftBank bestätigte, dass der Konzern am 4. November 2026 eine formelle Mitteilung des Office of the Working Mechanism for Foreign Investment Security Review in China erhielt. Darin untersagte die Behörde den Kauf des chinesischen Teils von ABB Robotics. ABB bestätigte diese Blockade am 5. November 2026.
Das Veto erfolgte trotz einer im Februar erteilten kartellrechtlichen Freigabe und ist nach dem Fall Meta und Manus im April bereits der zweite von Peking blockierte ausländische Technologie-Deal im KI-Umfeld im Jahr 2026. Die regulatorische Prüfung durch die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission sowie das Handelsministerium richtete sich gegen die Übertragung der Kontrolle über den globalen Robotik-Hauptsitz von ABB in Shanghai samt Fertigung und Forschungseinrichtungen.
Aus Industriekreisen verlautete, chinesische Stellen befürchteten einen Abfluss sensibler Prozess- und Produktionsdaten von Industrierobotern ins Ausland sowie in die USA, wo diese zum Training von KI-Modellen genutzt werden könnten.
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Verhandlungsoptionen für das Engagement in China
Ein Carve-out würde bedeuten, dass die chinesischen Aktivitäten in eine separate Geschäftseinheit mit anderer Eigentümerstruktur überführt werden. SoftBank führt den Genehmigungsprozess und befindet sich nach eigenen Angaben in engem und konstruktivem Dialog mit ABB, um an der Transaktion festzuhalten.
ABB wiederum erklärte am 5. November 2026 nicht das Ende des globalen Verkaufs, da die Transaktion außerhalb Chinas von den dortigen behördlichen Prüfungen abhängt.
Als Alternative zu einer Ausgliederung zieht ABB laut Berichten auch den Verkauf der chinesischen Sparte an einen anderen Investor in Betracht, wobei eine Bewertung von 2 bis 3 Milliarden US-Dollar im Raum steht.
Ein erneuter Spin-off mit Börsengang, wie er vor dem Verkauf für das zweite Quartal 2026 angedacht war, gilt indessen als schwer umsetzbar, da der Kaufvertrag mit SoftBank bereits unterzeichnet ist. Für eine Rettung des ursprünglichen Deals bliebe den Parteien ein enges Zeitfenster; eine schriftliche Freigabe bis zum 6. Februar 2027 gilt als maßgeblicher Termin.
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Marktreaktionen und strategische Bedeutung
China bildet für ABB Robotics den wichtigsten Markt und steuer rund 30 Prozent zum Spartenumsatz bei. Erst 2022 hatte das Unternehmen eine 150 Millionen US-Dollar teure Fertigungs- und Forschungsstätte in Shanghai in Betrieb genommen; über 90 Prozent der an chinesische Kunden gelieferten Roboter werden vor Ort produziert.
Insgesamt umfasst die Präsenz von ABB in China rund 30 lokale Gesellschaften mit circa 15.000 Mitarbeitern in fast 130 Städten. Die gesamte Sparte ABB Robotics erzielte 2024 einen Umsatz von 2,279 Milliarden US-Dollar nach 2,452 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 und 2,258 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Zuletzt beschäftigte die Sparte weltweit rund 7.000 Mitarbeiter in Werken in China, Schweden und den USA.
An den Finanzmärkten sorgte die Blockade für erhebliche Verluste: Die Aktie von SoftBank büßte an der Börse in Tokio an einem einzigen Handelstag 11 Prozent ein. Die ABB-Aktie verzeichnete einen Wochenverlust von über 5 Prozent.
Nach Einschätzung von Analysten der Citigroup halbiert die Blockade die Akquisitionskapazität von ABB auf rund 5 Milliarden US-Dollar, da der Erlös aus der Transaktion als zentrale Säule für künftige Zukäufe des Schweizer Konzerns vorgesehen war.
