Abnehmspritzen, Gewichtsverlusts

Abnehmspritzen: Bis zu 39 Prozent des Gewichtsverlusts ist Magermasse

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 07:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hormonelle VerÀnderungen erschweren die Gewichtskontrolle; GLP-1-Mittel senken die Nahrungsaufnahme, erfordern aber Begleitung zum Muskelerhalt.
Frische mediterrane Lebensmittel wie GemĂŒse, KrĂ€uter und NĂŒsse auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Klassische DiĂ€tkonzepte fĂŒhren hĂ€ufig zu einem Jo-Jo-Effekt, wĂ€hrend Übergewicht in der Bevölkerung weiter verbreitet ist: Bereits mehr als die HĂ€lfte aller Frauen und ĂŒber zwei Drittel aller MĂ€nner gelten als ĂŒbergewichtig. Fachleute verweisen bei der Gewichtsregulation zunehmend auf die Bedeutung langfristiger VerhaltensĂ€nderungen, hormoneller Faktoren sowie moderner medikamentöser Therapien.

Hormonelle EinflĂŒsse und Stoffwechsel in der Lebensmitte

VerÀnderungen im Hormonhaushalt erschweren vielen Menschen ab der Lebensmitte das Halten des Gewichts. Laut einer Langzeitstudie mit 3.000 Frauen im Alter zwischen 42 und 52 Jahren nehmen Frauen in dieser Phase durchschnittlich 700 Gramm pro Jahr zu.

Nach Angaben des Endokrinologen Tim Hollstein entspricht dies einem tĂ€glichen Überschuss von lediglich etwa 15 Kilokalorien, was ungefĂ€hr drei Kirschen entspricht. Als HauptgrĂŒnde nennt Hollstein neben der meist um das 51. oder 52. Lebensjahr einsetzenden hormonellen Umstellung eine sinkende Muskelmasse sowie weniger spontane Alltagsbewegung.

Als Gegenmaßnahmen empfiehlt er mehr AktivitĂ€t im Alltag, zweimal wöchentlich Krafttraining, unverarbeitete Nahrungsmittel sowie KĂ€ltereize zur Aktivierung des braunen Fettgewebes.

Die GynĂ€kologin Prof. Marion Kiechle erlĂ€utert, dass sinkende Östrogenspiegel das Fett verstĂ€rkt in den Bauchraum verlagern. Zugleich aktiviere ein erhöhtes Follikelstimulierendes Hormon (FSH) Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln, wĂ€hrend der Fettabbau im Bauch gehemmt werde.

Zusammen mit einer relativen Testosteron-Dominanz, Insulinresistenz und stressbedingt erhöhtem Kortisol begĂŒnstige dies viszerales Bauchfett. Dieses Fettgewebe steigere das Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Leiden, Diabetes, Krebs und Demenz.

Kiechle rĂ€t zu Ausdauer- und Kraftsport, Entspannung sowie einer proteinreichen MittelmeerkĂŒche. Bei hohem Leidensdruck sei eine Hormonersatztherapie die erste Wahl.

Wirkungen und Begleitfaktoren medikamentöser Therapien

Neben Lebensstilinterventionen gewinnen GLP-1-Rezeptor-Agonisten an Bedeutung. Im Jahr 2025 erhielten rund 46.000 Menschen in der Schweiz entsprechende kassenvergĂŒtete PrĂ€parate zur Gewichtsreduktion.

Dr. Annic Baumgartner vom Kantonsspital Aarau berichtet, dass diese Medikamente die Nahrungsaufnahme um 20 bis 40 Prozent senken. Mit Semaglutid werde ein Gewichtsverlust von 10 bis 15 Prozent erreicht, mit Tirzepatid 15 bis 20 Prozent.

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Gleichzeitig erfordert die Therapie eine gezielte Begleitung: Laut der ErnÀhrungsberaterin Salena Sainz entfallen 25 bis 39 Prozent des Gewichtsverlusts auf Magermasse. Sie empfiehlt eine Zufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht tÀglich, kombiniert mit Krafttraining, sowie 25 bis 30 Gramm Ballaststoffe.

Zudem zeigen Untersuchungen ein erhöhtes Risiko fĂŒr NĂ€hrstoffdefizite: In einer retrospektiven Auswertung stieg die Rate an Vitamin-D-Mangel nach zwölf Monaten auf 13,6 Prozent; auch Eisenmangel tritt hĂ€ufig auf.

Prof. Matthias BlĂŒher von der UniversitĂ€t Leipzig betont, dass ein Absetzen oder eine Dosisreduktion oft zu erneutem Gewichtsanstieg fĂŒhre, weshalb er eine dauerhafte Behandlung befĂŒrwortet.

In Deutschland betrage die Verweildauer bei Selbstzahlern im Schnitt jedoch nur sechs bis neun Monate. Ein Gewichtsplateau nach neun bis zwölf Monaten biete ein sinnvolles Fenster fĂŒr Absetzversuche, wobei eine Dosisreduktion dem Strecken von Injektionsintervallen vorzuziehen sei.

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QualitÀt von Lebensmitteln und SÀttigungssteuerung

Auch die Wahl der Lebensmittel beeinflusst die Energieaufnahme massiv. In einem kontrollierten Versuch der US-Gesundheitsbehörde mit 20 Erwachsenen verzehrte die Gruppe mit unverarbeiteten Lebensmitteln gewichtsbezogen 57 Prozent mehr Nahrung, nahm aber rund 330 Kilokalorien pro Tag weniger auf als jene mit hochverarbeiteten Produkten.

ErnĂ€hrungsexperten verweisen auf ballaststoffreiche Kost mit mindestens 28 Gramm tĂ€glich sowie NĂŒsse als UnterstĂŒtzung der SĂ€ttigung. Obwohl NĂŒsse pro 100 Gramm gut 500 Kilokalorien und 50 Prozent Fett enthalten, belegt unter anderem eine fĂŒnfjĂ€hrige europĂ€ische Studie mit ĂŒber 300.000 Teilnehmenden ein verringertes Übergewichtsrisiko bei regelmĂ€ĂŸigem Verzehr, da der Körper die enthaltene Energie nicht vollstĂ€ndig verwertet.

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