Abnehmspritzen, Jugendliche

Abnehmspritzen für Jugendliche: Italien gibt grünes Licht ab 12 Jahren

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Medikamente wie Semaglutid zeigen Erfolge bei adipösen Jugendlichen, doch Nebenwirkungen und hohe Kosten bleiben Herausforderungen.

Adipositas bei Jugendlichen: Neue Medikamente und Leitlinien
Ein modernes pädiatrisches Untersuchungszimmer mit medizinischen Instrumenten und digitalen Gesundheitsdaten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Behandlung von starkem Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen steht vor einem Wandel. Während Diäten und Bewegung oft nicht ausreichen, rücken Medikamente wie Semaglutid und Liraglutid in den Fokus. Sie zeigen erstaunliche Erfolge – aber auch deutliche Nebenwirkungen.

„Gamechanger" mit Nebenwirkungen

In einem dokumentierten Fall verlor eine 18-jährige Patientin innerhalb von sieben Monaten fast 20 Kilogramm. Fachärzte des Adipositaszentrums Luzern behandeln derzeit rund 50 Jugendliche mit den Präparaten. Die Abbruchrate liegt demnach bei nur fünf bis zehn Prozent.

Doch nicht alle Studien zeichnen ein so positives Bild. Eine Untersuchung mit 22 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren über acht Monate hinweg zeigt ein anderes Bild: 13 der 22 Teilnehmer brachen die Behandlung vorzeitig ab. Hauptgrund: starke Übelkeit und andere Nebenwirkungen.

Europa kämpft mit Übergewicht

Die Zahlen sind alarmierend. Laut WHO sind 24,9 Prozent der 10- bis 19-Jährigen in Europa übergewichtig, 7,1 Prozent gelten als adipös. In der Schweiz sind Schätzungen zufolge rund 15 Prozent der Kinder übergewichtig, 4 bis 6 Prozent adipös.

Die Folgen sind gravierend. Regionale Studien aus Tschechien belegen: Bei 15,4 Prozent der betroffenen Kinder wird Bluthochdruck diagnostiziert. Adipositas ist längst keine reine Wohlstandskrankheit mehr, sondern eine chronische Erkrankung mit weitreichenden Folgen.

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Neue Leitlinien für junge Patienten

Italien macht den Anfang. Am 26. Juli veröffentlichte das nationale Gesundheitsinstitut ISS eine Leitlinie, die erstmals den Einsatz von Liraglutid und Semaglutid für Jugendliche ab 12 Jahren empfiehlt. Voraussetzung: Ein BMI oberhalb der 95. Perzentile und ein Körpergewicht von mehr als 60 Kilogramm.

Auch operative Eingriffe wie Schlauchmagen-Operationen oder Magenbypässe werden unter bestimmten Bedingungen als Option genannt. Die Kostenübernahme ist streng geregelt: In der Schweiz übernehmen Krankenkassen die Kosten nur bei einem BMI von mindestens 35, dokumentierter Diät und einer BMI-Reduktion von mindestens 5 Prozent nach 28 Wochen.

Die Pille kommt - günstiger und einfacher

Der Markt für Adipositas-Medikamente boomt. Marktexperten schätzen das Umsatzpotenzial auf über 100 Milliarden US-Dollar. Novo Nordisk und Eli Lilly dominieren, aber auch Roche investiert massiv – unter anderem durch die Übernahme von Carmot Therapeutics.

Ein entscheidender Trend: die orale Einnahme. Mitte Juli 2026 erhielt eine Semaglutid-Pille die EU-Zulassung. Sie soll ähnlich wirken wie die Spritze, aber günstiger sein. In Österreich kostet die Injektion derzeit rund 300 Euro pro Monat – und wird nicht von den Kassen übernommen. Die Tablette soll im Herbst 2026 in Österreich und im dritten Quartal in Deutschland auf den Markt kommen.

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Keine schnelle Lösung

Mediziner der Medizinischen Universität Wien warnen vor zu hohen Erwartungen. Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die eine Dauertherapie erfordert. Setzen Patienten die Medikamente ab, nehmen sie ohne grundlegende Lebensstiländerung meist wieder zu. Daten zeigen: Nach etwa 1,5 Jahren ist der Gewichtsverlust oft vollständig aufgehoben.

Forscher arbeiten bereits an der nächsten Generation. Wirkstoffe wie Orforglipron könnten den Jojo-Effekt reduzieren. Erste Studien deuten darauf hin, dass die Gewichtszunahme nach dem Absetzen geringer ausfällt. Zudem laufen Untersuchungen zu weiteren Einsatzmöglichkeiten: Fettleber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe und sogar Alzheimer stehen auf dem Prüfstand.

Der Patentschutz für die erste GLP-1-Generation läuft Anfang der 2030er Jahre in den USA und der EU aus. Dann könnten Generika den Markt erobern – und die Behandlung für mehr Patienten erschwinglich machen.

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