Abnehmspritzen: Genetik bestimmt Erfolg â Frauen reagieren doppelt besser
10.06.2026 - 15:11:01 | boerse-global.de
000 Teilnehmern zeigt: Die Wirkung von Abnehmspritzen hÀngt stark von Genetik, Geschlecht und Begleittherapien ab. Frauen reagieren deutlich besser als MÀnner.
Genetik entscheidet ĂŒber Erfolg
Forscher identifizierten im Fachjournal Nature genetische Varianten, die den Therapieerfolg beeinflussen. Eine Variante, die bei etwa 64 Prozent der Menschen mit mitteleuropĂ€ischer Abstammung vorkommt, sorgt fĂŒr zusĂ€tzliche 0,76 Kilogramm Gewichtsverlust. Eine andere Veranlagung erhöht das Risiko fĂŒr Nebenwirkungen wie Ăbelkeit und Erbrechen unter dem Wirkstoff Tirzepatid um das 15-fache.
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Das Geschlecht erweist sich als wesentlicher PrĂ€diktor. Frauen erreichen doppelt so hĂ€ufig eine Gewichtsreduktion von mindestens 15 Prozent wie MĂ€nner. Auch Alter und Herkunft spielen eine Rolle: JĂŒngere sowie weiĂe und asiatische Patienten verzeichnen tendenziell stĂ€rkere Effekte.
Ein frĂŒher Indikator fĂŒr den Langzeiterfolg: Wer in den ersten drei Monaten mehr als fĂŒnf Pfund verliert, profitiert meist dauerhaft. Emotionales Essverhalten schwĂ€cht die Wirkung dagegen ab.
Muskelmasse bleibt weitgehend erhalten
Kritiker warnten lange vor ĂŒbermĂ€Ăigem Muskelabbau durch GLP-1-Medikamente. Eine Wiener Studie mit 486 Patienten, vorgestellt auf dem EuropĂ€ischen Adipositaskongress in Istanbul, liefert nun Entwarnung: Bei einem Gewichtsverlust von rund zehn Prozent sank die Fettmasse um neun Kilogramm, die Muskelmasse nur um 1,2 Kilogramm. Bei ĂŒber 70 Prozent der Probanden blieb die relative Muskelmasse stabil oder stieg sogar.
Noch besser schĂŒtzt eine Kombinationstherapie: Der Myostatin-Inhibitor Apitegromab senkte in einer Phase-2-Studie den Verlust an Magermasse von 30,2 auf 14,6 Prozent. Experten fordern jedoch Phase-3-Studien vor einer möglichen Zulassung.
Mehr als nur Gewichtsverlust
Die Wirkung der PrĂ€parate geht weit ĂŒber die Waage hinaus:
- Tumorrisiko: Studien deuten auf eine Senkung um bis zu 40 Prozent hin
- Neurologie: Registerstudien zeigen ein reduziertes Demenzrisiko bei Diabetikern â vermutlich ĂŒber EntzĂŒndungshemmung, unabhĂ€ngig vom Gewichtsverlust
- Stoffwechsel: Viszerales Bauchfett und Leberfett gehen deutlich zurĂŒck (bis zu 63 Prozent)
- Suchtverhalten: Die Medikamente wirken als Neuromodulatoren und mindern das Verlangen nach Alkohol oder SĂŒĂigkeiten
Neue Wirkstoffe, alte Probleme
Die Entwicklung bewegt sich auf Triple-Agonisten wie Retatrutide zu, die noch stÀrker wirken. Auch eine orale Variante von Wegovy wurde 2026 als gleichwertig zur Spritze bestÀtigt.
Die VertrĂ€glichkeit bleibt eine HĂŒrde. WĂ€hrend die Abbruchraten bei etablierten PrĂ€paraten bei sechs bis sieben Prozent liegen, zeigt Survodutide eine Rate von 19 Prozent. In der höchsten Dosierung berichteten bis zu 40 Prozent der Patienten ĂŒber Erbrechen.
Nach dem Absetzen nehmen rund 75 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres wieder zu. Fachleute betonen: Eine dauerhafte LebensstilĂ€nderung mit Bewegung und EiweiĂzufuhr bleibt essenziell. Die Kosten fĂŒr Selbstzahler liegen bei 100 bis 200 Euro pro Monat.
