Abnehmspritzen, Krankenkassen

Abnehmspritzen: Krankenkassen zahlen ab BMI 35, bei Krankheiten ab 28

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SVP-Nationalrat Mike Egger verlangt strengere Erstattungsregeln; Prio.Swiss hält die Finanzierung bei erfüllten Vorgaben für sinnvoll.

Abnehmspritzen in der Schweiz: Streit um Kassenfinanzierung und Hürden
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Schweizer Arztpraxis mit einem leeren Schreibtisch und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In der Schweiz verzeichnen Hausarztpraxen ein zunehmendes Interesse an medikamentösen Abnehmspritzen, das vermehrt auch durch Lifestyle-Motive getrieben wird. Diese Entwicklung rückt die Finanzierung durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung in den Mittelpunkt gesundheitspolitischer Diskussionen.

Angesichts steigender Verordnungszahlen debattieren Politik und Fachverbände über angemessene Vergütungskriterien und die finanziellen Belastungen für das Versicherungssystem.

Aktuelle Vergütungskriterien der Krankenkassen

Gegenwärtig übernehmen die Schweizer Krankenkassen die Kosten für die Präparate nur unter festgelegten Voraussetzungen. Die Erstattung greift ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 35. Bei vorliegenden Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck liegt die Schwelle für eine Kostenübernahme bereits bei einem BMI von 28. Durch die Zunahme von Anfragen, die rein ästhetisch oder durch Lifestyle-Aspekte motiviert sind, geraten diese Schwellenwerte jedoch verstärkt in den Fokus.

Politische Forderung nach strengeren Hürden

Politische Vertreter mahnen vor diesem Hintergrund zu Zurückhaltung bei der Kostenübernahme. SVP-Nationalrat Mike Egger fordert höhere Hürden für die Vergütung durch die Krankenkassen und verlangt, dass zunächst alternative Massnahmen ausgeschöpft werden sollten.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Bluthochdruck befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber acht wirksame Ansätze, um die Werte auf natürliche Weise zu regulieren. 8 sofort umsetzbare Maßnahmen gegen Bluthochdruck entdecken

Von diesen strengeren Hürden sollen Diabetespatienten jedoch ausgenommen bleiben, um die notwendige medizinische Versorgung der Betroffenen sicherzustellen. Egger beziffert die aktuellen Systemkosten des Medikaments auf 160 Mio. Franken, was den Handlungsdruck aus seiner Sicht unterstreicht.

Wirtschaftlichkeit und Folgekosten im Vergleich

In der Abwägung stehen den Ausgaben für das Medikament erhebliche volkswirtschaftliche Belastungen durch Übergewicht gegenüber. Wie Berechnungen des Gesundheitsökonomen Simon Wieser zeigen, verursachten Folgekrankheiten von Übergewicht im Jahr 2022 Gesundheitskosten von 3,7 Mrd. Franken. Hinzu kamen Einkommensverluste durch eine verringerte Produktivität in Höhe von 2,9 Mrd. Franken.

Anzeige

Da Bluthochdruck oft als Begleiterscheinung auftritt, zeigt ein renommierter Mediziner in diesem Spezialreport, wie man das Risiko auch ohne sofortigen Griff zur Pille senken kann. 7 Tipps zur natürlichen Blutdrucksenkung kostenlos herunterladen

Vertreter der Organisation Prio.Swiss befürworten vor diesem Hintergrund die Beibehaltung der Finanzierung über die Grundversicherung. Voraussetzung dafür bleibe jedoch, dass die gesetzlichen Vorgaben bezüglich Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Therapien nachweislich erfüllt sind.

Die Diskussion verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Arzneimittelausgaben und den langfristigen Kosten unzureichend behandelter Folgeerkrankungen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70239797 |