Abnehmspritzen: Neuer Antikörper bremst Muskelschwund um 55%
13.06.2026 - 11:11:19 | boerse-global.de
Die Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro revolutionieren nicht nur die Gewichtsreduktion – sie hinterlassen bereits deutliche Spuren im Konsumverhalten. Während die Forschung an Lösungen für Nebenwirkungen arbeitet, warnen Experten vor gefährlichen Social-Media-Trends.
Neue Hoffnung gegen Muskelschwund
Ein Problem der GLP-1-Präparate ist der hohe Muskelverlust. Bis zu 40 Prozent des verlorenen Gewichts können auf Muskelmasse entfallen. Der Antikörper Apitegromab soll das ändern.
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Eine Phase-2-Studie im Fachjournal Nature Medicine liefert erste vielversprechende Daten. 102 Teilnehmende erhielten über 24 Wochen entweder eine Kombination aus Apitegromab und Tirzepatid oder Tirzepatid mit Placebo. Ergebnis: Die Apitegromab-Gruppe verlor nur 1,6 Kilogramm Magermasse, die Kontrollgruppe 3,5 Kilogramm. Der Gesamtgewichtsverlust blieb mit 11,2 zu 12,5 Kilogramm vergleichbar.
Apitegromab blockiert ein Protein, das Muskelabbau fördert. Experten der Universitätskliniken Leipzig und Tübingen sprechen von einem wichtigen Schritt – warnen aber vor zu hohen Erwartungen. Langzeitwirkungen seien unklar, eine Zulassung noch Jahre entfernt. Zudem betonen sie: Gezieltes Training und proteinreiche Ernährung können den Muskelabbau ebenfalls bremsen.
„Natural Wegovy“ – gefährlicher Hype
In sozialen Netzwerken kursieren derweil vermeintliche Alternativen. Aus Südkorea stammt der Trend „Natural Wegovy“: gekochte Eier mit Olivenöl. Die Idee: über Nahrung die GLP-1-Ausschüttung anregen.
Ernährungswissenschaftlerin Sophie Brünke macht im Juni 2026 klar: Die durch Nahrung ausgelöste Hormonausschüttung ist deutlich schwächer und kürzer als bei Medikamenten. Zudem droht eine hohe Kalorienzufuhr – ein Esslöffel Olivenöl liefert rund 90 Kilokalorien. Eine vergleichbare Wirkung zu den pharmazeutischen Präparaten sei nicht zu erwarten.
Zwei Millionen Haushalte nutzen bereits Abnehmspritzen
Die wirtschaftlichen Folgen sind messbar. Laut einer YouGov-Studie von 2025 nutzen in Deutschland zwei Millionen Haushalte aktiv GLP-1-Präparate, weitere zwei Millionen zeigen Interesse. Das verändert den Warenkorb: Käufer greifen häufiger zu Proteinprodukten und kleineren Portionen, Süßigkeiten bleiben liegen.
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International fallen die Zahlen noch deutlicher aus. In den USA nehmen bereits 18 Prozent der Erwachsenen solche Medikamente. Eine PwC-Analyse zeigt: Die Lebensmittelausgaben dieser Gruppe sanken um 12 Prozent. JP Morgan prognostiziert für 2030 zwischen 25 und 30 Millionen Nutzer in den USA – mit jährlichen Umsatzverlusten von 30 bis 55 Milliarden Dollar für die Lebensmittelindustrie.
Orale Wegovy-Pille in Sicht
Eine weitere Marktverschiebung steht bevor. Für Juli 2026 wird die EU-Zulassung einer oralen Wegovy-Version erwartet. Das könnte den Zugang zur Therapie weiter erleichtern. Eine dänische Studie im JAMA Network Open bescheinigt solchen Ansätzen zwar nur moderate Effekte – unterstreicht aber ihre Relevanz für den gesamten Gewichtsmanagement-Sektor.
