Achtsamkeit: Neue Studien warnen vor Nebenwirkungen
Veröffentlicht am: 12.05.2026 um 14:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeue Studien zeigen: Die beliebten Entspannungstechniken können unter bestimmten UmstÀnden sogar schaden.
Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Duisburg-Essen, veröffentlicht in PLOS One, liefert ĂŒberraschende Ergebnisse. Kurzmeditationen können soziale Vorurteile verstĂ€rken, statt sie abzubauen. Die Progressive Muskelentspannung (PMR) schnitt in den randomisierten Doppelblindstudien deutlich besser ab.
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âDie Anwendung von Achtsamkeit darf nicht als universelles Heilmittel missverstanden werdenâ, betonen die Autoren. Stattdessen brauche es eine gezielte Einordnung, welche Technik fĂŒr welches Ziel geeignet sei.
Jeder Zweite sorgt sich um seine mentale Gesundheit
Die Nachfrage nach PrĂ€ventionsangeboten bleibt hoch â aus gutem Grund. Eine Studie des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) aus dem Jahr 2025 zeigt: Rund 60 Prozent der Befragten nehmen das soziale Miteinander als gereizter wahr.
Etwa die HĂ€lfte der Teilnehmer macht sich Sorgen um die eigene mentale Gesundheit. Besonders betroffen: die 36- bis 45-JĂ€hrigen, bei denen der Wert auf 60 Prozent steigt. 92 Prozent der Menschen sind ĂŒberzeugt, dass die körperliche Verfassung die Psyche stark beeinflusst.
Viele nutzen bewusste Pflegeroutinen als tĂ€gliche Ankerpunkte. Sie stabilisieren so ihr inneres Gleichgewicht â ein trend, den Experten als sinnvoll bewerten.
Stress-Alarm in der Arbeitswelt
Der Sanitas-PrĂ€ventionsradar aus der Schweiz zeigt im Mai 2026: Fast ein Drittel der Bevölkerung fĂŒhlt sich hĂ€ufig gestresst. Besonders betroffen sind die 18- bis 44-JĂ€hrigen. Hauptursachen: berufliche Anforderungen, Digitalisierung und stĂ€ndige Erreichbarkeit ĂŒber Smartphones.
Ăltere Menschen zwischen 60 und 84 Jahren sind deutlich weniger belastet und mit ihrer Gesundheit zufriedener.
In Frankreich schlagen Experten Alarm. Der Arbeitsmediziner ClĂ©ment Duret schĂ€tzt, dass 12 bis 15 Prozent der Erwerbsbevölkerung von Burnout betroffen sind â mehrere Millionen Menschen. âEin Burnout tritt nicht plötzlich auf, es ist ein schleichender Prozessâ, warnt Duret.
Erste Warnsignale: VerhaltensÀnderungen, Schlafstörungen, zunehmende Reizbarkeit. Besonders gefÀhrdet sind Berufsgruppen mit hoher emotionaler Belastung wie PflegekrÀfte.
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Resilienz lÀsst sich trainieren
Der VDI Wissensforum unterstreicht die Bedeutung von Resilienz â der psychischen Widerstandskraft â speziell fĂŒr Ingenieure. Die gute Nachricht: Resilienz ist erlernbar. Studien, die bis in die 1950er-Jahre zurĂŒckreichen, definieren sie als FĂ€higkeit, die auf Akzeptanz, Optimismus und Lösungsorientierung beruht.
In Deutschland schieĂen PrĂ€ventionsangebote aus dem Boden. In Bonn startete Mitte Mai ein achtwöchiger MBSR-Kurs (Mindfulness-Based Stress Reduction). In Tauberbischofsheim findet âStark im Alltagâ statt â ein kostenfreies Angebot fĂŒr pflegende Angehörige mit Workshops zu Entspannungstechniken, Sitz-Yoga und Aromatherapie.
Bildungsurlauber können auf Borkum oder in der Eifel Yoga, Wandern und Meditation kombinieren. Die Preise: zwischen knapp 100 Euro fĂŒr kurze Wochenenden und 800 Euro fĂŒr zertifizierte PrĂ€ventionswochen.
Die Schattenseite der âMe-Timeâ
Doch Vorsicht vor dem RĂŒckzug ins Private. Die Psychiaterin Tatjana Reichhart und der Psychologe Klaus Nuywen warnen in der FAZ: Sozialer RĂŒckzug kann als dauerhafte Vermeidungsstrategie Symptome von Depressionen oder Angststörungen verstĂ€rken.
Die gesunde Balance zwischen âMe-Timeâ und soziale Interaktion sei entscheidend. Wenn Alleinsein dazu diene, negativen GefĂŒhlen auszuweichen, verschĂ€rfe das die Problematik langfristig.
In der Sportpsychologie setzen Spitzensportler auf Techniken der SelbstgesprĂ€chsregulation. Selina Koch erklĂ€rt, wie Athleten unter Druck handlungsfĂ€hig bleiben. Diese Strategien zur Erkennung von Körpersignalen und mentalen Steuerung sind auf den Alltag ĂŒbertragbar.
Achtsamkeit bleibt eine zentrale SĂ€ule der Gesundheitsvorsorge. Doch die Wissenschaft fordert zur reflektierten Anwendung auf. Der Trend geht zu ganzheitlichen AnsĂ€tzen â körperliche Pflege, mentale Techniken und offene GesprĂ€chskultur im Berufsumfeld mĂŒssen zusammenwirken.
