ADHS bei Erwachsenen: Zwei Millionen Deutsche leiden undiagnostiziert
05.06.2026 - 09:18:57 | boerse-global.de
Die Diagnose erfolgt oft spĂ€t â dabei kann sie fĂŒr viele Betroffene eine lebenslange ErklĂ€rung fĂŒr ihre Probleme bieten.
Die Symptome zeigen sich bei Erwachsenen subtiler als bei Kindern: Prokrastination, Vergesslichkeit und erhöhte emotionale Auslenkbarkeit sind typisch. Eine gesicherte Diagnose erfordert eine ausfĂŒhrliche Anamnese durch FachĂ€rzte fĂŒr Psychiatrie.
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Doch die Versorgung hakt gewaltig. Daten aus den USA zeigen: Von den rund 15,5 Millionen betroffenen Erwachsenen (etwa 6 Prozent der Bevölkerung) wurde die HĂ€lfte erst mit 18 Jahren oder spĂ€ter diagnostiziert. Ein Drittel erhĂ€lt gar keine Behandlung. Und ĂŒber 70 Prozent der Nutzer von stimulierenden Medikamenten haben Probleme, ihre Rezepte einzulösen.
Welche Therapie hilft?
Bei ADHS und emotionalen Regulationsstörungen kommen zwei Verfahren besonders zum Einsatz. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) zielt auf Patienten mit starken Emotionen ab â mit Schwerpunkten wie Achtsamkeit, Stresstoleranz und dem Umgang mit GefĂŒhlen.
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist ebenfalls weit verbreitet. Eine aktuelle Studie untersuchte ihre Wirkfaktoren im Vergleich zur interpersonellen Psychotherapie (IPT) bei depressiven Symptomen. Die Ergebnisse an 80 Erwachsenen zeigten: Die Bindungssicherheit nahm bei beiden Methoden zu. Und eine frĂŒhzeitige Steigerung dieser Sicherheit fĂŒhrte zu einer deutlichen Symptomreduktion.
Die therapeutische Beziehung selbst ist also ein entscheidender Wirkfaktor â auch fĂŒr ADHS-Patienten.
Die Verbindung zu anderen Erkrankungen
ADHS kommt selten allein. Eine schwedische Langzeitstudie (2001 bis 2022) belegt: Frauen mit prĂ€menstruellen Störungen (PMD) haben ein doppelt so hohes Risiko fĂŒr Depressionen, Angststörungen oder ADHS. Fast die HĂ€lfte der Frauen mit PMD-Diagnose hatte bereits zuvor eine psychische Erkrankung.
Auch Bewegung zeigt Wirkung. Eine brasilianische Studie untersuchte Sprint-Intervalltraining ĂŒber 12 bis 24 Wochen. Das Ergebnis: RegelmĂ€Ăiges intensives Training senkte Panik-Werte und AngstanfĂ€lle stĂ€rker als reine EntspannungsĂŒbungen.
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System unter Druck
Die Rahmenbedingungen fĂŒr Psychotherapie verschlechtern sich. Der Erweiterte Bewertungsausschuss senkte die VergĂŒtung fĂŒr Psychotherapeuten zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent. Trotz höherer StrukturzuschlĂ€ge bleibt eine effektive Honorarabsenkung von 2,3 Prozent.
Positiv: In Regionen mit geringer Versorgungsdichte â etwa in Nordrhein-Westfalen â wurden zusĂ€tzliche Kassensitze geschaffen. Und im betrieblichen Bereich gewinnen Angebote fĂŒr Auszubildende an Bedeutung. Krankenkassen fördern Workshops zu Stressmanagement und Resilienz. Der Return on Investment liegt bei 2,70 Euro pro investiertem Euro â ein starkes Argument fĂŒr frĂŒhzeitige psychische UnterstĂŒtzung.
