ADHS bei Kindern: 202.000 Neudiagnosen 2024, Mädchen-Quote steigt
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten der DAK-Gesundheit werfen ein neues Licht auf die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Eine im August 2026 veröffentlichte Analyse befasst sich intensiv mit der psychischen Belastung und insbesondere der chronischen Erschöpfung bei jungen Patienten, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert wurde. Die Untersuchung, die in Zusammenarbeit mit Experten der Charité sowie dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) erstellt wurde, zeigt eine deutliche Dynamik im Diagnosegeschehen auf.
Signifikanter Anstieg der Neudiagnosen im Jahr 2024
Der aktuelle Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse verdeutlicht eine wachsende Relevanz von ADHS im klinischen Alltag. FĂĽr das Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 202.000 Neudiagnosen bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 17 Jahren verzeichnet. Dies entspricht einer Steigerung von 16 % im Vergleich zum Vorjahr 2023. Insgesamt lebten im Erhebungszeitraum etwa 617.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 17 Jahren mit einer ADHS-Diagnose, was einem Anteil von 5,2 % dieser Altersgruppe entspricht.
Im historischen Vergleich zeigt sich eine Zunahme der Fallzahlen. Während im Jahr 2019 noch 556.500 betroffene Kinder und Jugendliche registriert waren, sank die Zahl im Jahr 2022 vorübergehend auf 540.500, bevor sie im darauffolgenden Zeitraum wieder massiv anstieg.
Geschlechtsspezifische Unterschiede und Altersstrukturen
Die Analyse differenziert detailliert nach Geschlecht und Alter, wobei deutliche Disparitäten erkennbar sind. Jungen sind weiterhin wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Mit 136.500 Neudiagnosen im Jahr 2024 liegt die Fallzahl bei Jungen etwa doppelt so hoch wie bei den Mädchen, bei denen 65.000 neue Diagnosen gestellt wurden.
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Bemerkenswert ist jedoch die Wachstumsrate: Während der Anstieg bei den Jungen 14 % betrug, verzeichneten Mädchen ein Plus von 21 %. Dies deutet darauf hin, dass die Störung zunehmend auch bei weiblichen Kindern und Jugendlichen erkannt wird, die in der Vergangenheit oft unterdiagnostiziert blieben.
Hinsichtlich der Altersgruppen identifizierte die DAK-Gesundheit besonders hohe Werte bei Grundschulkindern zwischen 5 und 9 Jahren. In dieser Gruppe gab es 23,8 Neudiagnosen pro 1.000 Kinder. Bei den 10- bis 14-jährigen Schulkindern lag die Rate bei 18,3 Neudiagnosen pro 1.000 Kinder, was einer Steigerung von 22 % in dieser spezifischen Alterskohorte entspricht.
Experten bewerten ADHS nicht als Modediagnose
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Trotz der steigenden Zahlen warnen Fachleute vor einer Fehlinterpretation der Daten. Experten der Charité betonten im Rahmen der Berichterstattung im August 2026, dass es sich bei ADHS nicht um eine sogenannte Modediagnose handele. Vielmehr sei die Sensibilisierung für das Thema gestiegen, was zu einer präziseren Erfassung der betroffenen Kinder führe. Die vorliegende Analyse der chronischen Erschöpfung im Kontext von ADHS unterstreiche die hohe psychische Belastung, der die Betroffenen im Alltag ausgesetzt seien.
DAK-Chef Storm leitete aus den Ergebnissen der Analyse eine klare gesundheitspolitische Forderung ab. Er betonte die Notwendigkeit einer besseren Vernetzung der verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen. Um die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern, müssten medizinische Fachkräfte, Therapeuten und Bildungseinrichtungen enger zusammenarbeiten, um der Komplexität des Störungsbildes und den damit verbundenen Erschöpfungszuständen gerecht zu werden.
