Adipositas-Forschung 2026: Neue Daten stellen alte Lehrmeinungen infrage
11.06.2026 - 18:21:17 | boerse-global.de
Gleichzeitig zeigen neue Studien, warum Abnehmspritzen nicht bei allen wirken.
Schnell abnehmen â und trotzdem schlank bleiben
Der Jo-Jo-Effekt ist nicht zwangslÀufig die Folge einer schnellen Gewichtsabnahme. Das legen Ergebnisse einer norwegischen Studie nahe, die im Mai auf dem EuropÀischen Adipositas-Kongress in Istanbul vorgestellt wurden.
Anzeige: Die neueste Adipositas-Forschung rĂ€umt mit veralteten Lehrmeinungen auf: Schnelles Abnehmen fĂŒhrt nicht zwangslĂ€ufig zum Jo-Jo-Effekt, und eine norwegische Studie zeigt, dass die schnelle Gruppe nach einem Jahr sogar mehr Gewicht verloren hatte. Zudem entdecken Forscher genetische Ursachen, warum Abnehmspritzen bei bis zu 30 Prozent nicht wirken. Erfahren Sie in diesem Report, wie Sie Ihren Stoffwechseltyp bestimmen und Muskelverlust vermeiden. Jetzt kostenlosen Report anfordern
284 Erwachsene nahmen teil. Eine Gruppe reduzierte ihre Kalorien drastisch auf unter 1.000 kcal pro Tag â ĂŒber acht Wochen. Ergebnis: Nach vier Monaten hatte sie rund 13 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren. Eine Vergleichsgruppe mit moderater Kalorienreduktion kam auf etwa 8 Prozent.
Nach einem Jahr zeigte sich: Die schnelle Gruppe hielt ihr Gewicht stabil bei 14,4 Prozent Verlust. Bei der langsamen Gruppe waren es 10,5 Prozent.
âDas konterkariert die traditionelle Lehrmeinung, dass nur langsame Abnahme nachhaltig istâ, sagt Dr. Line Kristin Johnson vom Vestfold Hospital Trust.
Abnehmspritzen: Nicht fĂŒr jeden geeignet
GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid sind ein Milliardenmarkt. Rund 550.000 Menschen in Deutschland nutzen sie. Doch zwischen 10 und 30 Prozent der Patienten reagieren nicht wie erwartet.
Eine Analyse der NYU Langone Health mit ĂŒber 38.000 Patienten zeigte: Der durchschnittliche Gewichtsverlust liegt bei 5,7 Prozent. Rund 17 Prozent brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.
Forscher der Stanford University fanden nun eine genetische Ursache. Eine Studie im Fachjournal Genome Medicine identifizierte Varianten des Enzyms PAM. Diese schwÀchen die Wirkung von GLP-1-Medikamenten ab.
Die Zahlen sind deutlich: Bei TrÀgern der Genvariante erreichten nach sechs Monaten nur 12 Prozent die Blutzuckerziele, in der Vergleichsgruppe waren es 25 Prozent.
âBei diesen Personen werden zwar höhere GLP-1-Spiegel gemessen, die biologische Wirkung fĂ€llt aber geringer ausâ, erklĂ€rt Dr. Anna Gloyn von der Stanford University.
Neue Wirkstoffe: Dreifach-Angriff aufs Fett
Parallel arbeiten Forscher an der nĂ€chsten Generation. Retatrutide etwa ist ein Triple-Agonist, der an drei verschiedenen Rezeptoren ansetzt. In klinischen Studien ĂŒber 48 Wochen zeigte sich eine Gewichtsreduktion von bis zu 20 Prozent.
Das Problem mit dem Muskelverlust
Ein kritischer Nebeneffekt vieler PrÀparate: Sie reduzieren nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Eine am 8. Juni in Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigt einen vielversprechenden Ansatz.
102 Teilnehmende bekamen den Antikörper Apitegromab, der das Protein Myostatin hemmt. In Kombination mit dem Wirkstoff Tirzepatid reduzierte sich der Verlust an Magermasse um rund 55 Prozent.
WĂ€hrend die Placebo-Gruppe 3,5 Kilogramm Magermasse verlor, waren es in der Apitegromab-Gruppe nur 1,6 Kilogramm.
Allerdings: âOb die bewahrte Muskelmasse auch zu funktionellen Vorteilen bei Kraft oder LeistungsfĂ€higkeit fĂŒhrt, ist bislang unklarâ, gibt Henning Tim Langer von der CharitĂ© zu bedenken.
Warum Frauen anders abnehmen
Die Effizienz von DiÀten hÀngt auch vom Geschlecht ab. MRT-Studien belegen: MÀnner haben im Schnitt einen höheren Muskelanteil (38 Prozent) als Frauen (31 Prozent). Das erhöht den Grundumsatz.
Hinzu kommt: Die Hormone Ăstrogen und Progesteron erschweren die Mobilisierung von Fettreserven an HĂŒften und GesĂ€Ă. In der zweiten ZyklushĂ€lfte neigt der Körper zudem zu Wassereinlagerungen.
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Die Darmflora als heimlicher Chef
Auch das Mikrobiom spielt eine wesentliche Rolle. Studien des National Institutes of Health (NIH) deuten darauf hin: Eine hohe Konzentration von Firmicutes-Bakterien kann die Kalorienaufnahme aus der Nahrung um etwa 150 kcal pro Tag erhöhen.
Zur UnterstĂŒtzung einer gesunden Darmflora empfehlen Experten mindestens 30 Gramm Ballaststoffe tĂ€glich. Weitere AnsĂ€tze: resistente StĂ€rke aus abgekĂŒhlten stĂ€rkehaltigen Lebensmitteln und eine hohe DiversitĂ€t in der ErnĂ€hrung â idealerweise mehr als 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche.
