Adipositasmedikamente, DDG

Adipositasmedikamente: DDG fordert Kassen-Erstattung für Risikopatienten

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen Gewichts- und Herz-Kreislauf-Vorteile; die DDG verlangt deshalb eine Kostenübernahme für moderne Adipositaspräparate.
Ein heller, leerer Behandlungsraum in einer deutschen Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege und einem Stethoskop. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über die finanzielle Erstattung moderner Adipositasmedikamente durch die gesetzlichen Krankenkassen gewinnt im deutschen Gesundheitssystem zunehmend an Bedeutung.

Angesichts neuer klinischer Studiendaten plädiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) für eine gezielte Kostenübernahme dieser Präparate für Personen mit einem hohen gesundheitlichen Risiko, beispielsweise nach einem erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Bislang galten Abnehmmedikamente im System der Gesetzlichen Krankenversicherung vorrangig als Lifestyle-Intervention und nicht als reguläre medizinische Behandlung.

Rechtliche Hürden und Versorgungslage

Die Verordnung und Erstattung von Arzneimitteln zur Gewichtsreduktion ist im deutschen Gesundheitssystem restriktiv geregelt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Ausgaben für Adipositasmedikamente nicht, da Paragraph 34 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) eine Kostenübernahme bisher ausschließt.

Eine arzneimittelrechtliche Zulassung besteht für die Präparate ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder ab einem BMI von 27 bis unter 30, sofern relevante Begleiterkrankungen vorliegen.

In Deutschland betrifft die Erkrankung einen erheblichen Teil der Bevölkerung: Nach Angaben der Fachgesellschaft weist fast jeder fünfte Erwachsene Adipositas auf. Auch strukturierte Behandlungsprogramme greifen bisher kaum in der Praxis. Zwar besteht ein Disease-Management-Programm (DMP) für Adipositas seit Juli 2024, dieses wurde jedoch bis Ende August 2026 in keinem Bundesland angeboten.

Ergänzend zu therapeutischen Ansätzen ist ab Juli 2027 eine gesetzliche Zuckersteuer geplant, die Abgaben von 26 Cent pro Liter bei einem Gehalt von mindestens 5 Gramm sowie 32 Cent pro Liter bei mindestens 7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter vorsieht.

Studienlage zu Gewichtsreduktion und Gefäßschutz

Die Fachgesellschaft verweist bei ihren Forderungen auf signifikante Behandlungserfolge durch inkretinbasierte Wirkstoffe. Diese senken das Körpergewicht durchschnittlich um 15 bis 21 Prozent, während Vergleichsgruppen unter Placebo lediglich Reduktionen von 2 bis 3 Prozent erreichten. Zudem erreichen neue orale GLP-1-Rezeptoragonisten wie Orforglipron in Studien eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von bis zu 12,4 Prozent.

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Neben der reinen Gewichtsreduktion belegen kardiologische Endpunktstudien auch kardiovaskuläre Vorteile. In der SELECT-Studie senkte der Wirkstoff Semaglutid das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskulär bedingte Todesfälle über einen Zeitraum von rund drei Jahren auf 6,5 Prozent gegenüber 8 Prozent in der Placebogruppe.

Die SUMMIT-Studie zeigte für den Wirkstoff Tirzepatid, dass kardiovaskuläre Todesfälle und eine Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz um 38 Prozent seltener auftraten.

Studienergebnisse einzelner Hersteller im Vergleich

Auch herstellerspezifische Studienreihen untersuchten das Ausmaß der Gewichtsreduktion detailliert. Für das Präparat Wegovy des Herstellers Novo Nordisk wies die STEP-5-Studie nach 104 Wochen eine Gewichtsreduktion von 15,2 Prozent nach, verglichen mit 2,6 Prozent unter Placebo.

In der OASIS-4-Studie erzielte eine Wegovy-Tablette nach 64 Wochen eine Reduktion von 13,6 Prozent gegenüber 2,2 Prozent bei Placebo. Für das ältere Präparat Saxenda von Novo Nordisk lag die Gewichtsabnahme nach 56 Wochen bei rund 8 Prozent gegenüber 2,6 Prozent in der Kontrollgruppe.

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Der Hersteller Eli Lilly untersuchte das Präparat Mounjaro mit dem Wirkstoff Tirzepatid im SURMOUNT-Studienprogramm. In der Studie SURMOUNT-1 erreichte die höchste Dosis nach 72 Wochen eine Reduktion von 20,9 Prozent, während die Placebogruppe bei 3,1 Prozent lag.

Die von Eli Lilly finanzierte Vergleichsstudie SURMOUNT-5 ermittelte bei 751 Teilnehmenden eine Gewichtsreduktion von 20,2 Prozent unter Tirzepatid gegenüber 13,7 Prozent unter Semaglutid.

Vor dem Hintergrund dieser Datenlage fordert die DDG eine vollständige Erstattung moderner Adipositasmedikamente durch die gesetzlichen Kassen wie die AOK. Als finanzielle Hürde gilt unter anderem eine Schätzung der AOK, die die jährlichen Behandlungskosten auf rund 4.000 Euro pro Patient beziffert.

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