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Ältere Arbeitnehmer: 85.000 Menschen über 50 beziehen längeres ALG

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das IW beziffert mögliche Einsparungen durch zwölf Monate ALG I, während Österreich ein Bonus-Malus-Modell für ältere Beschäftigte prüft.

IW schlägt einheitliche ALG-I-Dauer für alle Altersgruppen vor
Ein minimalistisches, modernes Bürogebäude bei Sonnenaufgang, das eine sachliche und strukturelle Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die Gestaltung der Arbeitslosenversicherung für ältere Arbeitnehmer sowie Instrumente zur Förderung ihrer Erwerbstätigkeit stehen verstärkt im Fokus wirtschaftspolitischer Analysen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) thematisiert in diesem Zusammenhang eine Reform der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I (ALG I), um Anreize für eine schnellere Reintegration in den Arbeitsmarkt zu setzen und die Sozialkassen finanziell zu entlasten.

Reformvorschläge zur Arbeitslosenversicherung in Deutschland

In einem Kurzbericht analysierte das IW die Auswirkungen einer Vereinheitlichung der ALG-Bezugsdauer. Der Vorschlag sieht vor, die maximale Bezugsdauer für alle Altersgruppen auf 12 Monate zu begrenzen.

Nach geltendem Recht haben ältere Arbeitnehmer derzeit Anspruch auf längere Zahlungen: Ab einem Alter von 50 Jahren besteht ein Anspruch für bis zu 15 Monate, ab 55 Jahren für bis zu 18 Monate und ab 58 Jahren für bis zu 24 Monate.

Berechnungen des Instituts verdeutlichen die fiskalische Dimension dieser Regelungen. Im Jahr 2024 bezogen knapp 85.000 Menschen über 50 Jahre länger als 12 Monate Arbeitslosengeld, was mit Ausgaben von über 2 Mrd. Euro verbunden war. Eine einheitliche Deckelung auf 12 Monate würde die Arbeitslosenversicherung laut IW um gut 2 Mrd. Euro pro Jahr entlasten.

Bezogen auf die Beitragseinnahmen des Jahres 2024, die bei 38,1 Mrd. Euro lagen, entspräche diese Summe einem Spielraum von rund 0,16 Beitragspunkten. Die Nettoeinsparung wird unter Berücksichtigung von Ausweicheffekten auf rund 400 Mio. Euro geschätzt.

Diese Überlegungen fallen in eine Zeit angespannter Haushalte in der Arbeitsmarktverwaltung. Für das Jahr 2026 plant die Bundesagentur für Arbeit mit Einnahmen von 49,23 Mrd. Euro bei Ausgaben von 52,60 Mrd. Euro. Davon entfallen allein 25,66 Mrd. Euro auf das Arbeitslosengeld.

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Das Bonus-Malus-Modell in der österreichischen Arbeitsmarktpolitik

Parallel zur Debatte um die Bezugsdauer in Deutschland werden in Österreich alternative Ansätze zur Beschäftigungsförderung diskutiert. Der Seniorenbund, der Pensionistenverband sowie die Alterssicherungskommission plädieren für die Einführung eines aufkommensneutralen Bonus-Malus-Systems im Bereich der Sozialversicherungsbeiträge.

Das Konzept sieht vor, Unternehmen mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Beschäftigten über 60 Jahren durch niedrigere Beiträge zu entlasten. Hintergrund ist die statistische Beobachtung, dass über 55-Jährige ein Fünftel aller Arbeitslosen stellen, jedoch nur 17 % der unselbständig Erwerbstätigen ausmachen.

Besonders deutlich zeigt sich die Problematik bei 61-jährigen Frauen, deren Arbeitslosenquote bei 11 % liegt. Eine Ausarbeitung des Modells durch das Wifo wird bis Ende 2026 erwartet.

Innerhalb der Wirtschaft stoßen diese Pläne auf geteiltes Echo. Während die Arbeiterkammer (AK) und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) die Initiative unterstützen, lehnen die Industriellenvereinigung (IV), der Wirtschaftsbund und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) das Vorhaben ab.

Die Generalsekretärin des Wirtschaftsbundes, Tanja Graf, betonte, dass Strafzahlungen keine neuen Arbeitsplätze schafften und Betriebe bereits mit hohen Arbeitskosten sowie über 170.000 offenen Stellen belastet seien. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer bezeichnete den Ansatz als bürokratisch und forderte stattdessen eine Anhebung gesetzlicher Altersgrenzen.

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Strategien zur Steigerung der Erwerbsquote und Produktivität

Trotz der Diskussionen um Anreizsysteme zeigen Daten von Statistik Austria eine steigende Erwerbsbeteiligung im Alter. Zwischen Juni 2023 und Juni 2026 nahm die Zahl der beschäftigten Frauen im Alter von 60 bis 64 Jahren um über 52.000 zu. Etwa drei Viertel dieser Gruppe wechseln direkt aus der Erwerbstätigkeit in die Alterspension.

Um die Produktivität angesichts des demografischen Wandels weiter zu erhöhen, schlug IHS-Chef Holger Bonin ergänzende Maßnahmen vor. Er regte an, dass die Arbeitsmarktverwaltung Beschäftigten jährlich Informationen über passende Joboptionen übermittelt.

Zudem forderte er eine bessere steuerliche Berücksichtigung von Umzugskosten, um die berufliche Mobilität zu erhöhen. Dieser Vorstoß stieß bei der GPA-Vorsitzenden Barbara Teiber auf Zustimmung. Den von den Neos geforderten Pensionsgipfel lehnten die Vertreter der Seniorenverbände und der Alterssicherungskommission hingegen als überflüssig ab.

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