Akkermansia bei PMOS: Studie mit 100 Frauen zeigt stärkeren Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 07:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im September 2026 ist im Fachjournal Clinical Nutrition eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte klinische Studie zur Anwendung des Darmbakteriums Akkermansia muciniphila erschienen. Die Untersuchung widmete sich den Effekten eines hitzeabgetöteten Postbiotikums bei 100 adipösen Frauen mit polyendokrin-metabolischem Ovarialsyndrom (PMOS), einer hormonellen und metabolischen Funktionsstörung.
Signifikante Effekte auf Gewicht und Stoffwechselparameter
Die Studienteilnehmerinnen erhielten über einen Zeitraum von zwölf Wochen einmal täglich zehn Milliarden abgetötete Bakterien oder ein Placebo, jeweils begleitend zu einer Standardtherapie.
In der Verum-Gruppe verzeichneten die Forschenden eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 1,92 Kilogramm, während der Rückgang in der Kontrollgruppe bei 0,37 Kilogramm lag (p < 0,001). Dies entsprach einer rund 5,2-fach stärkeren Gewichtsreduktion. Auch der Body-Mass-Index sank mit statistischer Signifikanz (p < 0,01).
Neben dem Körpergewicht verbesserten sich zentrale Stoffwechsel- und Hormonwerte deutlich. Die Autorinnen und Autoren stellten signifikante Verbesserungen beim HOMA-IR-Index zur Erfassung der Insulinresistenz, beim Nüchterninsulin sowie beim LDL-Cholesterin fest.
Zudem sanken die Werte für das luteinisierende Hormon (LH), das LH/FSH-Verhältnis sowie das Testosteron, begleitet von einem nachweisbaren Rückgang der Akne-Schwere.
Auf mikrobiologischer Ebene nahmen die Alpha-Diversität des Darmmikrobioms sowie das Vorkommen von Bifidobacterium und Faecalibacterium zu. Auffälligkeiten der Leber- oder Nierenwerte traten nicht auf, und unerwünschte Ereignisse blieben aus.
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Datenlage zum Gewichtserhalt nach Diäten
Die Veröffentlichung reiht sich in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten ein, die das therapeutische Potenzial von Akkermansia muciniphila bei Stoffwechselerkrankungen beleuchten.
Eine im Fachblatt Nature Medicine veröffentlichte Untersuchung an 90 Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas prüfte den Einfluss pasteurisierter Bakterien auf den Gewichtserhalt. Nach einer achtwöchigen Reduktionsdiät mit dem Ziel von mindestens acht Prozent Gewichtsverlust erhielten die Probanden 24 Wochen lang entweder das Bakterienpräparat oder ein Placebo.
Während die Kontrollgruppe in der Nachbeobachtung im Schnitt 3,2 Kilogramm wieder zunahm, lag der Wiederanstieg unter Akkermansia muciniphila bei 1,2 Kilogramm, was einer statistisch signifikanten Differenz von rund zwei Kilogramm entsprach. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht dokumentiert.
Die Forschenden hoben hervor, dass das Präparat kein eigenständiges Abnehm-Mittel darstelle, sondern primär die Stabilisierung des Körpergewichts nach einer Gewichtsabnahme unterstütze. In einer Einordnung forderte das Journal Nature Reviews Microbiology größere Folgestudien mit längerer Nachbeobachtungszeit, da die bisherige Datenbasis auf begrenzten Teilnehmerzahlen beruhe.
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Grenzen und klinische Einordnung
Medizinische Fachleute mahnen zur sachlichen Einordnung probiotischer und postbiotischer Behandlungsansätze. Übersichtsbeiträge betonen, dass solche Präparate bei manchen Personen eine moderate Unterstützung bieten können, eine herkömmliche Lebensstilintervention oder Standardtherapie jedoch keinesfalls ersetzen.
Die beobachteten Effekte fallen in vielen Studien vergleichsweise klein aus und variieren je nach individuellem Stoffwechselprofil und eingesetztem Bakterienstamm erheblich. Während die Präparate bei gesunden Menschen meist gut verträglich sind, raten Mediziner bei schwerer Immunschwäche oder gravierenden Vorerkrankungen weiterhin zur Zurückhaltung.
