Akupressur bei Krebs: Metaanalyse mit 960 Patienten zeigt Effekt
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:29 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerschiedene Fachbeiträge befassen sich detailliert mit den gesundheitlichen Vorteilen klassischer Akupressurpunkte der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Reizpunkte wie Hegu, Zusanli, Sanyinjiao und Weizhong stehen dabei im Fokus, um Alltagsbeschwerden zu lindern, Schmerzen zu dämpfen und das allgemeine Wohlbefinden zu stärken. Berichte und Studien beleuchten sowohl die konkrete Anwendungstechnik als auch die wissenschaftliche Datenlage zu spezifischen Einsatzfeldern.
Klassische Punkte und ihre Einsatzbereiche
In Anleitungen nach der TCM-Lehre wird die Druckausübung häufig auf eine Dauer von 3 bis 5 Minuten pro Punkt ausgelegt. Zu den am weitesten verbreiteten Punkten zählt Zusanli, der drei Cun unterhalb des Knies und eine Fingerbreite seitlich verortet wird. Er gilt traditionell als Stärkungspunkt und wird bei Magen-Darm-Beschwerden, chronischen Magenschmerzen sowie bei Erschöpfung und Völlegefühl eingesetzt. Zusammen mit Zhongwan dient er der Magenunterstützung, in Kombination mit Jianshi kommt er bei Verstopfung zum Einsatz.
Der Punkt Hegu wird unter anderem bei Zahnschmerzen, Husten und rauer Haut genannt. Sanyinjiao am Schienbeinrand findet Anwendung bei Beschwerden wie Kältegefühl, Ödemen und Regelschmerzen. Bei Rücken- und Kreuzschmerzen wird häufig Weizhong in der Mitte der Kniebeuge herangezogen, während Shenshu über 3 bis 5 Minuten und der Bereich der Lendenwirbelsäule über 5 bis 10 Minuten massiert werden können.
Weitere funktionelle Zuordnungen betreffen Schwindel über den Punkt Neiguan, Nervosität über Laogong und Baihui sowie Schlafprobleme. Für besseren Schlaf werden unter anderem Baihui, Dantian und Shenmen am Handgelenk genannt. Bei Letzterem wird zur Schlafförderung oder Beruhigung auch eine sanfte Berührung über 5 bis 10 Sekunden mit wenigen Wiederholungen empfohlen.
Arbeitsplatzbeschwerden und Entlastungstechniken
Für Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich infolge von Bildschirmarbeit beschreiben Fachberichte spezifische Druckpunkte. Genannt werden dabei Fengchi zwischen dem oberen Halswirbel und dem Knochen hinter dem Ohr, Jianjing am Schulter-Nacken-Übergang, Zhongzhu am Handrücken sowie Shousanli am gebeugten Arm, die jeweils mit 15 bis 20 Pressungen stimuliert werden können.
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Begleitend wird auf ergonomische Präventionsmaßnahmen verwiesen: Sitzwinkel von 90 Grad an Hüfte und Knien, 70 bis 135 Grad an den Armen sowie regelmäßige Pausen von 5 bis 10 Minuten pro Arbeitsstunde. Neben manuellen Reizen können Wärmeanwendungen und gezielte Bewegungsabläufe die Entspannung der Muskulatur unterstützen.
Wissenschaftliche Studienlage zu Akupressur und Akupunktur
Zur Wirksamkeit liegen heterogene wissenschaftliche Ergebnisse vor. Eine randomisierte kontrollierte Studie an 74 Frauen nach der Entbindung verglich eine Ohrakupressur an sieben Ohrpunkten zusätzlich zur Standardpflege mit einer Scheinbehandlung. Dabei zeigte sich an den Tagen 10, 15 und 21 nach der Geburt eine Verbesserung der Erschöpfung mit standardisierten Mittelwertdifferenzen von -2,07, -1,30 und -1,32.
Eine Metaanalyse mit 960 Krebspatienten aus zwölf Studien untersuchte den Einfluss auf krebsbedingte Müdigkeit und ermittelte eine gepoolte standardisierte Mittelwertdifferenz von -0,77 (95-Prozent-Konfidenzintervall -0,90 bis -0,65).
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Bei isolierter Ohrakupressur lag der Wert bei -0,98, bei Körperakupressur bei -0,70. Eine Netzwerk-Metaanalyse an Lungenkrebspatienten über 32 Studien ergab für Ohrakupressur gegenüber Standardpflege einen Wert von -1,82, wies jedoch ein breites Konfidenzintervall und ein erhebliches Verzerrungsrisiko auf; die Autoren betonten, dass die Ergebnisse nicht auf gesunde jüngere Personen übertragbar seien.
Hinsichtlich anderer Indikationen zeigte eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 mit sieben Studien und über 600 Patienten, dass zusätzliche Akupunktur bei Reflux den Reflux Symptom Index und Kehlkopfbefunde senken konnte, wobei der Reflux Finding Score im Mittel 1,39 Punkte günstiger ausfiel. Die Aussagekraft wurde wegen kleiner Stichproben zurückhaltend bewertet.
Anwendungsregeln und Kontraindikationen
Bei der Selbstanwendung ist auf eine kontrollierte Druckausübung zu achten. Fachhinweise betonen, dass lediglich ein milder Muskelkater oder leichte Berührungsempfindungen auftreten dürfen, jedoch kein stechender Schmerz, kein Stromgefühl und keine Taubheit.
Akupressur ist auch über sauberer, dünner Kleidung wie Baumwolle möglich, dickere oder elastische Stoffe wie Funktionskleidung und Kompressionsware beeinträchtigen jedoch die Präzision und Druckkontrolle.
Die Methode dient als rein unterstützende Maßnahme und ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Therapie. Bei akuten Schwellungen, offenen Wunden, Infektionen, Blutungsneigung oder der Einnahme gerinnungshemmender Mittel soll auf eine Eigenbehandlung verzichtet werden.
Auch bei bestehenden Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf- oder Nervensystems sowie in der Schwangerschaft ist eine vorherige ärztliche Abstimmung erforderlich. Treten Symptome wie neurologische Ausfälle, Fieber oder anhaltende starke Beschwerden auf, ist umgehend professionelle medizinische Hilfe einzuholen.
