Akupressur-Patches: Hersteller nennt keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nadelfreie Methoden zur Stimulation traditioneller Akupunkturpunkte am Ohr gewinnen im Konsumgüterbereich zunehmend an Aufmerksamkeit. Das in Bottrop ansässige Unternehmen Zenny positioniert sich in diesem Segment mit einem System zur Selbstanwendung, das Elemente der traditionellen Ohrakupressur für den privaten Gebrauch zugänglich machen soll.
Die Resonanz nach der Vorstellung in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ verdeutlicht das wirtschaftliche Potenzial, wirft jedoch zugleich Fragen zur Einordnung solcher Wellness-Produkte auf.
Konzept und Hintergrund des nadelfreien Akupressur-Sets
Die Idee zu dem Produkt entwickelte die Gründerin Jelena Meyer Vicente vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen: Ihre Mutter nutzte Ohrakupressur begleitend während einer Chemotherapie. Auf dieser Basis konzipierte das Startup ein Set, das die Selbstanwendung ohne Nadeln ermöglichen soll.
Das Kit besteht aus Ohrkarten, einer Anleitung, einem Bambusstäbchen sowie 20 selbstklebenden, wasserfesten Patches aus medizinischem Silikon. Diese sind jeweils mit einem 24-karätig goldplattierten Metallgewicht versehen.
Die Pflaster werden auf definierte Punkte am Ohr geklebt, laut Herstellerangaben drei bis fünf Tage getragen und in dieser Zeit sanft massiert. Im Anschluss wird eine Pause von mindestens 48 Stunden empfohlen, bevor eine erneute Anwendung erfolgt. Die Produkte des Unternehmens starten preislich ab 9,99 Euro.
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Verhandlungen und Einstieg von Ralf Dümmel
In der fünften Folge der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ präsentierte Meyer Vicente ihr Unternehmen den Investoren. Zu diesem Zeitpunkt wies Zenny einen bisherigen Umsatz von 5.000 Euro auf. Bei einem Verkaufspreis von regulär 9,99 Euro bezifferte die Gründerin die Herstellungskosten auf 1,50 Euro oder weniger. Ihr ursprüngliches Angebot belief sich auf 100.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile.
Nach den Verhandlungen erzielte die Gründerin eine Einigung mit dem Investor Ralf Dümmel, der schließlich 100.000 Euro für 20 Prozent der Unternehmensanteile investierte. Durch die Partnerschaft soll vor allem die Skalierung im stationären Einzelhandel vorangetrieben werden.
Vertriebskanäle und gesundheitliche Einordnung
Bereits seit dem Sommer 2026 sind die Produkte nach Angaben der Gründerin in über 500 Filialen der Drogeriekette Rossmann gelistet. Neben der ersten Produktvariante befinden sich laut Unternehmensangaben weitere Ausführungen in Arbeit.
Berichte vor dem TV-Auftritt am 5. Oktober 2026 zeigten bei Rossmann ein Set mit zehn Stück für 9,99 Euro, zuzüglich 4,95 Euro Versand bei einer Online-Lieferung nach Hause. Im Online-Shop der Kette tauchte zudem ein Angebot für 7,99 Euro statt 11,90 Euro regulär im Zenny-Shop auf, war jedoch zeitweise nicht lieferbar; genaue Filialpreise blieben dabei teils offen.
Nach der Sendung bot Zenny direkt ein Set mit 20 Patches für 9,99 Euro zuzüglich 3,90 Euro Versand bei Bestellungen unter 75 Euro an, während das Produkt auf Plattformen wie Amazon für 12,99 Euro plus 2,95 Euro Versand geführt wurde.
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Hinsichtlich des Nutzens betont der Hersteller, dass es sich um ein reines Wellness-Produkt zur Unterstützung des Wohlbefindens handle. Es stelle keinen Ersatz für eine ärztliche Beratung oder medizinische Therapie dar.
Medienberichte wie jene von CHIP merkten ergänzend an, dass die Website des Anbieters keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege für die Methode liefere. Die Anwendung verbleibt somit im Bereich der eigenverantwortlichen Entspannungspflege.
