Akupunktur, OP-Stress

Akupunktur bei OP-Stress: Meta-Analyse mit 30 Studien zeigt messbare Effekte

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Fachleute diskutierten Forschungsmaßstäbe; Studien zeigen Effekte von TEAS, aber auch Grenzen bei Akupunkturbelegen.
Nahaufnahme von getrockneten Heilkräutern und Pflanzenwurzeln auf einer strukturierten Holzoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Beijing University of Chinese Medicine kamen am 19. Oktober 2026 insgesamt 28 Experten aus 14 Ländern und Regionen in der chinesischen Hauptstadt zusammen.

Im Rahmen des 7. Beijing Forum on Evidence-Based Medicine und des akademischen Symposiums des Fachjournals eCMTA analysierten die Fachleute den aktuellen wissenschaftlichen Stand und die methodischen Anforderungen an die traditionelle und integrative Medizin.

Methodische Anforderungen an traditionelle Heilmethoden

In seiner Keynote wies Gordon Guyatt von der McMaster University darauf hin, dass Evidenz in ihrer Zuverlässigkeit variiere und fundierte Entscheidungen eine strenge wissenschaftliche Bewertung sowie systematische Zusammenfassungen voraussetzten.

Nicola Robinson von der London South Bank University thematisierte die Kriterien dessen, was wissenschaftlich als Evidenz gelte, und unterstrich, dass gesellschaftliches und medizinisches Vertrauen auf rigoroser Forschung zu tatsächlichen Wirkungen und Risiken beruhen müsse.

Zu den weiteren Teilnehmern des Forums gehören Lao Lixing von der Virginia University of Integrative Medicine sowie Dennis Chang und Alan Bensoussan von der Western Sydney University.

Die Diskussionen spiegeln breitere internationale Bemühungen wider. Bereits am 18. Oktober 2026 fand im China National Convention Center in Peking die Weltkonferenz für traditionelle Medizin 2026 mit fast 2000 Teilnehmern aus 103 Ländern und Regionen statt, darunter 16 Gesundheitsminister.

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In einer Videobotschaft betonte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, es gehe nicht um eine Wahl zwischen Tradition und Wissenschaft, sondern darum, Wissenssysteme durch Forschung, Innovation, Regulierung und Qualitätssicherung zusammenzuführen.

Auf der Konferenz wurde die Pekinger Initiative zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung traditioneller Heilpflanzenressourcen verabschiedet, das New-Era Shennong Herbal Project gefördert und ein Bericht über Künstliche Intelligenz zur Stärkung der globalen traditionellen Medizin vorgelegt. Zudem erfolgte die Gründung der Global Alliance for Traditional and Integrative Medicine (GATIM).

Klinische Daten und Regulierungsansätze

Konkrete wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Bandbreite und Grenzen aktueller Nachweise. Eine im Journal of Pain Research veröffentlichte Meta-Analyse von 30 randomisierten kontrollierten Studien mit 2224 Teilnehmern untersuchte die transkutane elektrische Akupunkturstimulation (TEAS) bei perioperativem Stress.

TEAS führte zu einer signifikanten Senkung der perioperativen Herzfrequenz (MD = -2,80, 95% CI: -4,72 bis -0,87) sowie der Entzündungsmarker IL-6 (SMD = -1,47, 95% CI: -1,97 bis -0,97) und TNF-? (SMD = -1,15, 95% CI: -1,64 bis -0,66), wies jedoch eine hohe Heterogenität von 63 bis 94 Prozent auf. Der mittlere arterielle Druck veränderte sich nicht signifikant (MD = -1,42, 95% CI: -3,46 bis 0,62).

Gleichzeitig mahnen Studienautoren zur Vorsicht bei der Interpretation von Akupunkturergebnissen. In einer methodischen Klarstellung im Journal of Pain Research räumten die Autoren einer Studie zur Kniearthrose ein, dass der primäre Endpunkt verfehlt wurde: Die kombinierte Ansprechrate in Woche 2 lag bei 95,9 Prozent (47 von 49) in der Gruppe mit myofaszialer Triggerpunkt-verstärkter Akupunktur gegenüber 87,5 Prozent (42 von 48) unter konventioneller Akupunktur (Risikodifferenz 8,4 Prozentpunkte, 95% CI: -2,5 bis 19,3; P = 0,132), womit keine statistische Überlegenheit vorlag.

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Parallel schreitet die Standardisierung voran. Die Chinesische Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin stellte vier Leitlinienentwürfe zur öffentlichen Konsultation bis zum 5. November 2026 bereit, darunter Empfehlungen zur chronischen Herzinsuffizienz und zum Einsatz von Huachansu bei Tumoren des Verdauungssystems.

Ergänzend veröffentlichte die 7. Integrative Anti-Aging-Konferenz ein Weißbuch zur evidenzbasierten Bewertung mit einem vierstufigen System von ausreichender Evidenz bis zu einer Nicht-Empfehlung.

Auch internationale Bewertungen differenzieren zunehmend: Die Ungarische Akademie der Wissenschaften stufte nach einer Prüfung von zwölf alternativen Methoden die Traditionelle Chinesische Medizin, manuelle Therapien und die Neuraltherapie als nachweislich wirksam ein, während rein esoterische Praktiken als potenziell schädlich eingestuft wurden.

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