Akute Leukämie: Galectin-9-Blockade stoppt Lungenfibrose
01.07.2026 - 02:06:21 | boerse-global.de
Die Krebszellen dringen durch die Alveolarwände ein, zerstören die Kapillaren und schaffen eine entzündliche Umgebung, die bis zum Atemversagen führen kann.
Allein in den USA rechnen Mediziner für 2026 mit rund 23.000 AML-Neudiagnosen und etwa 11.500 Todesfällen. Lungenkomplikationen gehören zu den häufigsten Todesursachen – doch die genauen Mechanismen waren lange unklar.
Wie die Lunge zur Krebsnische wird
Eine am 29. Juni in Nature Immunology veröffentlichte Studie von NYU Langone Health und internationalen Instituten zeigt den Prozess im Detail. Die Leukämiezellen stören die Kapillarintegrität, lösen Fibrosen aus und reduzieren massiv die Zahl der Aerozyten – jener Zellen, die für den Gasaustausch unverzichtbar sind.
Gleichzeitig verschiebt sich das Immunsystem der Lunge dramatisch: Die Anzahl der Lymphozyten sinkt, während myeloide Zellen explosionsartig ansteigen. Das Gewebe verwandelt sich in eine entzündliche Nische – mit Mustern, die an schwere COVID-19-Verläufe erinnern.
Zwei molekulare Schlüssel entdeckt
Die Forscher um Dr. Iannis Aifantis und Dr. Manel Esteller identifizierten zwei zentrale Treiber der Gewebezerstörung: Das Protein Galectin-9 und der Signalweg über IL-33 und dessen Rezeptor IL1RL1.
In experimentellen Modellen stoppte eine Blockade von Galectin-9 die Fibrosebildung und erhöhte die Überlebensrate. Die Erkenntnisse werden bereits klinisch umgesetzt: Ein Anti-Galectin-9-Antikörper läuft derzeit in einer Phase-1-Studie (NCT05829226).
Prednison als schnelle Hilfe
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Neben neuen Antikörpern lieferte die Forschung Hinweise auf einen Nutzen bestehender Medikamente. Bei acht AML-Patienten mit Lungenkomplikationen verbesserte die Gabe des Steroids Prednison innerhalb von zwölf Stunden die Sauerstoffversorgung und Atmungsfunktion. Die Forscher führen das auf die Unterdrückung der leukämie-induzierten Entzündung zurück.
Neue Kombinationstherapie überzeugt
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei der Behandlung refraktärer AML. Das Unternehmen AB Science meldete am 29. Juni den Abschluss eines weiteren Schritts einer Phase-1-Studie (NCT05211570). Der Wirkstoff AB8939 wurde in Kombination mit Venetoclax bei sechs schwer vorbehandelten Patienten mit ungünstigem genetischem Profil getestet.
Das Ergebnis: eine Gesamtansprechrate von 67 Prozent und eine Krankheitskontrollrate von 100 Prozent – ohne dosislimitierende Toxizitäten.
Weitere Erkenntnisse für die Lungenheilkunde
Ende Juni 2024 veröffentlichten Forscher zudem:
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- RSK-Signalweg: Eine Studie vom 30. Juni zeigt, dass die gezielte Unterdrückung der RSK1/2-Signale das Überleben in Modellen von FLT3-mutierter AML verlängert, während die normale Blutbildung geschont wird.
- Immunevasion bei Lungenkrebs: Das Protein PCGF1 ermöglicht nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC) die Flucht vor natürlichen Killerzellen. Eine Hemmung könnte neue Immuntherapien eröffnen.
- Säureblocker als Risiko: Eine großangelegte Untersuchung in Chest zeigt: Hochdosierte Protonenpumpenhemmer erhöhen bei Asthma- oder COPD-Patienten das Risiko für Krankheitsverschlechterungen um bis zu 25 Prozent.
Die gesammelten Ergebnisse unterstreichen: Entzündliche Prozesse in der Lunge bei Krebserkrankungen müssen differenziert betrachtet werden – nur so gelingt sowohl die Tumorbekämpfung als auch der Erhalt der Organfunktion.
