Allianz-Umfrage: Jeder vierte Eigentümer über 60 will Vermögen aufbrauchen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der privaten Finanzplanung älterer Generationen deutet sich ein grundlegender Wandel an. Unter dem Schlagwort „SKI-ing“ – ein Akronym für „Spending the Kids’ Inheritance“ (das Erbe der Kinder ausgeben) – thematisieren aktuelle Berichte eine zunehmende Tendenz bei Rentnern, angespartes Vermögen für den eigenen Lebensabend zu nutzen, anstatt es für nachfolgende Generationen zurückzuhalten. Diese Entwicklung betrifft insbesondere Senioren mit privater Altersvorsorge oder Immobilienvermögen.
Internationale Entwicklung und veränderte Erwartungen
Untersuchungen des britischen Rentenanbieters Standard Life verdeutlichen die Prioritätenverschiebung in Großbritannien. Demnach geben etwa 15 Prozent der britischen Eltern – was etwa jedem siebten Befragten entspricht – an, ihren Ruhestand lieber aktiv genießen zu wollen, anstatt Ersparnisse für ihre Kinder anzusammeln.
Parallel dazu verändern sich die Erwartungen der jüngeren Generationen, insbesondere in den USA. Daten des Finanzdienstleisters Northwestern Mutual zeigen hier einen signifikanten Rückgang: Während im Jahr 2024 noch 25 Prozent der jungen Menschen damit rechneten, ein Erbe zu erhalten, sank dieser Anteil laut einer Erhebung für das Jahr 2025 auf 20 Prozent.
Demgegenüber steht jedoch die wirtschaftliche Realität eines Teils der Senioren; laut Daten der BBC leben in Großbritannien und den USA etwa 15 bis 16 Prozent der älteren Menschen in Armut.
Die Situation in Deutschland: Sicherheit vor Selbstverzehr
In Deutschland zeigt sich ein differenzierteres Bild, wie eine Umfrage der Allianz aus dem Frühjahr 2026 unter mehr als 1.100 Immobilieneigentümern im Alter von über 60 Jahren belegt. Zwar gibt etwa jeder vierte Befragte an, das eigene Vermögen im Alter selbst aufbrauchen zu wollen, doch die Mehrheit verfolgt weiterhin traditionelle Ziele.
Gut 60 Prozent der Teilnehmer planen, zumindest einen Teil ihres Vermögens an Kinder oder Enkel weiterzugeben. Rund 40 Prozent haben bereits Vermögenswerte übertragen oder bereiten diesen Schritt vor.
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Ein wesentlicher Faktor für das Verhalten deutscher Senioren ist das Sicherheitsbedürfnis. Laut der Allianz-Studie fürchten 41 Prozent der Befragten hohe Kosten im Bereich Gesundheit und Pflege, was einer vollständigen Verwendung des Vermögens für Konsumzwecke häufig entgegensteht.
Ursachen für den Wandel der Entnahmestrategien
Finanzexperten führen den Trend zum verstärkten Vermögensverzehr auf strukturelle Veränderungen in den Altersvorsorgesystemen zurück. Der Wandel von leistungsbasierten hin zu beitragsorientierten Rentensystemen gewährt Rentnern heute oft mehr Freiheit bei der Verwaltung und Entnahme ihrer Ersparnisse.
Zudem hat sich die finanzielle Lage der Rentnergeneration in den vergangenen Jahrzehnten teilweise deutlich verbessert. Das Institute for Fiscal Studies in Großbritannien beobachtete, dass das verfügbare Einkommen von Rentnern – unter Ausschluss der Wohnkosten – in den letzten drei Jahrzehnten schneller gewachsen ist als das der Erwerbstätigen.
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Individueller Lebensstil und Konsumverhalten
Einzelschicksale illustrieren die praktische Umsetzung des „SKI-ing“-Ansatzes. Die 60-jährige Britin Karen Green, die in Südfrankreich lebt, wendet jährlich über 10.000 Pfund (rund 11.600 Euro) für Reisen auf. Ähnliches berichtet die 64-jährige Sarah Moorhouse aus Yorkshire, die angibt, vier- bis fünfmal pro Jahr zu verreisen.
Diese Beispiele stehen stellvertretend für eine wachsende Gruppe von Senioren, die ihren Lebensabend durch aktive Teilhabe und Reisen gestalten, auch wenn dies zulasten des potenziellen Erbes für die Nachkommen geht.
