Altersarmut, Senioren

Altersarmut: 18,9% der Senioren gefÀhrdet, Schulden viermal höher

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 21:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Wohnkosten und hohe Schulden belasten Senioren. ReformplÀne sollen die Altersvorsorge neu ordnen und finanzielle EngpÀsse im Ruhestand begrenzen.

Altersarmut im Ruhestand: Finanzielle Risiken und geplante Reformen
Ein ruhiges, sonnendurchflutetes Wohnzimmer mit einem leeren Stuhl und schlichten Möbeln. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und einer wachsenden Gefahr von Altersarmut rĂŒcken prĂ€ventive Finanzstrategien fĂŒr Senioren zunehmend in den Fokus. Experten raten bei drohenden finanziellen EngpĂ€ssen im Ruhestand explizit davon ab, neue Kredite aufzunehmen.

Stattdessen wird empfohlen, bereits frĂŒhzeitig sĂ€mtliche bestehenden AnsprĂŒche auf Sozialleistungen oder Rentenanpassungen zu prĂŒfen, um die LiquiditĂ€t im Alter nachhaltig zu sichern.

Statistische Entwicklung der ArmutsgefÀhrdung

Die wirtschaftliche Lage vieler RuhestĂ€ndler hat sich in den vergangenen Jahren verschĂ€rft. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2025 rund 18,9 Prozent der Personen ab 65 Jahren von Armut gefĂ€hrdet. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Inanspruchnahme staatlicher Hilfen wider: Ende 2025 bezogen etwa 764.000 Menschen Grundsicherung im Alter. Dies entspricht einer Steigerung von ĂŒber 40 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts.

Gleichzeitig weist die Schuldnerberatung auf eine signifikante Diskrepanz bei der Verschuldungshöhe hin. WĂ€hrend unter 25-JĂ€hrige im Jahr 2024 durchschnittlich Schulden in Höhe von 11.300 Euro aufwiesen, lag dieser Wert bei ĂŒber 65-JĂ€hrigen mit 46.800 Euro fast viermal so hoch.

Ein wesentlicher Faktor fĂŒr die finanzielle StabilitĂ€t ist das verfĂŒgbare Haushaltseinkommen, das bei reinen RuhestĂ€ndler-Haushalten im Mittel bei 2.330 Euro pro Monat liegt, wobei regionale Unterschiede zwischen Westdeutschland (2.350 Euro) und Ostdeutschland inklusive Berlin (2.270 Euro) bestehen.

Wohnkosten und Rentenniveau als Belastungsfaktoren

Ein zentraler Aspekt der finanziellen Belastung ist die Wohnsituation. WÀhrend im Westen 61 Prozent der RuhestÀndler im Wohneigentum leben, sind es im Osten lediglich 44 Prozent; dort wohnen 56 Prozent zur Miete.

Ein im September 2026 vorgestellter Mietenreport des Deutschen Mieterbundes verdeutlicht die Problematik: In einer vorangegangenen Umfrage gaben 58 Prozent der Mieter an, mit gestiegenen Wohnkosten konfrontiert zu sein.

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In der Folge sparten 52 Prozent der Betroffenen bei RĂŒcklagen oder der Altersvorsorge, wĂ€hrend 28 Prozent angaben, die Miete nach einem Einkommensverlust maximal drei Monate lang weiterzahlen zu können.

Das Rentenniveau variiert stark nach Erwerbsbiografie. Laut der Deutschen Rentenversicherung erhielten FrĂŒhrentner mit 45 Beitragsjahren im Jahr 2024 im Schnitt 1.548 Euro im Osten und 1.678 Euro im Westen.

Regelaltersrentner kamen hingegen lediglich auf 753 Euro (West) beziehungsweise 1.200 Euro (Ost). Die jĂ€hrlichen Kosten fĂŒr die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren belaufen sich laut DIW auf knapp 10 Milliarden Euro pro Jahrgang.

Reformvorhaben und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Politik diskutiert derzeit verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems. Die Alterssicherungskommission empfiehlt unter anderem die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren und schlĂ€gt stattdessen eine neue Rente fĂŒr gesundheitlich BeeintrĂ€chtigte vor. Zudem sieht ein Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz vor, das Pflegegeld durch ein zweckgebundenes Entlastungsbudget zu ersetzen.

FĂŒr Immobilienbesitzer ergeben sich im Pflegefall spezifische Risiken. Das Sozialamt kann die Verwertung einer nicht mehr selbst genutzten Immobilie verlangen, sofern dort keine Angehörigen wohnen.

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Allerdings sind angemessene, selbstgenutzte Immobilien nach gesetzlichen Vorgaben geschĂŒtzt. Seit Anfang 2020 greift zudem das Angehörigen-Entlastungsgesetz, wonach Kinder erst ab einem Bruttoeinkommen von 100.000 Euro fĂŒr die Pflegekosten ihrer Eltern haften.

Ab Januar 2027 soll das Altersvorsorgereformgesetz die staatlich geförderte Vorsorge grundlegend verÀndern. Das bisherige Riester-Modell wird durch ein staatlich gefördertes Depot-Modell abgelöst.

Modellrechnungen von finanzen.net zeigen hierbei deutliche Unterschiede: Ein Altersvorsorgedepot auf Basis des MSCI World hĂ€tte bei einer Laufzeit von 25 Jahren und monatlichen Einzahlungen von 100 Euro bis 2026 ein Guthaben von 89.732 Euro erzielt, wĂ€hrend ein vergleichbarer Riester-Vertrag lediglich 46.845 Euro erbracht hĂ€tte. Experten raten hier zum bedachten Übergang bestehender Guthaben in das neue System.

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