Altersarmut, Rentner

Altersarmut: 349.000 Rentner in Thüringen unter Grenze

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Analyse zeigt wachsende Altersarmut in Thüringen, Steuernachzahlungen für viele Rentner und hohe Pflegekosten. Immobilienbesitz der Babyboomer prägt den Markt.

Rentenstudie 2026: Lebensqualität im Bundesländer-Vergleich
Ein älteres Paar sitzt entspannt auf einer Parkbank in einem deutschen Stadtpark während eines herbstlichen Nachmittags. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung vergleicht die Lebensqualität von Rentnern in den deutschen Bundesländern. Die Analyse legt dabei die Schwerpunkte auf die Kriterien finanzielle Situation, gesundheitliche Versorgung und Freizeitgestaltung.

Während die Untersuchung klare Spitzenreiter und Schlusslichter unter den Bundesländern identifiziert, ordnet sie Norddeutschland im Mittelfeld ein. Ergänzend zu diesen regionalen Vergleichen zeichnen Daten aus verschiedenen Studien ein detailliertes Bild der Herausforderungen, mit denen Ruheständler konfrontiert sind.

Finanzielles Armutsrisiko und regionale Unterschiede

Ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität ist die finanzielle Sicherheit. Am Beispiel Thüringens wird deutlich, wie stark das Armutsrisiko in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Dort stieg die Zahl der Rentner mit Bezügen unter der Armutsgefährdungsgrenze von 283.000 im Jahr 2020 auf 349.000 im Jahr 2025. Die Grenze für Alleinlebende wurde für das Jahr 2025 mit 1.446 Euro netto pro Monat beziffert, während sie 2020 noch bei 1.126 Euro gelegen hatte.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Frauen. In Thüringen erhielten neue Rentner im Jahr 2025 im Durchschnitt 1.260 Euro. Bei einer genaueren Betrachtung der Geschlechterverteilung zeigt sich, dass im selben Jahr 226.500 Frauen und 122.500 Männer von Altersarmut bedroht waren. Nach 40 Versicherungsjahren liegt der Anteil der Frauen, deren Rente unter der genannten Armutsgefährdungsgrenze bleibt, bei fast zwei Dritteln.

Steuerliche Belastungen und Nebeneinkünfte

Zusätzlich zur Rentenhöhe beeinflusst die steuerliche Situation das verfügbare Einkommen. Eine Untersuchung der Plattform smartsteuer für das Jahr 2025 zeigt, dass 41 % der Rentner Steuern nachzahlen mussten. Die durchschnittliche Nachzahlung betrug 1.326 Euro, wobei der Medianwert bei 499 Euro lag. Demgegenüber erhielten 45 % der Rentner eine Erstattung von durchschnittlich 1.383 Euro.

Als Grund für die Nachzahlungen wird die nachgelagerte Besteuerung angeführt. Viele Ruheständler verfügen zudem über zusätzliche Einnahmequellen. Laut der Studie hatten 48,5 % der Rentner Nebeneinkünfte, wobei 38 % einer Erwerbstätigkeit nachgingen und 10 % Einnahmen aus Vermietung erzielten.

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Immobilienmarkt und demografischer Wandel

Für viele Rentner stellt Wohneigentum eine wichtige Säule der Altersvorsorge dar. Daten des Unternehmens Jacasa belegen, dass die Generation der Babyboomer fast 5 Millionen der insgesamt 14 Millionen Immobilien in Deutschland besitzt. Experten erwarten zwischen 2040 und 2050 Millionen altersbedingte Eigentümerwechsel.

Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) weisen darauf hin, dass eine Entlastung auf dem Immobilienmarkt vor allem in peripheren Regionen zu erwarten sei, während Zentren wie Stuttgart weiterhin unter Druck blieben.

Besonders hohe Anteile der Babyboomer-Generation verzeichnen Kreise wie Konstanz, der Bodenseekreis oder die Ortenau, wo der Anteil bei 33 bis 36 % liegt. Prognosen deuten darauf hin, dass die Immobilienpreise bis zum Jahr 2035 lediglich in sechs Landkreisen sinken könnten.

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Gesundheit, Pflege und Lebensgestaltung

Die persönliche Lebensgestaltung spielt eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden im Alter. Laut einer NIM-Studie aus dem Jahr 2026 streben die Deutschen im Durchschnitt ein Lebensalter von 85,6 Jahren an, was über der statistischen Lebenserwartung von 81,4 Jahren liegt. Dabei geben 59 % der Befragten an, regelmäßig Sport zu treiben, und 65 % achten auf ausreichend Schlaf.

Sollte im Alter Pflegebedürftigkeit eintreten, entstehen erhebliche Kosten. Im ersten Jahr des Heimaufenthalts lag der Eigenanteil laut Daten des VDEK vom Juli 2026 bei durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat. Die Pflegekassen leisten je nach Pflegegrad Zuschüsse zwischen 805 Euro und 2.096 Euro, ergänzt durch Leistungszuschläge.

Als Alternative zum Verbleib in Deutschland wählen einige Ruheständler den Umzug ins Ausland. Ein Ranking von International Living führt Griechenland als beliebtestes Ziel an, gefolgt von Panama und Costa Rica. Für deutsche Staatsbürger bieten zudem Länder wie Portugal, Italien und Spanien innerhalb der EU spezifische Vorteile bei Klima, Lebenshaltungskosten und der Gesundheitsversorgung.

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