Altersvorsorge, Kosten

Altersvorsorge: 0,2 statt 1,5 Prozent Kosten bringen rund 100.000 Euro mehr

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Reform eröffnet neue Förderwege und Depotmodelle; BaFin-Vertreter Christian Bock empfiehlt sorgfältige Vergleiche vor der Auswahl.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit einem leeren Holztisch und Stuhl vor einer neutralen Wand. Illustration mit AI erstellt.

Die anstehende Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge bringt grundlegende Neuerungen für Millionen Sparer mit sich. Anlässlich des für den 1. Januar 2027 geplanten Inkrafttretens wies Christian Bock aus dem Verbraucherschutz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 3. November 2026 darauf hin, dass die gewonnene Wahlfreiheit eine deutlich intensivere Auseinandersetzung erfordere.

Sparer sollten Angebote sorgfältig vergleichen, Kostenstrukturen prüfen und sich keinesfalls unter Entscheidungsdruck setzen lassen. Als Grundlage für die Beratungshinweise dienen unter anderem ein Fragenkatalog des Bundesministeriums der Finanzen vom 5. Mai 2026 sowie ein Interview der Aufsichtsbehörde vom 3. November 2026.

Gesetzliche Grundlagen und neue Förderstrukturen

Das im Mai 2026 vom Bundesrat gebilligte und am 26. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt verkündete Altersvorsorgereformgesetz löst das bisherige Riester-System schrittweise ab. Technisch anspruchsvollere Bestandteile sollen nach Einschätzung von KPMG ab dem 1. Januar 2028 folgen. Das zentrale Element bildet ab Januar 2027 das neue Altersvorsorgedepot.

Die staatliche Förderung beträgt künftig 50 Cent je Euro Eigenbeitrag bis 360 Euro sowie 25 Cent je weiterem Euro bis 1.800 Euro, was einer maximalen Grundzulage von 540 Euro entspricht. Hinzu kommen Kinderzulagen von bis zu 300 Euro je Kind und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für Personen unter 25 Jahren. Erstmals erhalten auch Selbstständige und berufsständisch Versorgte einen direkten Förderzugang.

Vorgesehen sind drei Produktvarianten: ein Standarddepot ohne Kapitalgarantie mit gesetzlich gedeckelten Effektivkosten von höchstens 1,0 Prozent sowie Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Kapitalerhalt. Die Auszahlung kann als lebenslange Rente oder über einen Auszahlplan erfolgen, der gesetzlich mindestens bis zum Alter von 85 Jahren laufen muss.

Bei der Vererbung ist zu beachten, dass nur Ehepartner und eingetragene Lebenspartner gefördertes Vermögen abzugsfrei übernehmen können. Bei anderen Erben droht nach Paragraf 93 des Einkommensteuergesetzes eine schädliche Verwendung mit Rückforderung der Zulagen.

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Optionen für Bestandskunden und hoher Beratungsbedarf

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz, Neuabschlüsse sind ab 2027 jedoch ausgeschlossen. Nach Analysen des Analysehauses Morgen & Morgen stehen Bestandskunden vor drei Optionen: die förderunschädliche Übertragung in das neue Depot, die beitragsfreie Fortführung mit Neubeiträgen in das reformierte System oder eine Kündigung, die wegen Förderückforderungen selten sinnvoll ist. Das Analysehaus merkte an, dass der Mindestbeitrag von 360 Euro im neuen Modell beitrags- statt einkommensorientiert sei.

Der Informationsbedarf auf Verbraucherseite ist erheblich. Laut Metzler Ratings liegt der Beratungsbedarf je nach Untersuchung zwischen 45 und 90 Prozent; rund die Hälfte der Interessierten wünsche weiterhin eine Garantie. Eine Befragung der Allianz ergab, dass drei von vier Riester-Bestandskunden Unterstützung suchen und 58 Prozent ein persönliches Gespräch bevorzugen.

Sirius Campus und Aeiforia korrigierten in einer Untersuchung im November 2026 ihre Prognose für die erste Angebotswelle des Altersvorsorgedepots 2027 auf 2,9 Millionen Verträge. Bei einem durchschnittlichen Monatsbeitrag von rund 142 Euro ergebe sich daraus ein jährliches Beitragsvolumen von etwa 6 Milliarden Euro.

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Kostenwirkung und Vorbereitung der Produktanbieter

Dass die Kostenprüfung im Mittelpunkt stehen muss, unterstreichen Modellrechnungen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bei einer Kostenquote von 1,5 Prozent verbleiben demnach nur 53 Prozent der Erträge: Nach 40 Jahren mit 130 Euro monatlich ergibt sich ein Endkapital von rund 79.807 Euro gegenüber rund 179.823 Euro bei einer Kostenquote von 0,2 Prozent.

Banken und Versicherer bereiten derzeit entsprechende Produkte vor. Die Sparkasse Passau plant zwei ETF-Lösungen mit laufenden Kosten von 0,10 Prozent und kostenfreier Depotführung, während die Volksbank Bamberg-Forchheim ein Standarddepot mit rund 0,6 Prozent Kostenquote avisiert.

Die Bayerische kündigte zum Jahresbeginn 2027 zwei Varianten sowie ein Standarddepot an, gefolgt von einem Garantieprodukt im dritten Quartal 2027. Auch Liechtenstein Life und die Allianz stellen Angebote für den Starttermin bereit. Unabhängige Finanzexperten raten Verbrauchern dazu, die vertraglichen Konditionen vor einem Abschluss eingehend abzuwägen.

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