Altersvorsorge: Neues Depot ersetzt Riester ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Riester-Rente läuft aus. Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot das umstrittene Förderinstrument. Was Sparer jetzt wissen müssen.
Systemwechsel mit Renditechancen
Ab dem 1. Januar 2027 ist Schluss: Für Neuverträge wird die Riester-Rente nicht mehr angeboten. Das neue Altersvorsorgedepot übernimmt dann die Rolle des zentralen Förderinstruments. Der Clou: Auf die verpflichtende Beitragsgarantie wird verzichtet. Stattdessen fließt das Geld in Aktien-ETFs und andere Wertpapiere – mit deutlich höheren Renditechancen, aber auch mehr Risiko.
Profitieren können künftig nicht nur Angestellte, sondern auch Selbstständige und Beamte. Die Kosten der neuen Produkte sollen gedeckelt werden – auf maximal ein Prozent.
So funktioniert die staatliche Förderung
Die Zulagen fallen großzügiger aus als beim alten Modell:
- Grundzulage: 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag, 25 Prozent auf weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro. Maximal 540 Euro pro Jahr.
- Kinderzulage: 100 Prozent auf bis zu 300 Euro Eigenbeitrag pro Kind.
- Berufseinsteigerbonus: Einmalig 200 Euro für den Start ins Erwerbsleben.
Die jährliche Höchsteinzahlung liegt bei 6.840 Euro. Wer zwei Verträge parallel führt, kann sogar bis zu 13.680 Euro einzahlen. Steuerlich lockt die nachgelagerte Besteuerung: In der Ansparphase bleiben Erträge steuerfrei, erst die Auszahlungen im Alter werden versteuert.
Rechnen sich die neuen Depots?
Modellrechnungen zeigen: Ja, deutlich. Bei 1.800 Euro Einzahlung pro Jahr und acht Prozent Rendite über 40 Jahre wächst ein Kapitalstock von etwa 678.000 Euro. Ohne staatliche Förderung wären es nur rund 527.000 Euro. Der Unterschied macht sich also bemerkbar.
Doch die Deutschen sind skeptisch. Eine Studie der Universitäten Kassel und Paderborn vom 30. Juli 2026 zeigt: Drei von vier Befragten interessieren sich zwar für das neue Depot, aber ein Drittel kennt die Details nicht. Und die Mehrheit wünscht sich weiterhin eine Beitragsgarantie – obwohl das die Renditechancen schmälert. Immerhin: Zwei Drittel legen Wert auf nachhaltige Anlagemöglichkeiten.
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Finanzbranche stellt sich auf
Die Wirtschaft reagiert bereits. Die DWS meldete für das erste Halbjahr 2026 ein Rekordvermögen von 1,2 Billionen Euro und bereitet eine spezielle Produktpalette vor – mit der Deutschen Bank als Vertriebspartner. Neobroker ziehen nach: Erste Anbieter haben Wartelisten für kostenlose Altersvorsorgedepots eingerichtet, Sparpläne sind schon ab zehn Euro möglich.
Für Selbstständige wird das neue Modell zur echten Alternative zur Basisrente. Die flexibleren Auszahlpläne kommen ohne die starre Rentenversicherungspflicht aus.
Was passiert mit bestehenden Verträgen?
Riester-Sparer können ihre Verträge weiterführen oder in das neue System wechseln. Der Wechsel soll möglich sein. Im Sommer 2026 wird zudem über die Frühstart-Rente beraten: staatlich geförderte Depots für Kinder ab sechs Jahren, die monatlich zehn Euro vom Staat erhalten könnten.
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Es gibt auch eine gute Nachricht für Bestandskunden: Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Az. XI ZR 83/25), dass jährliche Kontoführungsentgelte in Riester-Bausparverträgen unwirksam sind. Betroffene können Entgelte für mindestens drei Jahre zurückfordern.
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