Alterung, Forscher

Alterung: Forscher identifizieren 5.000 Gene und 181 Metabolite

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 01:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen Gene, Ernährung, Medikamente und soziale Bedingungen mit Alterungsprozessen, während klinische Daten neue Perspektiven eröffnen.

Länger gesund leben: Neue Studien zeigen molekulare und soziale Faktoren
Laborausstattung mit Glasgefäßen auf einer Holzoberfläche in natürlichem Licht, die wissenschaftliche Forschung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere neue Publikationen untersuchen derzeit wissenschaftliche und lebenspraktische Ansätze, um die Lebensqualität und Gesundheit bis ins hohe Alter zu maximieren. Die Analysen reichen von molekularbiologischen Grundlagenstudien über klinische Beobachtungen bis hin zu sozioökonomischen Langzeituntersuchungen.

Molekulare Alterungswege und genetische Marker

Eine im September 2026 veröffentlichte Untersuchung des King's College London befasst sich mit den individuellen Unterschieden im Alterungsprozess. In der über acht Jahre geführten Beobachtungsstudie an 335 Frauen im Alter zwischen 32 und 80 Jahren identifizierten die Forscher mehr als 5.000 veränderte Gene und 181 Metabolite.

Den Ergebnissen zufolge variiere die Aktivität des Tumorsuppressors TP53 sowie des Proteins CXCL9, das mit der Alterung des Herzens in Verbindung gebracht wird, individuell stark. Zudem zeigten die Daten sinkende PFAS-Spiegel im Beobachtungszeitraum. Diese Erkenntnisse könnten laut den Autoren den Weg für eine präzisere medizinische Vorsorge ebnen.

Ergänzend dazu untersuchte eine Analyse im Rahmen der EPIC-Studie die proteomische Altersbeschleunigung bei 17.473 Teilnehmern. Über einen Zeitraum von bis zu 28 Jahren wurde festgestellt, dass organspezifische „biologische Uhren“ eng mit dem Risiko für Mortalität sowie Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Demenz und verschiedene Krebsarten korrelieren.

Interventionen durch Ernährung, Medikation und soziale Faktoren

Wissenschaftliche Untersuchungen an Tiermodellen liefern weitere Hinweise auf potenzielle Hebel zur Lebensverlängerung. Eine im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie belegt, dass eine Kalorienrestriktion von 30 Prozent bei Mäusen die Anzahl somatischer Mutationen in Organen wie Leber und Niere deutlich senkte.

Besonders in inaktiven Genomregionen war dieser Schutzeffekt ausgeprägt. Inwieweit diese Resultate auf den Menschen übertragbar sind, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Forschung.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen von Ernährung auf die Gesundheit befasst, findet in diesem Ratgeber wertvolle Tipps zur Bekämpfung schleichender Prozesse im Körper. Erfahren Sie, wie Sie mit gezielten Lebensmitteln Ihr Wohlbefinden steigern und Entzündungen natürlich lindern können. 12 natürliche Entzündungs-Killer jetzt entdecken

Parallel dazu untersuchte eine in Nature publizierte Studie die Wirkung von Semaglutid bei weiblichen Mäusen. Die Gabe des Wirkstoffs ab einem Alter von 20 Monaten erhöhte die mediane Lebensspanne um 12,4 Prozent von 742 auf 834 Tage. Neben einer verbesserten Motorik und Gedächtnisleistung beobachteten die Forscher eine Reduktion von Entzündungsmarkern.

Auch sozioökonomische Faktoren beeinflussen die biologische Entwicklung. Die „Baby’s First Years“-Studie untersuchte die Auswirkungen von monatlichen Geldtransfers an 1.000 einkommensschwache Mütter.

Kinder, deren Familien 333 US-Dollar statt lediglich 20 US-Dollar pro Monat erhielten, zeigten über einen Zeitraum von vier Jahren epigenetische Marker einer langsameren biologischen Alterung. Bei den Müttern selbst konnte dieser Effekt hingegen nicht nachgewiesen werden.

Klinische Praxis und gesellschaftliche Erwartungen

In der direkten pflegerischen Versorgung liefert die RETREAT-FRAIL-Studie aus Frankreich neue Daten für die Behandlung hochbetagter Menschen. Bei 1.048 Pflegeheimbewohnern über 80 Jahren wurde unter ärztlicher Aufsicht die Anzahl der Blutdrucksenker von durchschnittlich 2,6 auf 1,5 reduziert.

Nach drei Jahren zeigte sich keine signifikant erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe (61,7 % zu 60,2 %), trotz eines geringfügigen Anstiegs des systolischen Blutdrucks um 4,1 mmHg.

Anzeige

Ein stabiler Blutdruck ist eine wesentliche Säule für ein langes Leben und den Schutz des Herz-Kreislauf-Systems. Dieser kostenlose Spezialreport eines renommierten Medizinprofessors zeigt Ihnen 7 natürliche Wege auf, um Ihre Werte nachhaltig zu regulieren. Gratis-Report zur natürlichen Blutdrucksenkung sichern

Gleichzeitig korrigieren aktuelle Analysen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) das Bild der Lebenserwartung im Alter. Die tatsächliche Rentendauer für 65-Jährige wurde in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig um 1,5 bis 2 Jahre unterschätzt.

Aktuelle Daten beziffern die verbleibende Lebenserwartung für 65-jährige Frauen auf 21,2 Jahre und für Männer auf 18,2 Jahre. Als Hauptgrund werden medizinische Fortschritte bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen angeführt.

Das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil ist auch in der Bevölkerung verankert. Eine Generationenstudie mit 2.000 Teilnehmern im Mai 2026 ergab, dass 86 Prozent der Deutschen das Ziel verfolgen, möglichst lange gesund zu leben. 74 Prozent sehen die Ernährung als maßgeblichen Faktor an.

Unterstützend dazu betont die Lancet Commission, dass etwa 45 Prozent der Demenzfälle weltweit durch die Beeinflussung von 14 Risikofaktoren, darunter körperliche Inaktivität, verzögerbar oder verhinderbar wären.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70078184 |