Alzheimer, Antikörper

Alzheimer: Antikörper verlangsamen Krankheit um 6–9 Monate

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 13:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen bestimmte Ernährungsweisen mit langsamerem Altern. Antikörper bremsen Alzheimer teils, bleiben aber teuer und schwer zugänglich.

Alzheimer: Ernährung und Antikörpertherapien im Faktencheck
Frische mediterrane Lebensmittel wie Olivenöl, Hülsenfrüchte und Gemüse auf einem Holztisch in einer hellen Küche. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte untersuchen den Einfluss der Ernährung auf das biologische Altern sowie den konkreten Nutzen und die Kosten neuer Alzheimer-Medikamente. Angesichts steigender Erkrankungszahlen stehen sowohl Lebensstilfaktoren in der Prävention als auch neue medikamentöse Ansätze im Mittelpunkt wissenschaftlicher Analysen.

Während Ernährungsweisen biologische Alterungsprozesse messbar begleiten, zeigen Antikörpertherapien zwar erste Effekte, werfen jedoch Fragen zur Wirtschaftlichkeit und praktischen Verfügbarkeit auf.

Ernährungsmuster und biologische Alterungsmarker

Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), die im Fachjournal Nature Communications erschien, analysierte Daten von 6.470 Teilnehmenden der Rheinland Studie im Alter von 30 bis 95 Jahren mit einem Durchschnittsalter von gut 56 Jahren sowie 1.034 Teilnehmenden der EPIC-Potsdam-Studie.

Die Forschenden untersuchten rund 850.000 DNA-Stellen und bestimmten das biologische Alter anhand von drei Verfahren, die sie mit zehn Ernährungsscores verglichen.

Nach statistischer Korrektur standen alle zehn Ernährungsscores mit dem Alterungstempo (DunedinPACE) in Verbindung. Die DASH-Diät sowie eine traditionelle nordische Ernährung zeigten Verknüpfungen mit allen drei untersuchten Altersmarkern.

Die gemessenen Effekte fielen jedoch klein aus und stellen lediglich statistische Zusammenhänge dar, keinen kausalen Beweis. Bemerkenswert war zudem das Ernährungsverhalten: Nur 18 der 6.470 Teilnehmenden erreichten bei allen Scores das beste Viertel, während 77 Personen dies bei mindestens neun Scores schafften.

Ergänzend weist eine Untersuchung mit 60.000 Teilnehmenden im Fachjournal BMC Medicine darauf hin, dass eine mediterrane Ernährung Demenzerkrankungen vorbeugen kann.

Zu den typischen Empfehlungen zählen hierbei Olivenöl als Hauptkochfett, täglich eine Portion Saisonobst, wöchentlich jeweils zwei Tage mit Hülsenfrüchten und Fleisch, ein Fischtag, 100 Gramm rohe Nüsse pro Woche sowie zwei- bis dreimal wöchentlich Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl.

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Neue Antikörpertherapien zwischen Nutzen und Kosten

Parallel zur Präventionsforschung rücken neue Behandlungsoptionen in den Fokus. Wie Frank Jessen von der Uniklinik Köln darlegte, werden deutschlandweit rund 1.500 Patienten mit neuen Alzheimer-Therapien behandelt. Die Präparate Lecanemab und Donanemab sind seit gut einem Jahr in Deutschland verfügbar.

Die Datenlage für die ersten drei Behandlungsjahre deutet darauf hin, dass die Antikörper das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung um rund sechs bis neun Monate verlangsamen können. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht demgegenüber jedoch keinen Zusatznutzen.

Die Wirkstoffe zielen auf Plaque-Ablagerungen im Gehirn ab und kommen ausschließlich im frühen Krankheitsstadium zum Einsatz. Eine Heilung ermöglichen sie nicht, eröffnen jedoch bei günstigem Verlauf einige Monate längeres selbstständiges Leben.

Demgegenüber stehen erhebliche finanzielle Hürden: In Großbritannien übernimmt der National Health Service (NHS) die Kosten nicht. Nach Angaben des Psychiaters Rob Howard belaufen sich die privaten Kosten dort auf 50.000 bis 80.000 Pfund pro Patient, während klassische Acetylcholinesterasehemmer seit Jahrzehnten verfügbar und sehr günstig sind.

In Österreich, wo rund 170.000 Menschen mit Demenz leben, kommen schätzungsweise nur etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen für eine Behandlung mit Lecanemab oder Donanemab infrage, wobei Engpässe bei Fachkräften, Geräten und Finanzmitteln die Versorgung erschweren.

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Ganzheitliche Prävention statt schneller Verjüngungsversprechen

Vor dem Jahreskongress der Fachgesellschaften für Geriatrie und Gerontologie in Frankfurt am Main mit rund 1.000 Fachleuten warnte Michael Denkinger von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) vor einer Pathologisierung des Alterns. Das Älterwerden sei keine Krankheit.

Kritik übte er an kommerziellen Trends rund um das Thema Longevity. Für beworbene Verjüngungsprodukte wie Peptide gebe es keine Belege am Menschen, sondern maximal Hinweise aus Tierversuchen; kein Produkt habe bisher eine Lebensverlängerung beim Menschen nachgewiesen.

Als wissenschaftlich gesichert wirksam gelten stattdessen regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen, geringer Alkoholkonsum, medizinische Vorsorge sowie stabile soziale Kontakte.

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