Alzheimer-Bluttests, Früherkennung

Alzheimer-Bluttests: Früherkennung bis zu 20 Jahre vor den Symptomen

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien untersuchen Blutmarker und Geruchserkennung als mögliche frühe Hinweise; Fachleute sehen Bluttests noch nicht für Bevölkerungsscreenings geeignet.

Alzheimer-Früherkennung: Blutmarker und Riechtests im Forschungsfokus
Moderne Laborausstattung mit Reagenzgläsern in einem hellen, sterilen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Fachbeiträge widmen sich intensiv neuen Wegen zur frühzeitigen Erkennung von Demenzerkrankungen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere minimalinvasive Bluttests zur Analyse spezifischer Biomarker sowie einfache Riechtests, die das individuelle Erkrankungsrisiko abbilden können. Beide Ansätze zielen darauf ab, pathologische Veränderungen im Gehirn bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome sichtbar zu machen.

Fortschritte bei labordiagnostischen Bluttests

Bislang stützt sich der Nachweis typischer Alzheimer-Veränderungen im Gehirn häufig auf Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder die Gewinnung von Nervenwasser mittels Lumbalpunktion. Wie ein Fachbericht von Psychiatric Times vom 07.10.2026 darlegt, weisen diese etablierten Methoden jedoch praktische Limitationen auf. Blutentnahmen bieten demgegenüber den Vorteil, deutlich weniger invasiv und problemlos wiederholbar zu sein.

In diesem Kontext verzeichnet die biochemische Analytik methodische Fortschritte. Ein Bericht in Nature Scientific Reports vom 07.10.2026 stellt das Verfahren SPLASH (Solid Phase Ligation Assay with Single wasH) vor.

Die Methode erreicht mithilfe gängiger Standard-Benchtop-qPCR eine Sensitivität im Sub-Pikogramm-pro-Milliliter-Bereich. Für fünf zentrale Alzheimer-Biomarker – pTau-217, A?1–40, A?1–42, NfL und GFAP – wurden Nachweisgrenzen zwischen 0,0005 und 0,119 pg/mL erzielt.

In einer Kohorte von 101 Teilnehmern, deren Amyloid-Status per PET bestimmt worden war, unterschied der Plasma-Marker pTau-217 amyloid-positive von amyloid-negativen Proben mit einer AUC von 0,839, was sich als äquivalent zu drei bereits etablierten pTau-217-Assays erwies.

In einem Multiplex-Panel mit fünf Analyten wurde an 69 Plasmaproben erprobt. Zudem zeigte sich die Technologie kompatibel mit getrockneten Plasmaflecken, was den Verzicht auf eine durchgehende Kühlkette ermöglicht.

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Weitere Forschungsansätze zielen auf zusätzliche Blutbestandteile ab: Laut Psychiatric Times wird an RNA-Bluttests geforscht, die hirnstämmige Exosomen untersuchen. Diese Partikel sind rund 1.000-mal kleiner als die Breite eines menschlichen Haares und transportieren RNA-Moleküle.

Proteomik und frühzeitige Biomarker-Verschiebungen

Einen breiter gefassten Ansatz verfolgt das Ace Alzheimer Center Barcelona. In der BIOPEXAL-Studie im Journal of Nanobiotechnology, über die das Zentrum am 06.10.2026 berichtete, wurden 144 Patienten einer Memory Clinic untersucht: 50 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) und positiven Alzheimer-Biomarkern, 50 mit MCI und negativen Biomarkern sowie 44 Patienten mit Alzheimer-Demenz.

Das Verfahren kann bis zu 768 neurologische und inflammatorische Proteine erfassen. Bei MCI-Patienten mit positiven Biomarkern zeigte sich eine Alzheimer-assoziierte Proteinsignatur, wobei unter anderem das Protein CHMP1A die Alzheimer-Pathologie differenzieren half.

Auch über das Protein ?-Synuclein liegen neue Erkenntnisse vor. Das Sant Pau Research Institute berichtete am 07.10.2026 über eine Querschnittsstudie an 131 Teilnehmern – darunter 88 Erwachsene mit Down-Syndrom (35 asymptomatisch, 18 prodromal, 35 mit Demenz) und 43 kognitiv gesunde Kontrollen ohne Down-Syndrom.

Bei Personen mit Down-Syndrom steigt der Spiegel von ?-Synuclein bereits ab der dritten Lebensdekade an, was etwa 21 Jahre vor dem mittleren Diagnosealter einer prodromalen Alzheimer-Demenz liegt.

Der Wert war bei asymptomatischem Down-Syndrom um das 1,83-Fache, im prodromalen Stadium um das 2,82-Fache und bei bestehender Demenz um das 3,67-Fache höher als in der Kontrollgruppe.

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Diese Veränderungen traten mehr als sieben Jahre früher auf als Verschiebungen bei pTau-217, NfL und GFAP. Sie waren assoziiert mit schlechterer Kognition, Einschränkungen des episodischen Gedächtnisses, geringerem Volumen der grauen Substanz sowie reduziertem Hirnstoffwechsel in temporalen, parietalen und präfrontalen Arealen.

Laut dem Institut IR Sant Pau liegt das mediane Diagnosealter einer prodromalen Alzheimer-Demenz bei Menschen mit Down-Syndrom bei etwa 50 Jahren und bei einer manifesten Demenz bei etwa 54 Jahren; die Prävalenz symptomatischer Alzheimer-Demenz erreicht bis zur siebten Lebensdekade 90 bis 100 Prozent.

Klinische Einordnung und Riechtests als Frühindikator

Laut einem Bericht der Medical Tribune vom 08.10.2026 stehen zur Alzheimerdiagnostik mittlerweile zwei neue Bluttests zur Verfügung. Tests auf phosphoryliertes Tau (p-tau) gelten zwar als Hoffnungsträger, Fachleute mahnen jedoch zur Zurückhaltung: Für ein breites Screening der allgemeinen Bevölkerung seien die Verfahren trotz positiver Datenlage gegenwärtig noch nicht geeignet.

Der Demenzforscher Prof. Emrah Düzel betont, dass neue Bluttests die Erkrankung bis zu 20 Jahre vor dem Auftreten von Demenzsymptomen erkennen können, und verweist zugleich auf oft unterschätzte Risikofaktoren wie Einsamkeit, Depressionen und Schwerhörigkeit.

Neben Bluttests rücken auch sensorische Funktionen in den Blickpunkt. Ein Bericht der HuffPost UK vom 08.10.2026 greift eine Studie aus dem Jahr 2017 auf, an der 2.906 Männer und Frauen im Alter von 57 bis 85 Jahren ohne anfängliche Demenzdiagnose teilnahmen. Getestet wurde das Erkennen von fünf Gerüchen: Fisch, Leder, Orange, Pfefferminz und Rose. Während Pfefferminz am leichtesten identifiziert wurde, fiel die Erkennung von Leder am schwersten.

Sieben Prozent der Teilnehmer erkannten lediglich zwei bis drei Gerüche, knapp über zwei Prozent nur einen einzigen und ein Prozent keinen der Gerüche. Nach einem fünfjährigen Beobachtungszeitraum wiesen Personen, die weniger als vier der five Gerüche erkannten, ein etwa doppelt so hohes Demenzrisiko auf (bereinigt um Alter und Bildung).

Ein begleitendes Editorial ordnet Riechstörungen dabei nicht als primären Risikofaktor, sondern als potenzielles frühes Anzeichen für neurodegenerative Prozesse ein.

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