Alzheimer-Diagnostik, Tau-Werte

Alzheimer-Diagnostik: Zwei Tau-Werte trennen die Erkrankung mit AUC 0,961

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 15:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die BD-Tau-Anreicherung verbesserte die Abgrenzung von Alzheimer und ALS; für den klinischen Routineeinsatz sind weitere Prüfungen nötig.
Moderne Laborumgebung mit medizinischen Probengefäßen auf einer Edelstahloberfläche zur neurologischen Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Blutbasierte Biomarker gelten als Hoffnungsträger, um neurodegenerative Erkrankungen schneller und unkomplizierter nachzuweisen. Ein zentrales Problem der bisherigen Diagnostik bleibt jedoch das Risiko fehlerhafter Resultate, wenn Begleiterkrankungen die Messwerte verzerren.

Forschende der Universitätsmedizin Halle haben vor diesem Hintergrund ein zweistufiges Bluttest-Verfahren vorgestellt: Durch eine Antikörper-Anreicherung von gehirneigenem Tau (brain-derived Tau, BD-Tau) und eine anschließende pTau217-Messung sollen falsch-positive Alzheimer-Befunde künftig verringert werden.

Zweistufige Antikörper-Anreicherung trennt Alzheimer von ALS

Bislang zeigen herkömmliche pTau217-Tests nicht nur bei Alzheimer, sondern auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erhöhte Werte.

In einer Untersuchung der Universitätsmedizin Halle, die in der Fachzeitschrift Nature Communications (Abu-Rumeileh et al., Nat Commun 17, 10745 (2026)) erschien, wurde dieses Problem anhand von 315 Probanden analysiert. Die Gruppe umfasste 101 Alzheimer-Erkrankte, 139 ALS-Patienten sowie 75 Kontrollpersonen mit Proben aus Halle, Mannheim und Mailand.

In einer zentralen Zwei-Schritt-Analyse mit 149 Proben (60 Alzheimer, 50 ALS, 39 Kontrollen) zeigte sich, dass nach der gezielten Anreicherung der Marker BD-pTau217 ausschließlich bei Alzheimer-Patienten erhöht blieb. Massenspektrometrische Analysen belegten zudem, dass gehirneigenes pTau217 im Muskelgewebe praktisch nicht vorhanden ist.

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In einer ROC-Analyse zur Unterscheidung von Alzheimer und ALS stieg die Fläche unter der Kurve (AUC) durch die Anreicherung von 0,729 auf 0,900; das Verhältnis aus zwei Tau-Werten erzielte sogar einen AUC-Wert von 0,961.

Das hallesche Verfahren wird als ergänzende Untersuchung vorgeschlagen, wenn nach einem etablierten pTau217-Test ein unklares klinisches Bild oder der Verdacht auf eine Muskel- oder Nervenerkrankung vorliegt.

Bis zum Einsatz in der klinischen Routine sind jedoch weitere Schritte erforderlich: Das Verfahren ist noch nicht für die Routinediagnostik validiert und muss in größeren, unabhängigen Kohorten standardisiert werden. Forschende unterstreichen die Bedeutung präziser Tests für neue Alzheimer-Therapien, die vor allem in frühen Stadien und bei gesicherter Diagnose wirken.

Zusätzliche Verfahren für diagnostische Grauzonen

Auch internationale Arbeitsgruppen arbeiten an mehrstufigen Strategien, um die Aussagekraft von Bluttests zu schärfen. Die Boston University Chobanian & Avedisian School of Medicine entwickelte gemeinsam mit der University of Connecticut das Modell GRAD (Gatekeeper-Reflex for Alzheimer's Disease), das am 19. Oktober 2026 in den Annals of Clinical and Translational Neurology vorgestellt wurde. Das Modell schaltet bei einem uneindeutigen p-Tau217-Ergebnis einen zweiten Bluttest hinzu und bezieht Alter sowie genetische Risikofaktoren ein.

Entwickelt an Daten von 145 Personen mit kognitiven Einschränkungen und überprüft an 1.644 Personen ohne Beeinträchtigung, verbesserte GRAD bei 630 Teilnehmenden in der diagnostischen Grauzone die Identifikation von Amyloid-Ablagerungen und reduzierte den Bedarf an Amyloid-PET-Scans. Das Modell ist jedoch noch nicht als Ersatz für bildgebende Verfahren validiert; prospektive Tests stehen noch aus.

Erfahrungen aus der klinischen Praxis heben ebenfalls den Stellenwert präziser Biomarker hervor. Die spanische Krankenhauskette HM Hospitales richtete ein beschleunigtes Verfahren (Fast-Track-Circuit) ein, um Diagnosen kognitiver Störungen zu straffen.

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Fachärzte der Gruppe berichten, dass neun von zehn untersuchten Alzheimer-Patienten per Blutprobe korrekt diagnostiziert werden; die Einbindung des Biomarkers änderte die ursprüngliche Diagnose in 26,5 Prozent der Fälle. Ein generelles Screening asymptomatischer Personen außerhalb der Forschung wird jedoch nicht empfohlen.

Parallel dazu untersuchen Forschungsteams um Nicholas Ashton vereinfachte Entnahmemethoden. Ein Test auf Basis getrockneter Blutstropfen erkannte bei 337 untersuchten Personen krankheitsbezogene Veränderungen in 86 Prozent der Fälle.

Zwar erreichte die standardmäßige venöse Blutentnahme für p-tau217 mit rund 98 Prozent Genauigkeit gegenüber dem Liquorstatus höhere Werte, doch zeigen die Befunde das Potenzial künftiger diagnostischer Zwischenschritte.

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