Alzheimer-Medikament, SPINOZA-Studie

Alzheimer-Medikament: SPINOZA-Studie prĂĽft Obicetrapib bei 400 Menschen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Alzheimer-Forschung meldet neue klinische Ansätze, eine verfeinerte Tau-PET-Klassifikation und Erkenntnisse zur Genomorganisation.

Alzheimer-Forschung: NewAmsterdam startet SPINOZA-Studie mit Obicetrapib
Ein minimalistisches, modernes Labor mit sterilen Arbeitsflächen und Glasgefäßen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Alzheimer-Forschung durchläuft derzeit eine Phase intensiver klinischer Erprobung neuer Wirkstoffklassen, während parallel Fortschritte in der Diagnostik und im Grundlagenverständnis der Krankheit gemeldet werden. Ein aktuelles Beispiel liefert das Unternehmen NewAmsterdam Pharma (NASDAQ: NAMS), das laut einem Bericht von investing.com vom 29. September 2026 den ersten Teilnehmer in die Phase-2b-Studie SPINOZA aufgenommen hat.

SPINOZA-Studie testet Obicetrapib bei präklinischer Alzheimer-Krankheit

Die Studie untersucht den oralen CETP-Inhibitor Obicetrapib bei Menschen mit präklinischer Alzheimer-Krankheit. Geplant sind rund 400 Teilnehmer im Alter von 55 bis 85 Jahren mit den Genotypen ApoE4/E4, ApoE3/E4 oder ApoE3/E3, die mindestens 27 Punkte im Mini-Mental-State-Test erreichen.

Die Randomisierung erfolgt im Verhältnis 1:1 und stratifiziert nach Genotyp; die Teilnehmenden erhalten über 52 Wochen entweder 10 mg Obicetrapib oder Placebo. Primärer Endpunkt ist die Veränderung von Plasma-p-tau217 zwischen Studienbeginn und Woche 52. Im Anschluss ist eine optionale, unverblindete Verlängerungsphase von 26 Wochen vorgesehen.

Grundlage für das Studiendesign ist laut dem Bericht eine vorab spezifizierte Analyse der Phase-3-Studie BROADWAY mit 1.535 Patienten, die über zwölf Monate statistisch signifikant geringere absolute Veränderungen von p-tau217 gegenüber Placebo gezeigt hatte. Obicetrapib wird zudem in der Phase-3-Studie PREVAIL mit über 9.500 Patienten geprüft, deren Aufnahmephase im April 2024 abgeschlossen wurde.

Weitere Wirkstoffkandidaten in der Pipeline

Neben NewAmsterdam Pharma treiben weitere Unternehmen Ansätze gegen Tauopathien voran. Arrowhead Pharmaceuticals (NASDAQ: ARWR) veranstaltet am 14. Oktober 2026 ein R&D-Webinar zur RNAi-Therapie ARO-MAPT und zur eigenen CNS-Pipeline. ARO-MAPT nutzt die sogenannte TRiM-Plattform, wird subkutan verabreicht und überwindet nach präklinischen Daten die Blut-Hirn-Schranke bis in tiefe Hirnregionen.

Die Phase-1/2a-Studie AROMAPT-SC-1001 ist placebokontrolliert mit Dosissteigerung und soll bis zu 64 gesunde Freiwillige sowie bis zu 48 Patienten mit früher Alzheimer-Krankheit einschließen, die 1 bis 5 subkutane Dosen erhalten. Weltweit sind schätzungsweise 32 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen.

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Auch Roche verfolgt mit dem bispezifischen Anti-Amyloid-Antikörper Trontinemab einen eigenen Ansatz, der über die sogenannte Brainshuttle-Technologie den Transferrinrezeptor nutzt.

In einer Phase-Ib/IIa-Studie lagen nach 28 Wochen bei 91 Prozent der Teilnehmer der untersuchten Hochdosisgruppe die Amyloidwerte unterhalb der Positivitätsschwelle – ein Biomarkerergebnis ohne belegten klinischen Nutzen. Der Wirkstoff befindet sich mittlerweile in Phase III.

Auf dem Pharma Day äußerte sich Roche-Pharmachefin Teresa Graham insgesamt zuversichtlich zur Forschungspipeline: Seit dem vorangegangenen Pharma Day habe man zehn zulassungsrelevante Studien mit erreichten Zielen abgeschlossen, sechs Programme befänden sich in zulassungsrelevanter Phase, drei weitere in Phase II.

Bis 2030 könnten bis zu 20 neue Wirkstoffe auf den Markt kommen. Seit Ende 2023 nutzt Roche zudem den Bewertungsrahmen „The Bar“, der laut Unternehmensangaben zu einer Erfolgsquote in Phase III von 65 Prozent im Jahr 2025 und über 80 Prozent im laufenden Jahr 2026 beigetragen habe.

Fortschritte in Diagnostik und Grundlagenforschung

Parallel zur Wirkstoffentwicklung gibt es Fortschritte bei diagnostischen Verfahren. Eine prospektive, multizentrische Studie in JAMA Neurology stellte eine neue fünfstufige tau-PET-Klassifikation vor, die Tau-Pathologie in frühen Phasen besser erkennen soll als die bisherige binäre Einteilung.

In die Auswertung flossen 681 von 822 Teilnehmern der sogenannten HEAD-Studie ein, das mittlere Alter lag bei 69,3 Jahren, 53,9 Prozent waren Frauen. Bei kognitiv gesunden Probanden zeigte sich die neue Klassifikation der binären Methode statistisch deutlich überlegen; auch bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung fielen die Unterschiede signifikant aus.

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Auf zellulärer Ebene fanden Forschende in Spanien unter Leitung von Javier Sáez Valero am Institute for Neurosciences der Miguel Hernández University of Elche erhöhte Werte des aktiven Enzyms meprin-? im Hirngewebe und in der Rückenmarksflüssigkeit von Alzheimer-Patienten – besonders in fortgeschrittenen Braak-Stadien.

In Zellkulturexperimenten mit humanen Neuronen erhöhte die Exposition gegenüber A?42 die meprin-?-Werte signifikant, was auf eine mögliche Nutzung als Krankheitsindikator hoteutet, auch wenn die Forschenden weitere Studien für nötig halten. Die Ergebnisse wurden in Alzheimer’s Research & Therapy veröffentlicht.

Eine im Fachjournal Science publizierte Studie von Forschenden der Carnegie Mellon University, der University of Pittsburgh School of Medicine und der University of Washington untersuchte mittels Einzelzell-Multi-Omik und Deep-Learning-Methoden die dreidimensionale Genomorganisation im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Dabei zeigte sich ein verstärktes „Compartment Mingling“ mit reduzierten lokalen, aber erhöhten langreichweitigen Chromatin-Interaktionen sowie geschwächten Verbindungen zwischen Genen und ihren Enhancern.

Diese Veränderungen korrelierten mit verminderter Transkription neuronaler und synaptischer Genprogramme sowie gestörtem Zellstoffwechsel. An der Studie waren zudem das Broad Institute, die UCLA und das Rush Alzheimer’s Disease Center beteiligt; finanziert wurde sie durch die US-amerikanischen National Institutes of Health. Der beteiligte Forscher Jian Ma von der Carnegie Mellon University betonte, Alzheimer lasse sich nicht verstehen, wenn man nur eine Ebene der Krankheit betrachte.

Einordnung

Die parallel laufenden Entwicklungen – von der klinischen Prüfung neuer Wirkstoffe wie Obicetrapib über RNAi-basierte Ansätze bis hin zu verbesserten Bildgebungsverfahren und Grundlagenforschung zur Genomorganisation – verdeutlichen, dass die Alzheimer-Forschung derzeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig voranschreitet.

Ob sich daraus in absehbarer Zeit neue zugelassene Therapien ergeben, bleibt Gegenstand laufender klinischer Studien wie SPINOZA und PREVAIL, deren Ergebnisse in den kommenden Jahren erwartet werden.

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de | wissenschaft | 70201871 |