Alzheimer-Prävention: Bis zu 45 Prozent der Diagnosen wären vermeidbar
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin erheblicher Teil aller Alzheimer-Erkrankungen ließe sich durch frühzeitige und gezielte Anpassungen der Lebensgewohnheiten abwenden. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Fundació Pasqual Maragall und der Federació Catalana Alzheimer in Barcelona vorgestellter Bericht mit dem Titel „L'abordatge de l'Alzheimer a Catalunya".
Demnach könnten bis zu 45 Prozent der jährlichen Diagnosen durch eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, einen reduzierten Alkoholkonsum sowie gepflegte soziale Kontakte vermieden werden, wie Arcadi Navarro, Direktor der Fundació Pasqual Maragall, darlegte.
Auch Josep Maria Argimon von der Stiftung betonte, dass die Erkrankung bei 40 bis 45 Prozent der Betroffenen abwendbar sei. Entsprechende Präventionsmaßnahmen müssten bereits in der Kindheit ansetzen.
Diagnoseverzögerungen und Belastung des Pflegesystems
Neben den Möglichkeiten der Vorbeugung verweist der Bericht auf gravierende Lücken in der Versorgungskette. Rund 30 Prozent der Alzheimer-Fälle bleiben bisher undiagnostiziert, während sich die Feststellung der Erkrankung im Schnitt um zwei bei drei Jahre verzögert. Gleichzeitig altert die Gesellschaft stetig: Allein in Katalonien wächst die Zahl der Menschen im Alter von über 65 Jahren jährlich um 35.000 Personen.
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Angesichts dieser Entwicklung fordert der Bericht ein integrales Strategieprogramm. Dazu zähle die zügige Einbindung neuer Biomarker sowie neuartiger Antikörpertherapien wie Donanemab und Lecanemab.
Beide Wirkstoffe sind in Europa zugelassen, werden in Spanien bislang jedoch nicht vom Gesundheitsministerium finanziert. Zudem verlangen die Organisationen Reformen der Versorgungsstrukturen, da gegenwärtig rund 80 Prozent der Pflegeleistungen von Frauen erbracht werden, sowie eine Angleichung regionaler Unterschiede.
Nach Einschätzung von Albert Lleó vom Hospital Sant Pau könnte die klinische Situation in zehn Jahren grundlegend anders aussehen; obwohl Biomarker bereits seit 2010 zur Verfügung stünden, bestehe bei der flächendeckenden Umsetzung im Gesundheitssystem nach wie vor ein erheblicher Rückstand.
Weltweite Dimension und aktualisierte Leitlinien
Die Bedeutung beeinflussbarer Risikofaktoren wird durch globale Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untermauert. Im Jahr 2021 lebten weltweit rund 57 Millionen Menschen mit einer Demenz, davon mehr als 60 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
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Jährlich kommen fast zehn Millionen Neuerkrankungen hinzu, wobei Alzheimer für 60 bis 70 Prozent der Fälle verantwortlich ist. Als fünfthäufigste Todesursache verursachte Demenz im Jahr 2019 weltweite ökonomische Gesamtkosten von 1,3 Billionen US-Dollar. Etwa die Hälfte davon entfiel auf informelle Pflege mit durchschnittlich fünf Stunden täglich, wobei Frauen 70 Prozent dieser Pflegezeit leisteten.
In den Empfehlungen der WHO für das Jahr 2026 wird festgehalten, dass fast die Hälfte des Demenzrisikos auf veränderbare Faktoren zurückzuführen ist. Erstmals empfiehlt die Organisation dabei ausdrücklich soziale Aktivitäten zur Risikosenkung, wofür sie 2019 noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz sah. Körperliche Bewegung rangiert weiterhin an erster Stelle der präventiven Maßnahmen.
Dass strukturierte Verhaltensänderungen wirken, bestätigte auch eine im Fachjournal Lancet Regional Health – Western Pacific veröffentlichte Untersuchung der Monash University: Ein pflegegeführtes, app-unterstütztes Programm verbesserte bei 56 Prozent der Teilnehmenden die Risikowerte, verglichen mit 44 Prozent in der Kontrollgruppe, insbesondere durch mehr Bewegung und angepasste Ernährung.
