Alzheimer, Hirnalterung

Alzheimer und Hirnalterung: Studie zeigt zwei getrennte Vernetzungsachsen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 20:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung mit zwei Kohorten verknüpft Alzheimer-Marker und Lebensalter mit unterschiedlichen funktionellen Hirnnetzwerken.

Lund-Studie zeigt unterschiedliche Hirnveränderungen bei Alterung und Alzheimer
Abstrakte Darstellung komplexer neuronaler Vernetzungen in einem dunklen, ätherischen Raum mit blauen und violetten Lichtakzenten. Illustration mit AI erstellt.

Die funktionelle Organisation des menschlichen Gehirns unterliegt im Laufe des Lebens stetigen Veränderungen. Neue wissenschaftliche Untersuchungen liefern nun detaillierte Einblicke darin, wie sich normale Alterungsprozesse und neurodegenerative Erkrankungen auf die Vernetzung von Hirnarealen auswirken.

Eine in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlichte Untersuchung der Lund University von Forschenden um Rittmo und Vogel legt dar, dass Alterung und die Alzheimer-Krankheit die funktionelle Hirnkonnektivität entlang zweier voneinander getrennter Gradienten reorganisieren. Wie aus einem Bericht vom 08.10.2026 hervorgeht, unterscheiden sich die neurobiologischen Pfade beider Prozesse grundlegend.

Getrennte Gradienten für Alterung und Alzheimer-Pathologie

Bisher war unvollständig geklärt, inwieweit funktionelle Netzwerkveränderungen bei älteren Menschen vorrangig auf das chronologische Alter oder auf beginnende pathologische Prozesse zurückzuführen sind. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zeigen eine deutliche Trennung der betroffenen Achsen.

Demnach korreliert die Alzheimer-Pathologie primär mit Veränderungen entlang der sensorisch-assoziativen Achse. Zur Erfassung der krankheitsspezifischen Belastung nutzten die Wissenschaftler den sogenannten SCORPIUS-Score, der sich aus Biomarkern für Amyloid-Beta (CSF-A?42/40) im Liquor sowie Tau-PET-Messungen zusammensetzt.

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Für diesen Zusammenhang ergab sich in der schwedischen BioFINDER-2-Kohorte ein Korrelationswert von r=0,74. In einer unabhängigen Vergleichsgruppe der Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative (ADNI) lag die Korrelation bei r=0,54.

Im Gegensatz dazu steht der normale Alterungsprozess mit einer anderen funktionalen Dimension in Verbindung: Das chronologische Alter korreliert primär mit der repräsentativ-exekutiven Achse. In der BioFINDER-2-Kohorte erreichte diese Korrelation einen Wert von r=0,75, während in der ADNI-Kohorte ein Wert von r=0,68 gemessen wurde.

Diese Differenzierung verdeutlicht, dass Alzheimer-typische Veränderungen nicht bloß eine beschleunigte Form der gewöhnlichen Hirnalterung darstellen, sondern andere funktionelle Systeme erfassen.

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Umfangreiche Datenbasis stützt die Befunde

Die Ergebnisse basieren auf einer breiten empirischen Grundlage bildgebender und biochemischer Verfahren. Den Kern der Untersuchung bildeten 973 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BioFINDER-2-Kohorte aus Schweden, bei denen Marker für CSF-Amyloid, Tau-PET-Aufnahmen sowie funktionelle Magnetresonanztomografien (fMRI) vorlagen. Zur Überprüfung und Replikation der Ergebnisse zogen die Forschenden zudem 129 Teilnehmer der ADNI-Kohorte heran.

Um die zeitliche Dynamik dieser Netzwerkveränderungen nachzuvollziehen, führten die Autoren zudem eine Längsschnittanalyse durch. In diesen Teil der Studie wurden 378 Teilnehmer aus der BioFINDER-2-Kohorte einbezogen, bei denen Wiederholungsuntersuchungen mittels Bildgebung vorlagen.

Ergänzt wurden die Messungen durch detaillierte kognitive Analysen an differenzierten Probandengruppen. Untersucht wurden hierbei 310 gesunde, Amyloid-negative Personen, die keine Träger des Risikoallels APOE-?4 waren, sowie 258 Teilnehmer mit diagnostizierter leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder Demenz.

Die vollständige Publikation ist unter der DOI-Kennung 10.1038/s41593-026-02402-0 registriert und bietet neue Ansatzpunkte, um Biomarker für neurodegenerative Erkrankungen präziser von normalen Alterserscheinungen abzugrenzen.

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