AMD-Implantat, PRIMA

AMD-Implantat PRIMA: 26 von 32 Patienten verbessern ihre SehschÀrfe

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In der PRIMAvera-Studie verbesserte sich die SehschÀrfe bei 81 Prozent der ausgewerteten Teilnehmenden mit fortgeschrittener geografischer Atrophie.

Augenmedizin: Netzhautimplantat PRIMA zeigt Studienergebnisse bei AMD
Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Gewebestruktur in einem sterilen klinischen Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung der altersabhÀngigen Makuladegeneration (AMD) steht vor technologischen VerÀnderungen. Im Rahmen des 124. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) erlÀuterte DOG-PrÀsident Prof. Lars-Olof Hattenbach die Entwicklungen rund um das subretinale Netzhaut-Implantat PRIMA.

Das System zielt auf Patienten mit fortgeschrittener trockener AMD ab, einer Erkrankung, die unter der Bezeichnung geografische Atrophie (GA) bekannt ist und in Deutschland schÀtzungsweise 400.000 Menschen betrifft. Insgesamt leben bundesweit etwa eine Million Menschen mit einer diagnostizierten AMD.

Technischer Aufbau und klinische Studienergebnisse

Das PRIMA-Implantat zeichnet sich durch eine kompakte Bauweise aus. Mit einer FlĂ€che von 2×2 mm und einer Dicke von rund 30 ”m trĂ€gt der Chip 378 photovoltaische Pixel. Das System funktioniert ohne Kabel oder Batterien; die Energieversorgung sowie die BildĂŒbertragung erfolgen ĂŒber Nahinfrarotlicht, das von einer speziellen Kamerabrille auf das unter die Netzhaut eingesetzte Implantat projiziert wird.

Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde in der sogenannten PRIMAvera-Studie untersucht, an der 38 Patienten mit fortgeschrittener GA teilnahmen. Laut den im New England Journal of Medicine publizierten Ergebnissen konnten zwölf Monate nach der Implantation 32 Teilnehmer ausgewertet werden.

Davon erreichten 26 Personen – dies entspricht einem Anteil von 81 Prozent – eine Verbesserung der SehschĂ€rfe um mindestens zehn ETDRS-Buchstaben, was etwa zwei Zeilen auf einer Sehtafel entspricht. Fachleute beobachteten zudem, dass die natĂŒrliche Sehfunktion außerhalb des implantierten Bereichs im Mittel erhalten blieb.

Trotz der im Juli 2026 erteilten europÀischen CE-Kennzeichnung ist das System mit funktionellen EinschrÀnkungen verbunden. Es ermöglicht kein normales Sehvermögen; Farbwahrnehmung fehlt ebenso wie ein umfassendes Gesichtsfeld.

Zudem ist eine monatelange Rehabilitation erforderlich, um den Umgang mit dem kĂŒnstlichen Sehen zu erlernen. Der Zugang zur Technologie ist derzeit auf spezialisierte Zentren konzentriert, wobei die Erstattungsmodelle noch als ungeklĂ€rt gelten.

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Innovationen in der Kornea-Chirurgie und Katarakt-Behandlung

Parallel zu den Entwicklungen im Bereich der Netzhautimplantate verzeichnet die Hornhautchirurgie Fortschritte durch den verstÀrkten Einsatz von Lasertechnik. Prof. Dr. An?l Kubalo?lu wies darauf hin, dass bei Kornea-Transplantationen zunehmend Laser-Kerben anstelle von Skalpellen genutzt werden. Dies ermögliche nahtlose Verfahren bei vorderen lamellÀren sowie endothelialen Zelltransplantationen.

Diese Techniken senken laut dem Experten das Abstoßungsrisiko und verkĂŒrzen die Erholungszeit auf etwa zwei Wochen. Eine kĂŒnstliche Kornea, die Boston Keratoprothese, bleibe hingegen die letzte Option bei komplexer Kornea-Blindheit.

In Alanya berichtete Doç. Dr. Fuat Yavrum ĂŒber die erfolgreiche Anwendung der DMEK-Methode (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty). Bei diesem Verfahren wird lediglich eine etwa 20 Mikron dĂŒnne innere Schicht der Hornhaut ĂŒber minimale Schnitte ersetzt. Ziel dieser Spezialisierung in regionalen KrankenhĂ€usern sei es, die Patientenversorgung vor Ort zu sichern und Überweisungen in entfernte Zentren zu reduzieren.

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Auch in der Katarakt-Chirurgie kommen neue Systeme zum Einsatz. Prof. Robert Rejdak fĂŒhrte in Polen erste Operationen mit einem modernen Nanolaser-System durch. Die Technologie eines deutschen Herstellers fragmentiert das Linsengewebe direkt an der Instrumentenspitze bei sehr geringem Energieverbrauch, was das umliegende Gewebe schont.

Das Verfahren wird insbesondere fĂŒr frĂŒhe Stadien des grauen Stars und den Einsatz von Premium-Intraokularlinsen zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten als geeignet eingestuft.

Forschung zu Glaukom und Mikrostromstimulation

Neue AnsĂ€tze werden auch in der Glaukom-Therapie und bei intermediĂ€ren Stadien der AMD erforscht. Eine prĂ€klinische Sicherheitsstudie zur kontaktlosen Direct Selective Laser Trabeculoplasty (DSLT), die in der Fachzeitschrift Lasers in Surgery and Medicine als Editor's Choice fĂŒr Oktober 2026 ausgewĂ€hlt wurde, untersuchte die Auswirkungen hoher Energiestufen.

Die Autoren Liat Mendel-Veig und Guy Kleinmann stellten fest, dass selbst bei supramaximaler Energie keine signifikanten SchÀden an den Augenstrukturen auftraten.

In der Pilotstudie i-SIGHT untersuchte Michael David Ober die Wirkung der transpalpebralen Mikrostromstimulation (MCS). Bei 30 Teilnehmern mit intermediĂ€rer trockener AMD zeigte die aktive Behandlungsgruppe nach zwölf Monaten eine Verbesserung der Photorezeptorfunktion und eine Abnahme von Defekten in der Ellipsoidzone im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Forscher betonten jedoch, dass diese Ergebnisse in weiteren Studien bestĂ€tigt werden mĂŒssen.

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