Adipositas, Zuckersteuer

Leopoldina: Deutschland wĂŒrde von Zuckersteuer profitieren

21.01.2026 - 10:00:05

Andere LĂ€nder haben mit einer Zuckersteuer bereits gute Erfahrungen gemacht. Experten der Akademie der Wissenschaften ermuntern zur EinfĂŒhrung auch in Deutschland.

Die Besteuerung von stark zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln und GetrĂ€nken ist der Leopoldina zufolge auch in Deutschland zu empfehlen. Abgaben auf zuckergesĂŒĂŸte GetrĂ€nke hĂ€tten in anderen LĂ€ndern wie Großbritannien den Konsum von Zucker und zuckergesĂŒĂŸten GetrĂ€nken nachweislich reduziert, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle. Auch in Deutschland sei mit positiven Effekten auf die Bevölkerungsgesundheit und weniger krankheitsbedingten Versorgungskosten zu rechnen.

Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien gegen Adipositas sei fraglich, so die Leopoldina. Trotz zahlreicher PrĂ€ventionsbemĂŒhungen gehe die ErkrankungshĂ€ufigkeit nicht zurĂŒck. Im Gegenteil: «In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie.» Fast jedes sechste Kind im Alter von 3 bis 17 Jahren hat demnach Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas). Bei den Erwachsenen sind zwei Drittel der MĂ€nner und die HĂ€lfte der Frauen ĂŒbergewichtig, etwa ein Viertel der Erwachsenen hat starkes Übergewicht.

Kombi PrÀvention und Therapie ist sinnvoll

Nötig sei eine Kombination von PrĂ€vention und Therapien, hieß es von der Leopoldina. Zentral ist den Akademie-Experten zufolge dabei, dass die PrĂ€vention frĂŒh ansetzt – in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes. «Ungesunde Verhaltensmuster sollten regulatorisch eingedĂ€mmt werden», heißt es in der Empfehlung weiter. Die Mehrwertsteuer fĂŒr gesunde Lebensmittel wie Obst, GemĂŒse und Vollkornprodukte solle gesenkt werden. Werbung fĂŒr ungesunde Lebensmittel mĂŒsse eingeschrĂ€nkt werden, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richte, deren Konsumverhalten stark von Werbung beeinflusst werde.

Bei den Therapien gebe es drei Optionen: Medikamente, auf den Lebensstil abzielende Maßnahmen und Chirurgie. Bei den Medikamenten sind der Leopoldina zufolge sogenannte Inkretin-Mimetika hervorzuheben, die neben dem Gewicht auch Begleiterkrankungen wie Diabetes 2 und kardiovaskulĂ€re Erkrankungen positiv beeinflussen. Derzeit wĂŒrden die Kosten fĂŒr Arzneimittel, deren primĂ€res Ziel die Steigerung der LebensqualitĂ€t ist – dazu zĂ€hlt auch die Regulierung des Körpergewichts – nicht ĂŒbernommen. Eine Anpassung sei dringend erforderlich.

Hohe finanzielle Belastung fĂŒr die Gesellschaft

Zu den Folgen von Adipositas gehört ein höheres Risiko unter anderem fĂŒr Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebserkrankungen. Die jĂ€hrlichen volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas und Übergewicht werden der Leopoldina zufolge auf etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts geschĂ€tzt, was etwa 113 Milliarden Euro entspreche.

@ dpa.de