Android 12 bis 17: Manipulierte Nachricht kann Telefonie und Notrufe stören
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Sicherheitsforscher Mark Blaszczyk hat am 29. Oktober 2026 eine gravierende Schwachstelle im mobilen Betriebssystem Android öffentlich gemacht. Über eine speziell manipulierte WAP-Push-Kurznachricht an Port 2948 lässt sich der zentrale Telefonie-Prozess com.android.phone zum Absturz bringen.
Das Besondere an diesem Angriff: Betroffene Smartphone-Nutzer müssen die Nachricht weder öffnen noch in irgendeiner Form mit dem Gerät interagieren, damit der Fehler ausgelöst wird.
Ursache liegt in fehlerhafter Datenverarbeitung
Nach Angaben von Blaszczyk vom 29. Oktober 2026 betrifft das Sicherheitsproblem die Versionen Android 12 bis 17. Praktisch nachvollzogen werden konnte der Angriff auf den Versionen Android 12 bis 16. Bei Tests auf einem Google Pixel 9 mit Firmware April 2026 sowie auf mehreren Modellen der Samsung-Galaxy-Reihe ließ sich der Fehler mit einer Reproduktionsrate von 100 Prozent nachstellen.
Die Ursache liegt in der Routine WapPushOverSms.decodeWapPdu. Wenn dort eine Header-Längenangabe von 2.147.483.648 (0x80000000) verarbeitet wird, wandelt das System diesen Wert als vorzeichenbehaftete 32-Bit-Zahl in -2.147.483.648 um. Daraufhin tritt eine NegativeArraySizeException auf, die den Prozess com.android.phone unweigerlich beendet.
Da die manipulierte Nachricht nicht im regulären Posteingang sichtbar wird, bleibt auch die Rufnummer des Absenders verborgen. Bei einem Eintreffen brechen laufende Telefonate sowie Notrufe unmittelbar ab, und die Telefoniefunktion bleibt jeweils für 1 bis 2 Sekunden unterbrochen.
Wiederholte Zustellungen führen zu Dauerschleifen
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Weil Mobilfunkprovider unbestätigte Nachrichten wiederholt zustellen, stürzt das Gerät fortlaufend ab. In den Testreihen führte bereits eine einzelne Nachricht zu Ausfällen über einen Zeitraum von bis zu einer Woche. Blaszczyk erklärte, dass rund 20 derartige Kurznachrichten ein Smartphone de facto unbrauchbar machen.
Wiederholte Nachrichten können das Gerät zudem in eine Neustartschleife versetzen, die unter Android 12 etwa alle 90 Sekunden auftritt. In der Folge wechselt das System in den Wiederherstellungsmodus und verlangt das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen, wodurch alle Daten unwiderruflich verloren gehen.
Als einzige Abhilfe ohne Datenverlust nannte der Forscher die manuelle Entfernung der Nachricht über einen PC mittels der Android Debug Bridge (ADB). Zur Demonstration stellte Blaszczyk am 29. Oktober 2026 einen Bauplan sowie eine Proof-of-Concept-Anwendung auf GitHub bereit.
Konkrete Angriffe auf reguläre Nutzer sind bislang nicht bekannt, zumal Angreifer lediglich die Zielrufnummer kennen müssen. Beim Schweizer Anbieter Swisscom wurden bereits temporäre Schutzmaßnahmen ergriffen, während der Konkurrent Salt auf vorhandene Schutzmechanismen verwies.
Patches und Reaktionen der Hersteller
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Google reagierte und stellte zum 1. November 2026 ein Sicherheitsupdate für die Versionen Android 14, 15, 16/16 QPR2 sowie 17 bereit. Die Schwachstelle wird dort unter der Kennung CVE-2026-58882 mit dem Schweregrad kritisch geführt. Der zugrunde liegende Fix fängt die Ausnahme ab und entfernt fehlerhafte Nachrichten aus der internen Datenbank; am 2. November 2026 aktualisierte Google das entsprechende Sicherheitsbulletin.
Für die älteren Versionen Android 12, 12L und 13 ist seitens Google kein allgemeiner Fix vorgesehen. Nutzer können ihren aktuellen Schutzstatus in den Geräteeinstellungen unter den Angaben zum Sicherheitsupdate überprüfen, wo mindestens der Patchstand 1. November 2026 ausgewiesen sein sollte.
Wie das Magazin pcgameshardware.de in einem Bericht vom 3. November 2026 festhielt, kündigte auch Samsung die Verteilung eines Fixes für betroffene Modelle an, wobei der genaue Rollout je nach Modell und Region variiert.
