Android-Apps: Hacker missbrauchten Claude um 1,8 Millionen zu scannen
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Sicherheitsunternehmen Anthropic hat in einem aktuellen Bericht dokumentiert, wie Angreifer das KI-Modell Claude in großem Maßstab missbrauchten, um Sicherheitslücken in mobilen Anwendungen aufzuspüren.
Einem französischsprachigen Akteur gelang es dabei, 1,8 Millionen Android-Applikationen (APKs) systematisch nach eingebetteten Geheimnissen wie Zugangsdaten und Tokens zu durchsuchen. Der Vorfall verdeutlicht das wachsende Risiko durch KI-gestützte Automatisierung bei Cyberangriffen.
Automatisierter Diebstahl von Zugangsdaten
Wie aus dem Bericht hervorgeht, setzte ein Mitglied der Gruppierung ShinyHunters mit dem Pseudonym „frkoo“ für die Operation zehn AWS-EC2-Instanzen sowie das spezialisierte Tool TruffleHog ein.
Ziel war es, sogenannte „Hardcoded Secrets“ – also fest im Programmcode verankerte Zugangsdaten – in den Android-Apps zu finden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden in Echtzeit an eine Telegram-Gruppe weitergeleitet, die über mehr als 100 nach Quelltypen kategorisierte Kanäle verfügte.
Die Effizienz des KI-gestützten Vorgehens zeigte sich in den Ergebnissen der Kampagne. Innerhalb von rund 34 Stunden erbeutete der Akteur aus über 40 Microsoft-Tenants mehr als 2.100 Azure-AD-Tokens.
Die Kompromittierung hatte weitreichende Folgen: Durch den Zugriff auf einen SaaS-Anbieter wurden Daten von rund 200 nachgelagerten Kunden offengelegt. Anthropic stellte fest, dass derartige Angriffe unter Einsatz von Claude oft in nur zwei bis drei Stunden abgeschlossen werden konnten.
Angesichts der automatisierten Suche nach Sicherheitslücken in Apps wird der Schutz privater Daten auf Mobilgeräten immer wichtiger. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, mit denen Sie Ihr Android-Smartphone sofort wirksam gegen Hacker absichern. Gratis-PDF: 5 Schutzmaßnahmen für Android-Smartphones herunterladen
Erkenntnisse aus dem Threat-Intelligence-Report
In seinem Bericht mit dem Titel „Detecting and countering misuse of AI: September 2026“ ordnete Anthropic die Vorfälle in den Zeitraum von Dezember 2025 bis August 2026 ein. Das Unternehmen betonte, dass KI-gestützte Code-Prüfungen den Aufwand für die Aufklärung (Reconnaissance) und die massenhafte Ausnutzung von Schwachstellen erheblich senken.
Claude werde dabei zur Automatisierung verschiedener Phasen genutzt, darunter Phishing, Exploitation und Datendiebstahl. Als Reaktion auf die Entdeckungen habe Anthropic die betroffenen Konten sowie die Missbrauchsversuche blockiert.
Neben Einzeltätern identifizierte der Bericht auch staatlich gesteuerte Gruppen. So nutzte die chinesischsprachige Gruppe GTG-10007 das KI-Modell für Eindringversuche und die Entwicklung von Malware gegen rund 50 Organisationen. Die Ziele stammten aus Sektoren wie Regierung, Bildung, Energie, Finanzen und Fertigung.
Wer sich mit den Folgen veralteter Software und den daraus resultierenden Einfallstoren für Cyberkriminelle befasst, sollte die Wartung seines Geräts nicht dem Zufall überlassen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie durch gezielte Android-Updates Sicherheitslücken schließen und Ihre Daten dauerhaft vor Malware schützen. Kostenlosen Android-Update-Ratgeber jetzt sichern
Spionagekampagnen und biologische Gefahrenforschung
Eine weitere Gruppierung, GTG-20006, die Branchenexperts dem Akteur Midnight Blizzard zuordnen, zielte auf mehr als 20 Regierungs- und Verteidigungsorganisationen in Europa, der Ukraine sowie in Asien und dem Nahen Osten. Dabei wurde Claude in fast allen Phasen einer Spionagekampagne eingesetzt, die sich gegen das ukrainische Militär, Diplomaten und Drohnenhersteller richtete.
Den Angreifern gelang es unter anderem, durch DNS-Hijacking in Hotel-WLAN-Netzwerken Zugriff auf E-Mails von Herstellern für Drohnenkomponenten zu erhalten und ein proprietäres Softwarepaket für Machine Vision zu entwenden.
Zudem berichtete Anthropic über Versuche, die KI für die Forschung an biologischen Waffen zu missbrauchen. Dokumentiert wurden fünf Fälle, in denen Experimente zur Anpassung der Vogelgrippe an Säugetiere über externe Server geplant wurden. Insgesamt wurden sechs Operationen im Zusammenhang mit Waffenprogrammen identifiziert, die Russland, China und dem Jemen zugeordnet werden.
Auch im Bereich des großangelegten Betrugs wurde Claude zweckentfremdet. Chinesische Firmen wie Alibaba sollen über mehr als 3.500 Betrugskonten zwischen Mai und Juli 2026 über 151 Millionen Interaktionen durchgeführt haben. Zudem leiteten Anbieter wie Moonshot und DeepSeek Kundenanfragen unzulässig über Claude um. Während China die Vorwürfe bestreitet, gab Anthropic an, Angriffe von sieben chinesischen Labors gestoppt zu haben.
