Android-Betrug: Cyberkriminelle klonen Bankkarten via NFC in 13 Minuten
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 23:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten warnen vor einer neuen, hochspezialisierten Betrugsmasche, die gezielt die Near Field Communication (NFC) von Android-Smartphones ausnutzt. Durch eine Kombination der Schadsoftware-Stämme Spynote und Windrelay ist es Cyberkriminellen möglich, Bankkarten physisch unbeteiligter Nutzer in Echtzeit zu klonen und deren Konten unmittelbar leerzuräumen.
Fernzugriff und Kartenklonen in Echtzeit
Die von den Analysten des Sicherheitsunternehmens Group-IB identifizierte Malware-Kombination nutzt die NFC-Funktion der Mobilgeräte, um die Opfer zur Preisgabe ihrer Kartendaten zu bewegen. Sobald die Schadsoftware das Gerät infiziert hat, wird eine sogenannte NFC-Relay-Funktion aktiviert. Diese Technik fängt die Daten des EMV-Chips einer Zahlungskarte ab, während der Nutzer diese an sein Smartphone hält oder in dessen Nähe verwendet.
Das System ermöglicht es den Angreifern, die Karte in Echtzeit zu klonen und damit Sicherheitsmechanismen der Bankinstitute zu umgehen. Besonders kritisch bewerten Experten die Geschwindigkeit der Angriffe: In einem dokumentierten Fall benötigten die Täter lediglich 13 Minuten, um nach der ersten Infektion die vollständige Kontrolle über das Bankkonto des Opfers zu erlangen.
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Die Kombination aus Fernzugriff und der Fähigkeit, NFC-Daten direkt abzugreifen, stellt eine neue Eskalationsstufe in der mobilen Cyberkriminalität dar.
Geografische Ausbreitung und technisches Ausmaß
Bisher wurden konkrete Vorfälle dieser speziellen Betrugsmasche vor allem in Tschechien und der Slowakei registriert. Die Experten von Group-IB halten eine Ausbreitung auf den gesamten DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) jedoch für sehr wahrscheinlich, da die zugrunde liegende Technik nicht an spezifische nationale Bankensysteme gebunden ist.
Die Bedrohungslage für Android-Nutzer hat sich im laufenden Jahr massiv verschärft. Daten des Sicherheitsunternehmens Kaspersky belegen einen drastischen Anstieg der Aktivitäten in diesem Bereich. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden insgesamt 35.600 NFC-Angriffe auf Android-Geräte gezählt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem 12.300 solcher Vorfälle registriert wurden, entspricht dies einer Steigerung um 188 Prozent.
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Angriffsvektoren und Prävention
Die Angreifer setzen dabei auf verschiedene technische Methoden, die als Direct-NFC und Reverse-NFC beschrieben werden. Während bei einer Methode das Smartphone als Lesegerät missbraucht wird, fungiert es bei der anderen als Relay-Station, um Zahlungsdaten an ein Drittgerät der Angreifer weiterzuleiten.
Um sich vor derartigen Übergriffen zu schützen, raten Sicherheitsexperten dringend dazu, Anwendungen ausschließlich aus offiziellen Quellen wie dem Google Play Store zu beziehen. Die Installation von Apps über Drittanbieter oder unbekannte Verlinkungen stellt den Hauptinfektionsweg für Schadsoftware wie Spynote dar.
Zudem sollten Nutzer auf ungewöhnliche Aufforderungen ihres Smartphones achten, die NFC-Funktion für unbekannte Prozesse zu nutzen oder Zahlungskarten ohne direkten Bezahlvorgang an das Gerät zu halten.
