Android-Malware Manic: 169 Apps im Visier, seit Februar aktiv
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 23:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten von ThreatFabric warnten am 20. August 2026 vor einer neuen, hochentwickelten Android-Malware namens Manic. Die Schadsoftware, die bereits seit Februar 2026 aktiv ist, kombiniert die Funktionen von Banking-Trojanern und klassischer Spyware. Sie zielt laut den Berichten auf insgesamt 169 verschiedene Anwendungen ab, darunter Banking-Suiten, Regierungs-Apps, Zahlungsdienste, Krypto-Wallets sowie Messaging-Dienste und Programme für die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA).
Technologische Raffinesse und Offline-Exfiltration
Die Verbreitung von Manic konzentriert sich primär auf die Ukraine, doch Experten registrierten auch Infektionen in Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei, dem Vereinigten Königreich und Russland.
Ein besonderes Merkmal der Malware ist die Nutzung von Bedienungshilfen (Accessibility Services) für Keylogging sowie von WebRTC-Protokollen zur Fernsteuerung infizierter Geräte. Um PIN-Eingaben beim Online-Banking abzufangen, setzt die Schadsoftware transparente Overlays über die digitalen Tastaturen der Nutzer.
Besorgniserregend bewerten Analysten die Methode der Datenexfiltration. Manic nutzt Wi-Fi Direct und Bluetooth, um gestohlene Informationen über bis zu 4 sogenannte Relay-Hops an andere Geräte weiterzuleiten.
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Dieser Mechanismus ermöglicht den Datendiebstahl selbst dann, wenn das betroffene Gerät offline ist oder keine direkte Verbindung zum Command-and-Control-Server (C2) herstellen kann. Der genaue Infektionsweg der Malware gilt derzeit noch als ungeklärt.
Zunahme spezialisierter Banking-Trojaner
Neben Manic beobachten Sicherheitsforscher weitere Bedrohungen für mobile Endgeräte. Zimperium zLabs identifizierte die Version 2.0 der Malware ToxicPanda, die es auf 349 Finanz-Apps in 16 Ländern abgeshen hat, darunter Indien, Pakistan, Nigeria, Südafrika und Mexiko.
ToxicPanda 2.0 nutzt Overlay-Angriffe und missbraucht die Android Debug Bridge (ADB) für Shell-Zugriffe. Bisher seien über 4.500 infizierte Geräte dokumentiert worden, wobei die Malware über 167 verschiedene Remote-Befehle verfügt.
Gleichzeitig eskaliert die sogenannte GoldDigger-Malware ihre Aktivitäten im asiatisch-pazifischen Raum (APAC) sowie in Südafrika und dem Vereinigten Königreich. Laut IBM Trusteer und Rescana setzt diese Software auf On-Device-Fraud, indem sie Nutzerinteraktionen simuliert. Dabei kommen spezielle Schutzmechanismen wie der VirBox Protector und der dpt-shell-Packer zum Einsatz, um eine Entdeckung durch Sicherheitsprogramme zu erschweren.
Schutzmaßnahmen der Plattformbetreiber
Als Reaktion auf die steigende Bedrohungslage verschärfen Plattformbetreiber ihre Sicherheitsvorkehrungen. Google führte am 20. August 2026 einen neuen Prozess namens „Advanced Flow“ für das Sideloading von Apps ein. Dieser erfordert von Nutzern unter anderem die Aktivierung des Entwicklermodus, einen Sicherheitscheck, einen Neustart des Geräts sowie eine 24-stündige Wartezeit und biometrische Verifizierung. Im Jahr 2025 blockierte Google bereits 1,75 Millionen regelwidrige Apps und löschte 80.000 Entwicklerkonten.
WhatsApp testet derzeit in einer geschlossenen Beta-Phase einen lokalen, auf maschinellem Lernen basierenden „Scam Alert“. Dieser soll Betrugsmuster bei Nachrichten von unbekannten Absendern direkt auf dem Gerät erkennen. Um die Privatsphäre zu wahren, nutzt die Telemetrie des Dienstes Verfahren wie IP-Stripping und Noise-Injection.
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Globale Bedrohungslage und System-Updates
Die allgemeine Gefahrenlage verschärft sich laut aktuellen Branchenberichten zusehends. Crowdstrike verzeichnete eine Verdopplung von Device-Code-Phishing und Vishing-Angriffen, bei denen Kriminelle mobile Authentifizierungs-Workflows manipulieren, um in Unternehmensnetzwerke einzudringen.
Kaspersky meldete für das erste Quartal 2026 allein in Indien 18.187 mobile Cyberangriffe, während Taiwan einen Anstieg der Vorfälle um 373 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete.
Auch Apple reagierte mit kurzfristigen Sicherheits-Updates. Am 20. August 2026 wurde iOS 15.8.4 für ältere Modelle wie das iPhone 6s veröffentlicht, um die Zero-Click-Lücke CVE-2024-27804 in der CoreTelephony-Komponente zu schließen. Zudem beheben die Versionen iOS 26.6.1 und iOS 18.7.10 kritische Schwachstellen in WebKit, dem Kernel und ImageIO, die bereits Anfang August bereitgestellt wurden.
