Android-Malware, Manic

Android-Malware Manic: Datenklau auch ohne Internetverbindung

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 00:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Android-Schadsoftware Manic exfiltriert Daten über Mesh-Relay-Netzwerke, selbst offline. Sie zielt auf 169 Apps und kombiniert Banking-Trojaner mit Spyware.

Neue Android-Malware Manic: Datendiebstahl auch ohne Internetverbindung
Ein modernes Smartphone liegt auf einem dunklen Schreibtisch in einer dezent beleuchteten Büroumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsforscher des spezialisierten Analysehauses ThreatFabric haben eine neue, hochentwickelte Android-Schadsoftware identifiziert, die als Manic bezeichnet wird. Das markanteste Merkmal dieses Schädlings ist die Fähigkeit, sensible Nutzerdaten selbst dann zu entwenden, wenn das infizierte Endgerät über keine aktive Verbindung zum Internet verfügt. Diese technologische Neuerung stellt eine signifikante Weiterentwicklung in der Bedrohungslandschaft für mobile Betriebssysteme dar.

Innovative Datenexfiltration über Mesh-Relay-Netzwerke

Die Funktionsweise von Manic unterscheidet sich grundlegend von herkömmlicher Banking-Malware, die üblicherweise auf eine direkte Kommunikation mit einem Command-and-Control-Server (C2) angewiesen ist.

Sollte das infizierte Gerät offline sein oder das eigentliche Serverziel nicht erreichen können, aktiviert Manic ein sogenanntes Mesh-Relay-Netzwerk. Hierbei nutzt die Software Schnittstellen wie Wi-Fi Direct und Bluetooth, um die gestohlenen Informationen an andere infizierte Geräte in der unmittelbaren physischen Umgebung zu übertragen.

Laut den Analysen von ThreatFabric kann die Exfiltration der Daten über bis zu vier solcher „Relay-Hops“ erfolgen. Die Informationen werden dabei von einem infizierten Smartphone zum nächsten weitergereicht, bis ein Gerät mit aktiver Internetverbindung die Daten schließlich an die Infrastruktur der Angreifer übermitteln kann.

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Dieser Ansatz erschwert die Entdeckung des Datenabflusses erheblich, da herkömmliche Sicherheitsmechanismen oft auf die Überwachung direkter Verbindungen zu bekannten schädlichen IP-Adressen setzen.

Zielgerichtete Überwachung von Finanz- und Behörden-Apps

Manic zielt auf eine breite Palette von Anwendungen ab. Insgesamt konnten die Forscher 169 Apps identifizieren, die von der Malware überwacht werden. Das Zielspektrum ist dabei vielschichtig: Es umfasst klassische Banking-Anwendungen, Zahlungsdienstleister, Krypto-Wallets sowie Messaging-Dienste.

Besonders kritisch wird die Überwachung von Regierungs- und eID-Apps sowie Anwendungen zur Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) eingestuft, da diese oft den Zugang zu hochsensiblen Identitätsdaten ermöglichen.

Regional liegt der Fokus der Kampagne derzeit auf der Ukraine, wo insbesondere nationale Banken sowie behördliche Kommunikationsanwendungen angegriffen werden. Die Bedrohung beschränkt sich jedoch nicht auf diese Region; auch Finanzinstitute in Russland und verschiedenen europäischen Ländern befinden sich auf der Zielliste der Schadsoftware.

Kombination aus Banking-Betrug und Spionagefunktionen

Technisch betrachtet handelt es sich bei Manic um eine hybride Bedrohung, die Funktionen von Banking-Trojanern mit Spyware-Eigenschaften kombiniert. Um an Zugangsdaten und PIN-Codes zu gelangen, setzt die Malware auf transparente Overlays, die sich über legitime Apps legen und Nutzereingaben abfangen.

Zudem missbraucht das Programm die Android-Accessibility-Dienste (Bedienungshilfen), um als Keylogger für Benutzeroberflächen zu fungieren und sämtliche Interaktionen auf dem Bildschirm zu protokollieren.

Zusätzlich ermöglicht die Integration des Kommunikationsprotokolls WebRTC den Angreifern einen umfassenden Fernzugriff. Dadurch kann das Gerät aus der Ferne gesteuert werden, was über den reinen Datendiebstahl hinausgeht und direkte Manipulationen am infizierten System erlaubt.

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Entwicklung und Verbreitungswege

Die Spuren der Entwicklung von Manic lassen sich bis in den Februar 2026 zurückverfolgen. Die aktive Phase der Programmierung und Verfeinerung des Codes dauerte bis Juli 2026 an. Im Verlauf des Jahres konnten zwei deutliche Wellen der Verbreitung beobachtet werden: Eine erste Version, die als Wrapper getarnt war, tauchte Ende Mai 2026 auf. Eine zweite, verstärkte Welle wurde ab dem 13. Juli 2026 registriert.

Die Infektion der Endgeräte erfolgt nach Angaben der Sicherheitsforscher vornehmlich über klassische Phishing-Kampagnen. Nutzer werden dabei dazu verleitet, vermeintlich harmlose Anwendungen herunterzuladen, die als sogenannte Dropper fungieren und die eigentliche Manic-Malware nach der installation auf das System nachladen.

Experten raten angesichts dieser Bedrohung zur besonderen Vorsicht bei App-Installationen aus inoffiziellen Quellen und zur kritischen Prüfung von Berechtigungsanfragen für Bedienungshilfen.

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